Internetausbau in Deutschland EU-Kommission prüft Vectoring-Entscheidung genauer

Deutschlands Pläne für den Internetausbau werden die EU-Kommission länger beschäftigen: Die Behörde will die Vectoring-Pläne drei Monate prüfen. Die Telekom ärgert das, die Wettbewerber sind zufrieden.

Telekom-Zentrale (Archivbild)
DPA

Telekom-Zentrale (Archivbild)


Die EU-Kommission wird die umstrittene Entscheidung für den Ausbau schneller Internet-Verbindungen in Deutschland mit Vectoring-Technik genauer begutachten. Die Behörde leitete am Dienstag eine vertiefte Prüfung ein. Das passiert meist, wenn es Zweifel gibt, die ausgeräumt werden müssen. Als Frist dafür werden drei Monate gesetzt.

Die Prüfung könnte damit enden, dass die Pläne der deutschen Bundesnetzagentur durchgewunken werden. Es könnte aber auch sein, dass die Kommission der Bundesnetzagentur empfiehlt, ihren Entwurf anzupassen oder zurückziehen.

Beim Vectoring können mit herkömmlichen Kupferkabel-Leitungen Download-Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde erreicht werden. Telekom-Wettbewerber kritisieren, dass damit in den betroffenen Bereichen die wirtschaftliche Grundlage für einen Ausbau deutlich schnellerer Glasfaserleitungen wegfalle. Zudem bekomme die Telekom durch die aktuellen Pläne dort ein technologisches Monopol. Der Bonner Konzern weist diese Vorwürfe zurück.

Streit ums Vectoring
1. Was ist Vectoring?
Das sogenannte VDSL2-Vectoring ist eine Technologie, die es erlaubt, den Datendurchsatz von Kupferleitungen zu erhöhen. Man kann also ein höheres Datentempo erreichen, ohne die bestehenden Kabel beispielsweise durch Glasfaser zu ersetzen. In der Regel sollen durch Vectoring Geschwindigkeiten von mindestens 50 Megabit und bis zu 100 Megabit pro Sekunde möglich sein.
"Vectoring ermöglicht durch den Ausgleich von elektromagnetischen Störungen zwischen den Leitungen eine Verdoppelung der Bandbreite", erklärt die Telekom. Das Unternehmen ist der in Deutschland mächtigste Befürworter der Technologie.
2. Was spricht fürs Vectoring?
Fürs Vectoring spricht, dass man dabei im Grunde bestehende Infrastruktur upgradet: Mehr aus den bestehenden Kabeln herauszuholen, ist einfacher und weniger aufwendig, als neue Kabel zu verlegen. Langfristig will die Telekom per "Super Vectoring" auch höhere Vectoring-Geschwindigkeiten als bislang anbieten können.
Die Telekom rechtfertigt ihre Vectoring-Vorstöße unter anderem damit, dass ein flächendeckender FTTH-Ausbau, wie er oft gefordert wird, schwer zu finanzieren sei. FTTH steht für "Fibre to the Home", also für Glasfaserkabel, die bis direkt in die Wohnung des Kunden führen.
3. Was wird am Vectoring kritisiert?
Kritiker glauben, dass die Vectoring-Technologie nicht wirklich zukunftsträchtig sei und dass ihr Einsatz den Glasfaser-Ausbau verzögere. Mit Glasfaser-Anschlüssen wären langfristig gedacht sehr viel höhere Datendurchsatzraten möglich als beim Vectoring. Gleichzeitig gibt es aber auch viele Bereiche Deutschlands, in denen es bislang gar kein schnelles Internet gibt.
Ein großer Streitpunkt ist, dass Vectoring an den Hauptverteilern prinzipiell nur von einem Anbieter durchgeführt werden kann. Das heißt: Bietet beispielsweise die Telekom an bestimmten Verteilern Vectoring, können andere Betreiber dort keine eigene Technik installieren. Konkurrenten fürchten daher einen massiven Wettbewerbsvorteil für die Telekom.

Die EU-Kommission stimmt der Telekom zwar zu, dass die Pläne für rund 1,4 Millionen Haushalte in Deutschland erstmals Download-Geschwindigkeiten über 50 Megabit pro Sekunde bringen würden. Zugleich scheinen die Vorschläge in ihrer aktuellen Form aber Telekom-Wettbewerber zu behindern, erklärte die Behörde.

Die Gespräche mit der deutschen Bundesnetzagentur, die für die Pläne grünes Licht gab, werden von Digital-Kommissar Günther Oettinger geführt. Die Kommission will drei Ziele ausbalancieren: schnellere Internet-Verbindungen, Investitionen in zukunftsfähige Infrastruktur und funktionierenden Wettbewerb.

Die Telekom erklärte, sie gehe weiter davon aus, dass die Pläne in Brüssel Bestand haben würden. Durch die vertiefte Prüfung verzögere sich jedoch der Ausbau. "Leidtragende der Kommissionsentscheidung sind vor allem die Menschen in den ländlichen Regionen in Deutschland", kritisierte der Konzern.

Der Verband der Telekom-Wettbewerber VATM begrüßte dagegen die Brüsseler Entscheidung. "Ein echtes Vetorecht gibt es zwar nicht, doch wir hoffen sehr, dass es nun zu einer vernünftigen Konsenslösung kommt, die den erheblichen Bedenken des Beirats der Bundesnetzagentur, der Politik sowie 25 Wirtschaftsverbänden und Organisationen Rechnung trägt", erklärte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

mbö/dpa



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
roughneckgermany 10.05.2016
1.
Mal abwarten was der große Dobrindt dazu sagt. Dürfte dann immer etwas halbwegs erfolgreiches seinerseits sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.