Umstrittenes Vectoring Telekom darf das Internet schneller machen

Dieser Entschluss dürfte verändern, wie die Deutschen online gehen: Die Bundesnetzagentur erlaubt der Telekom, mit umstrittener Technik schnellere Internetzugänge zu schaffen. Die Konkurrenz warnt vor einem neuen Monopol.
Vectoring-Werbung der Telekom (auf der CeBIT 2014): Neue Macht nach Entscheidung der Netzagentur

Vectoring-Werbung der Telekom (auf der CeBIT 2014): Neue Macht nach Entscheidung der Netzagentur

Foto: Friso Gentsch/ picture alliance / dpa

Es ist ein großer Streitpunkt zwischen der Telekom und ihren Konkurrenten. Der Konzern will seine Leitungen mit einem technischen Trick aufbohren und damit das Internet in Deutschland beschleunigen - der Konkurrenz dabei allerdings den Zugang zum Netz abklemmen.

Die Bundesnetzagentur hat für den Plan jetzt grünes Licht gegeben. Am Montagmittag teilte die Regulierungsbehörde in einer Grundsatzentscheidung mit, sie wolle dem Konzern das umstrittene Vorhaben erlauben, wenn auch mit kleineren Ausnahmen.

Damit könnte der Ausbau des schnellen Internets in Deutschland kurzfristig beschleunigt, mittelfristig aber die Modernisierung mit Glasfaser erschwert werden - und die Telekom eine neue Monopolstellung einnehmen, wie Kritiker befürchten. Die Grundsatzentscheidung vom Montag könnte also die Art, wie Deutschland ins Netz geht, für die kommenden Jahre prägen.

Konkret geht es um den die "letzte Meile" des Netzes, also den Nahbereich im Umfeld von Hauptverteilerkästen, in dem die Telekom ihr Netz mit der schnelleren Vectoring-Technik aufrüsten will. Dabei werden mehr Daten durch das herkömmliche Kupfernetz geleitet.

Streit ums Vectoring

Die Telekom hat angekündigt, eine Milliarde Euro ins Vectoring zu investieren. Damit sollen sechs Millionen Haushalte in deutschen Innenstädten bis 2018 einen schnelleren Internetzugang erhalten. Dafür könnten aber über 135.000 VDSL-Anschlüsse der Wettbewerber gekappt werden - beide Technologien vertragen sich nicht in den Hauptverteilern.

Und so ist die Konkurrenz gegen den Vorschlag Sturm gelaufen. Sie fürchtet eine neue Monopolstellung der Telekom und sieht den Ausbau mit Glasfaberkabel, der noch schnelleres Internet bringen würde, nun behindert. In einem Brandbrief ans Kanzleramt sprachen die Wettbewerber gar von einer "zentralen Weichenstellung mit gesellschaftspolitischer Tragweite für die nächsten zehn Jahre".

Beim Ausbau mit Glasfaser hinkt Deutschland hinterher. Und die Kapazitäten von Kupfer werden zwar durch Vectoring noch einmal vergrößert, sind aber beschränkt.

Druck aus Berlin

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, bezeichnete den Entwurf angesichts der Kritik von Wettbewerbern als "fairen Kompromiss". Der "Glasfaserausbau bis in die Häuser" werde für kein Unternehmen eingeschränkt. Die 13 Konkurrenzverbände beteuern hingegen, dass sich durch ein Vectoring-Monopol der Glasfaserausbau verteuern und verzögern würde - weil er kurzfristig nicht mehr wirtschaftlich sei.

Es gibt in der Frage auch starken politischen Druck: Die Bundesregierung will den Breitbandausbau bis 2018 durchbekommen, dann soll es überall im Land Zugänge mit 50 Megabit pro Sekunde geben - es ist ein Prestigeprojekt des Ministers Alexander Dobrindt (Verkehr und digitale Infrastruktur). Und ohne die Vectoring-Pläne der Telekom wäre das sehr viel schwerer zu erreichen.

Zur Entscheidung der Netzagentur können die Marktteilnehmer noch einmal formell Stellung nehmen, auch in einer öffentlichen Verhandlung. Auch das Kartellamt und die europäische Regulierungsbehörde, die Vectoring kritisch sieht, werden gehört. Erst dann fällt im Frühjahr 2016 die endgültige Entscheidung.

Vorteile für die Telekom

Die Netzagentur will der Telekom auch Hürden aufstellen. So wird mit "spürbaren Sanktionen" gedroht, falls der Konzern seine Zusagen nicht einhält. Und auch Konkurrenten sollen Vectoring betreiben dürfen - wenn sie sich an einem Hauptverteilpunkt stärker als die Telekom "bei der DSL-Erschließung" engagiert hätten. Das hatten etwa die Anbieter EWEtel und NetCologne ins Spiel gebracht.

Es ist aber unklar, wie viele Konkurrenten von dieser Regelung wirklich profitieren wollen und können - sie müssten binnen weniger Monate eine verbindliche Ausbauzusage treffen. Eine Wettbewerbsnachteil gegenüber der Telekom, heißt es beim Branchenverband VATM.

Die Telekom muss laut Netzagentur der Konkurrenz weiterhin "ein Vorleistungsprodukt" anbieten, also Raum für ähnliche Zugänge wie bisher - die dann allerdings gegenüber dem durch Vectoring beschleunigtem Anschluss abfallen und teuer sein könnten.

Für die Telekom bietet sich dadurch neue Macht über das Netz in Deutschland.

Mitarbeit: Markus Böhm
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