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18. Juli 2011, 09:20 Uhr

Verlegerstreit

Google wirft belgische Zeitungen aus dem Suchindex

Belgische Verleger lassen Google die Erfassung ihrer Texte durch Google News verbieten. Daraufhin wirft der Suchmaschinenbetreiber die Titel aus seiner Suche - zum Ärger der Zeitungsmacher.

Köln - Wer bei Google nach dem Web-Auftritt einer französischsprachigen Zeitung aus Belgien sucht, erhält eine unschuldige, weiße Seite. Der Grund dafür ist nicht etwa, dass die entsprechenden Web-Präsenzen verschwunden wäre - vielmehr hat Google sie seit dem vergangenen Freitag aus seinem Suchindex entfernt.

Die Auslistung von belgischen Nachrichtenseiten markiert den zwischenzeitlichen Endpunkt einer Auseinandersetzung, die der französischsprachige Verlegerverband Copiepresse mit dem Suchmaschinenbetreiber seit 2006 ausficht. In einer Klage bestritt der Verband Googles Recht, Zeitungsartikel in der Nachrichtenübersicht Google News zu veröffentlichen. Mit diesen Gratis-Links würde Google unrechtmäßig Geld verdienen.

Ein Gericht verurteilte Google daraufhin zu einer Strafzahlung von 25.000 Euro für jeden Artikel, der noch im Google-News-Angebot erscheinen würde. Der Spruch wurde vor wenigen Wochen von der Berufungsinstanz bestätigt, wie AP meldet. Daraufhin sperrte Google nun die Online-Auftritte der betroffenen Zeitungen für seinen Suchindex. Sofort erhoben sich Klagen, Google würde die belgischen Titel "boykottieren".

Davon könne keine Rede sein, so Google-Sprecher William Echiskson: "Wir würden uns sehr freuen, Copiepresse wieder aufzunehmen, wenn sie uns ihren Wunsch mitteilen, in der Google Suche aufzutauchen, und auf potentielle Strafmaßnahmen verzichten."

Die Konsequenzen ihres juristischen Sieges scheinen machen Zeitungsmachern erst jetzt klar zu werden. So beeilte sich die in Belgien vielgelesene "La Libre Belgique", auf den Unterschied zwischen Google News und der allgemeinen Suchfunktion hinzuweisen. Gegen das dortige Erscheinen von Zeitungsinhalten hätten die Verlage nichts einzuwenden. Lediglich die Erfassung durch Google Nachrichtendienst werde abgelehnt.

meu

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