Datenschutz Facebook macht Wahlkämpfern die Arbeit schwerer

Wer darf die Freundesliste auf Facebook sehen? Der Konzern hat die Regeln geändert, Apps können die Liste nun nicht mehr einfach abrufen. Genau das war ein Geheimnis von Barack Obamas erfolgreichem Onlinewahlkampf.

Obama-Kampagnenseite bei Facebook: Freundeslisten-Zugriff eingeschränkt

Obama-Kampagnenseite bei Facebook: Freundeslisten-Zugriff eingeschränkt


Bei der Wahl des US-Präsidenten im Jahr 2012 spielte Facebook eine wichtige Rolle. Die technikversierten Wahlkämpfer von Barack Obama riefen über das soziale Netzwerk zu Spenden auf und identifizierten Nutzer, bei denen eine gezielte Ansprache lohnend schien.

Bei der kommenden Wahl könnte das deutlich schwerer werden. Denn Facebook hat an seinen Datenschutzeinstellungen gedreht. Das ist zur Abwechslung mal gut für die Nutzer - und schlecht für die Wahlkämpfer. Bisher war es so: Über eine Facebook-App konnten Obama-Fans ihre Freundesliste der Kampagne zur Verfügung stellen.

Obamas Wahlkämpfer glichen die Namen dann mit Wählerlisten ab und forderten die App-Nutzer auf, Videos und andere Botschaften direkt mit bestimmten Facebook-Freunden zu teilen. Im Gegensatz zu herkömmlicher Werbung, zum Beispiel Fernsehspots, kamen diese Nachrichten besser bei den Empfängern an.

Rund eine Millionen Nutzer hatten Obamas Facebook-App installiert, die meisten sollen den Wahlkämpfern Zugriff auf ihre Freundesliste gegeben haben. Ein Facebook-Nutzer hat im Schnitt rund 338 Freunde, bei jüngeren Nutzern sind es noch mehr. Die Nutzer brachten also Hunderte Millionen Kontakte mit. Auch wenn davon viele Dubletten sein dürften: ein riesiger Datenschatz.

Facebook dreht den Datenhahn zu

Doch im Frühjahr dieses Jahres hat Facebook die Regeln geändert, wie "Yahoo News" berichtet. Wer nun einer App Zugriff auf die Freundesliste erlaubt, gibt nur noch die Kontakte von denjenigen Nutzern weiter, die ebenfalls die App installiert haben. Am 30. April 2015 ist die Umstellung der Regeln abgeschlossen.

Obamas Digitalchef im Wahlkampf 2012, Teddy Golf, bezeichnete den Schritt als "ziemlich deutliche Veränderung". Ein Mitarbeiter der Republikaner, die damals erst sehr spät diese Facebook-Methode nutzten, sagte "Yahoo News", die Tage seien wohl gezählt, an denen eine Million Facebook-Nutzer ausreichten, um auf die Netzwerkdaten von ganz Amerika zuzugreifen.

Die Parteien gaben aber an, noch über andere Möglichkeiten zu verfügen, soziale Profile miteinander zu verknüpfen und daraus Beziehungen abzuleiten. Beide Lager haben massiv investiert und aufgerüstet. Bei der Wahl des US-Präsidenten 2016 werde es nicht nur auf die Nachrichten und auf klassische Werbung ankommen - sondern auch auf die Diskussion auf Facebook, prophezeit "Buzzfeed"-Chefredakteur Ben Smith.

Der erfahrende Politikjournalist, der für "Politico" den Wahlkampf 2008 begleitet hat, glaubt, dass künftig mehr Wähler von Videos auf Facebook beeinflusst werden, die sie sich auf ihrem Smartphone ansehen, als von irgendeinem anderen Medium.

ore

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