Zwei-Klassen-Netz Verbraucherschützer verklagen Telekom wegen Tempobremse

Die Telekom bekommt wegen ihrer Internet-Drosselpläne neuen Ärger: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen will dem Unternehmen einem "Focus"-Bericht zufolge gerichtlich verbieten lassen, weitere Tempobremsen einzuführen.
Telekom-Logo: Ärger mit den Verbraucherschützern

Telekom-Logo: Ärger mit den Verbraucherschützern

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

München - Die Deutsche Telekom steht wegen der Tempobremse für Internet-Vielnutzer seit Monaten heftig in der Kritik. Nun muss sich der Konzern auf eine gerichtliche Auseinandersetzung einstellen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen will der Telekom verbieten lassen, weitere Drosselungen einzuführen, wie ein Sprecher dem "Focus" sagte.

Demnach fordert die Verbraucherzentrale von dem Bonner Unternehmen eine Unterlassungserklärung. Darin soll sich die Telekom verpflichten, drastische Geschwindigkeitskappungen nicht mehr vorzunehmen. Der Konzern habe eine solche Erklärung aber bislang nicht unterzeichnet. Der Sprecher der Verbraucherzentrale NRW sagte dem Bericht zufolge, es bestehe Wiederholungsgefahr. Die Verbraucherschützer wollten daher "ein Grundsatzurteil, das dem Verbraucher Sicherheit verschafft".

Anfang Mai hatte die Telekom für Neukunden im Festnetz Datenobergrenzen eingeführt, bei deren Überschreiten die Geschwindigkeit der Internetverbindung gedrosselt werden kann. Die Tempobremse soll ab 2016 greifen. Mehr Datenvolumen sollen Nutzer dann extra hinzukaufen, wie es beim Mobilfunk heute schon üblich ist. Nach einem Proteststurm von Verbrauchern und in Teilen der Wirtschaft änderte der Konzern die Tempobremse - statt bislang geplanten 384 Kilobit pro Sekunde sollen Internet-Vielnutzer nur noch auf zwei Megabit pro Sekunde abgebremst werden.

Besonders kritisiert wird aber nicht nur die Drosselung an sich, sondern die Tatsache, dass die Telekom zudem eine Art Zwei-Klassen-Internet einführen will. Demnach wären jene Daten bei der Tempobremse außen vor, die im Rahmen eines zusätzlichen Telekom-Dienstes namens Entertain anfallen. Selbstverständlich ist die Buchung dieses Dienstes kostenpflichtig.

Kritiker sehen in diesem Modell eine Verletzung der Netzneutralität - dem Grundsatz, dass alle Daten bei der Übertragung gleich behandelt werden sollen. Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt überprüfen die Telekom-Plätze derzeit aus diesem Grund.

fdi/AFP
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