Aktuelle Auswertung Hinter vielen populären VPN-Apps stecken Firmen aus China

Viele Nutzer, die VPN-Tunnel nutzen, erhoffen sich dadurch Anonymität beim Surfen. Tester aus Großbritannien haben jetzt 30 beliebte Dienste unter die Lupe genommen - und raten zur Vorsicht.

Nutzer eines Internetcafés
DPA

Nutzer eines Internetcafés


Viele populäre und kostenlos herunterladbare VPN-Apps fürs Smartphone haben eine Verbindung zu China. Das ist ein Ergebnis einer aktuellen Auswertung, die die Betreiber der britischen Vergleichsseite "Top 10 VPN" durchgeführt haben. Sie haben sich dafür 30 der beliebtesten Apps aus Apples App Store und dem Google Play Store näher angeschaut, die angezeigt wurden, wenn man dort nach "VPN" suchte.

Den Testern fiel auf, dass 17 der 30 untersuchten Top-Apps entweder von chinesischen Entwicklern angeboten oder direkt auf Servern in China betrieben werden. Unter diesen Apps sind millionenfach heruntergeladene Anwendungen wie "Turbo VPN", "VPN Proxy Master" und "Snap VPN".

Die Verbindung nach China halten die Tester für kritisch. Sie betonen, das Land habe im vergangenen Jahr aggressiv dafür gesorgt, dass VPN-Angebote abgeschaltet werden. Zudem kontrolliere es das Internet innerhalb der Landesgrenzen streng.

Ein Weg, die Zensur zu umgehen

Viele VPN-Apps würden von "obskuren und extrem verschwiegenen Firmen" betrieben, lautet ein Fazit der Tester. "Apple und Google haben die Nutzer im Stich gelassen, da sie dabei versagt haben, die App-Anbieter genau zu überprüfen", heißt es weiter in ihrem Bericht.

In Ländern wie China sind VPN-Tunnel mitunter der einzige Weg, die Zensur zu umgehen und frei im Internet zu surfen. Nur über diesen Umweg können Nutzer auf Plattformen wie Facebook, Instagram und Google zugreifen. Und auch Journalisten und Regimekritiker sind beim Recherchieren und Veröffentlichen oft darauf angewiesen, VPN-Anbietern zu trauen.

In einem VPN-Tunnel ist es möglich, Ländersperren zu umgehen, da Nutzer virtuell an einen anderen Ort im Internet geschleust werden. Wer sich beispielsweise auf einem VPN-Server in New York einwählt, der bewegt sich mitsamt seiner IP-Adresse so im Netz, als stünde sein Rechner wirklich an der Ostküste der USA. Die Daten im VPN-Tunnel sind in der Regel verschlüsselt und somit vor Spähangriffen abgeschirmt.

Alle Daten fließen über die VPN-Server

Ein VPN empfiehlt sich prinzipiell beispielsweise auch dann, wenn man in einem öffentlichen WLAN surft und nicht will, dass sich jemand zwischen Rechner und Router klemmt und mitliest. Der Haken daran: Der Nutzer muss seinem Anbieter absolut vertrauen können. Denn alle Daten fließen über den VPN-Server und können dort protokolliert und sogar manipuliert werden. Zwar sind HTTPS-Seiten für VPN-Anbieter unsichtbar, aber die URL und unverschlüsselte Websites können ausgelesen werden.

Bei Anbietern in China ist daher Vorsicht geboten. Denn VPN-Dienste sind der Regierung ein Dorn im Auge. Sie werden überwacht und sind verpflichtet, dem Staat bei Bedarf die Daten zu übermitteln. China hat die Kontrollen immer wieder verschärft und seit Januar vergangenen Jahres sind in dem Land nur noch VPN-Anbieter zugelassen, die sich offiziell registriert haben.

Doch auch Apps aus anderen Ländern bekommen teilweise schlechte Noten von den "Top 10 VPN"-Testern ausgestellt. Hola aus Israel etwa wird dafür kritisiert, dass alle aufgerufenen Websites, der genaue Aufrufzeitpunkt und die Verweildauer protokolliert werden. Und beim kanadischen Anbieter Psiphon bemängeln die Tester, dass Daten zum Nutzerverhalten gespeichert und verkauft werden.

jbr



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
thoscha 23.11.2018
1.
Wie kann man auch so unbedarft sein und diese VPN-Progs nutzen! Jeder der solche obskuren Progs installiert und dann auch noch glaubt unsichtbar zu sein, ist selber schuld. 90% der gängigen Software ist Schrott - da sie in mehreren Punkten gegen div. Regeln verstößt. Weder Chinas, noch Israels oder Kanadas Herstellern würde ich meine sensiblen Datentransers anvertrauen. Es gibt viel einfachere und definitiv bessere Progs. Back to the Roots - kann ch nur sagen!
shardan 23.11.2018
2. Nein! Doch! Ohhhhhh...
Es ist nicht wirklich überraschend. Liest man in den App-Stores mal, woher die VPN-Clients stammen, merkt man oft schnell woher der Wind weht. Das China VPNs zum "Man in the Middle" Angriff nutzt und mitliest, dürfte kaum jemanden verwundern. Bei Israels Anbietere finde ich das Speichern auch nicht so erstaunlich - ein nicht unbeträchtlicher Teil der gängigen Spionagesoftware stammt direkt oder indirekt aus Israel. Das Verbindungs-Metadaten verkauft werden. ist schon fast verständlich - der Betrieb der VPN-Server kostet und die Nutzer wollen ja wenig, am besten nichts bezahlen. In dem Punkt müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Was ich in dem Artikel allerdings vermisse: Gibt es denn vertrauenswürdige Anbieter? Wenn ja, wen? Das ist mir da doch etwas zu "Böses Internet"-lastig. Noch etwas fehlt: Einer der meistverbreiteten Router in Deutschland ist die Fritz-Box - und die Kann selbst als eigenes VPN eingesetzt werden. Nein, auch nicht absolut sicher, aber allemal besser als ein chinesischer Mitleser. Der Nachteil - es ist ziemlich langsam, da der Upload von der Fritz ins Netz und damit zum eigenen Smartphone meist nicht berauschend ist. Für Mails lesen/schreiben reicht es allemal.
g.s-sanet 24.11.2018
3. Hide.me
Es gibt in Europa sehr wohl vertrauenswürdige VPN-Anbieter, allerdings nicht gratis. Wer heute noch auf "laden Sie unsere App kostenlos herunter" hereinfällt ist selbst schuld. Und wozu bitte, brauche ich zum Lesen und Schreiben einer Email VPN???
5b- 24.11.2018
4. Wer ist Schuld?
Für VPN Dienste zahlt man für gewöhnlich. Kostenlose Angebote waren rar und stark eingeschränkt. Man darf den Kunden nicht wir ein Kleinkind verstehen. Eine mündige Person sollte in der modernen Welt gelernt haben, dass nichts für umsonst ist. Das gilt besonders für alles was über das WWW vernetzt ist. Wenn es nun viele Umsonst-Angebote gibt, sollte man von Natur aus skeptisch sein. Dann möchte ich noch kurz folgende Passage besprechen: "Wer sich beispielsweise auf einem VPN-Server in New York einwählt, der bewegt sich mitsamt seiner IP-Adresse so im Netz, als stünde sein Rechner wirklich an der Ostküste der USA. Die Daten im VPN-Tunnel sind in der Regel verschlüsselt und somit vor Spähangriffen abgeschirmt." Gemeint soll sein wer sich in New York "auswählt". Es ist mitnichten so dass es für andere so aussieht als stünde der Rechner des Users in NY. Der Auswahlort ist ein öffentlich auf einen Anbieter (meist identisch mit dem Anbieter des VPN Dienstes) angemeldet. Jeder kann sehen, dass die IP eben die eines VPN Dienstes ist. Man ist anonym, aber ganz und gar nicht unbehelligt. Dass die Daten verschlüsselt übertragen werden, schützt nur bedingt vor dem mitlesen durch Dritte. Spähangriffe sind absolut möglich. Mit genug Aufwand (der wohl bei Terrorismus aufgebracht wird) ist es prinzipiell möglich den User zu identifizieren und letztendlich auszuspähen. Man sollte darüber anmerken dass beim regulären Internetbetrieb generell mitgelesen werden kann. Wenn ich eine E-Mail verschicke, kann die mein ISP (z.B. die Telekom), der E-Mail Anbieter (z.B. GMail) und auch die des Empfängers alles mitlesen. Gewöhnlicher Internetverkehr ist wie Postkarten verschicken. Jeder der das Datenpaket anfasst, kann mitlesen. Wenn man ein VPN Dienst verwendet, erreicht man lediglich, dass der Verkehr auf einer bestimmten Strecke innerhalb des Netzes des Anbieters nicht mitgelesen werden kann. VPN macht den Internetverkehr also nur dann sicherer wenn man nur innerhalb des VPNs kommuniziert. Es ist also nur etwas für Firmen für die sich der Aufwand lohnt. Alles was VPN schützen ist also die Identität und damit auch den eigentlichen Standort des Users. Alle anderen Dinge, den Inhalt des Verkehrs betreffend stützt ein VPN nur innerhalb des VPNs. Ich würde es vermeiden generell davon zu reden, dass VPN vor Spähangriffen schützen. VPN sind für den gemeinen Anwender dazu da Informationen über Identität und damit auch den Standort zu schützen. Dass der Datenverkehr innerhalb des VPN Netzes verschlüsselt wird, hat für den gewöhnlichen Anwender keinen Mehrwert. Für wirklich sensiblen Datenverkehr setzt man für gewöhnlich keine VPN sondern TOR ein. Das ist wiederum umsonst, hat aber nur einen geringen Datendurchsatz. Wer VPN nur für Streaming benötigt kann im Umkehrschluss gerne die chinesischen Anbieter verwenden.
abergdolt 24.11.2018
5. Mein eigenes VPN
Mit VpnCilla verbinde ich mich bei Bedarf mit meiner eigenen Fritz!Box und surfe über den eigenen DSL Zugang. AVM und Matthias Meier sind deutsche Entwickler, der Server dazu - meine Fritz!Box - steht bei mir zu Hause. Mehr braucht man nicht für ein sicheres VPN :-)
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