Verschärfte Netz-Zensur China sperrt Xing

Dissidenten werden verhaftet, das Netz strenger gefiltert - nun wird auch das deutsche Netzwerk Xing in China gesperrt. Zuvor hatten die Internet-Zensoren schon Zugriffe auf das Business-Netzwerk LinkedIn und verschiedene Verschlüsselungsanbieter gestört.
Internet-Café in Peking (2009): Onlineanbieter beklagen schärfere Netzkontrolle in China

Internet-Café in Peking (2009): Onlineanbieter beklagen schärfere Netzkontrolle in China

Foto: JASON LEE/ REUTERS

Da ist Xing in guter Gesellschaft: Nach Twitter, Facebook, LinkedIn und anderen Netzwerk-Seiten sperren Chinas Netz-Zensoren nun auch das deutsche Netzwerk Xing.

Das Unternehmen berichtet von ähnlichen Problemen der Nutzer in China wie sie Google vor einigen Tagen bei seinem E-Mail Angebot Google Mail meldete: Xing-Mitglieder in China können den Dienst "gar nicht oder nur sehr unregelmäßig aufrufen". Xing schließt nach einer Prüfung "technische Gründe" für diese Probleme aus .

Traceroute-Tests mit einem Dienst, der Seiten aus China abfragt, bestätigen die Darstellung: Rechner in Peking, Shanghai und Guangzhou konnten das Angebot Xing.com am Freitagmorgen nicht abrufen, ein Rechner in Hongkong hingegen problemlos.

Xing hat Anwälte in China eingeschaltet, zitiert die erste Einschätzung so: "Sie haben uns nicht viel Mut gemacht, dass es leicht sein würde, XING für die gut 500.000 Mitglieder, die wir in China haben, wieder freizuschalten." Nun will Xing deutschen Behörden einschalten.

China verschärft seit Monaten auch die Zensur des Internets. Insbesondere Anbieter verschlüsselter Kommunikationsdienste beobachten merkwürdige Fehlfunktionen und schwachen Datendurchsatz. Informationen von SPIEGEL ONLINE zufolge nutzt China zumindest in einigen Großstädten zur Netzkontrolle auch sogenannte Deep-Packet-Inspection-Technik (DPI), eine Kombination von Hard- und Software zum Analysieren und potentiellen Herausfiltern einzelner Datenpakete im Internet-Traffic.

Die Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay erklärte vor einer Woche, sie beobachte in den vergangenen Monaten eine Welle von Verhaftungen und andere Repressionsmaßnahmen gegen Anwälte und Menschenrechtsaktivisten in China. Pillay sprach von einem "eskalierenden Durchgreifen gegen die Aktivitäten von Bürgerrechtlern". Sie nannte diese Entwicklung "beunruhigend". Mitte März hatte ein chinesisches Gericht den Bürgerrechtler Liu Xianbin zu zehn Jahren Haft verurteilt, als Strafe dafür, dass er Reformaufrufe im Internet veröffentlicht hatte.

lis
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