Daten von WhatsApp-Nutzern Datenschützer geht gegen Facebook vor

Facebook speichert die Daten von WhatsApp-Nutzern - das will jetzt Hamburgs oberster Datenschützer verhindern. Das könnte aber schwierig werden.

Datenschützer Johannes Caspar
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Datenschützer Johannes Caspar


Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar will Facebook dazu zwingen, keine Daten von deutschen WhatsApp-Nutzern zu erheben oder zu speichern. Bereits von WhatsApp an das Mutterunternehmen Facebook übermittelte Daten sollen gelöscht werden. Dazu hat Caspar eine sogenannte Verwaltungsanordnung gegen den US-Konzern verhängt.

Facebook hat WhatsApp vor rund zwei Jahren für 22 Milliarden Dollar gekauft. Erstmals seit der Übernahme hat WhatsApp im Sommer angekündigt, seine Datenschutzregeln zu ändern: Nun werden unter anderem die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern an Facebook weitergegeben.

Auch Informationen dazu, wie häufig der Kurzmitteilungsdienst genutzt wird, werden im Zuge der engeren Verzahnung mit Facebook geteilt. Es gab keine Möglichkeit, als WhatsApp-Nutzer der Nummernweitergabe zu widersprechen, nur bei einigen Details zur Datennutzung durch Facebook durften die Nutzer mitreden. Die Frist dazu ist aber am 25. September verstrichen. Laut WhatsApp soll Facebook aber auf keinen Fall Zugang zu den Inhalten von Kurzmitteilungen bekommen.

Gesetzliche Grundlage fehlt, kritisiert Caspar

"Nach dem Erwerb von WhatsApp durch Facebook vor zwei Jahren haben sie öffentlich zugesichert, dass die Daten der Nutzer nicht miteinander ausgetauscht werden. Dass dies nun doch geschieht, ist nicht nur eine Irreführung der Nutzer und der Öffentlichkeit, sondern stellt auch einen Verstoß gegen das nationale Datenschutzrecht dar", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung der Datenschutzbehörde in Hamburg.

Facebook habe von den WhatsApp-Nutzern keine Einwilligung eingeholt, außerdem fehle eine gesetzliche Grundlage für die Weitergabe der Daten, heißt es in der Mitteilung weiter. "Die Anordnung schützt die Daten der circa 35 Millionen WhatsApp-Nutzer in Deutschland. Es muss ihre jeweilige Entscheidung sein, ob sie eine Verbindung ihres Kontos mit Facebook wünschen", wird Datenschützer Caspar in der Mitteilung zitiert.

Facebook kann Widerspruch einlegen

Das ist gegenwärtig aber noch Wunschdenken: Facebook muss nicht sofort auf die Verwaltungsanordnung des deutschen Datenschützers reagieren, könnte dann aber Bußgelder riskieren. Es kann Widerspruch einlegen oder zur Not vor ein Gericht ziehen. Für Nutzer ändert sich erst mal wohl nichts.

Es ist zudem nicht das erste Mal, dass Datenschützer Caspar versucht, gegen einen Tech-Konzern aus den USA per Verwaltungsanordnung vorzugehen: 2014 etwa wollte er Google mit einer solchen Anordnung dazu zwingen, seine Nutzerdaten anders zu verarbeiten und keine Persönlichkeitsprofile der Nutzer zu bilden. Durchschlagenden Erfolg konnte er hier bislang nicht vermelden, immerhin erleichterte Google es im Ringen um eine Lösung seinen Nutzern beispielsweise aber, ihre Privatsphäre-Einstellungen zu kontrollieren.

Auch gegen Facebook hatte der Hamburger Datenschutzbeauftragte in der Vergangenheit bereits mehrfach vorzugehen versucht. Zuletzt wollte er - ebenfalls per Verwaltungsanordnung - durchsetzen, dass Facebook auch Anmeldungen unter einem Pseudonym zulässt. Caspar scheiterte aber vor dem Verwaltungsgericht Hamburg. Das Gericht hatte Caspar an die Niederlassung von Facebook in Irland verwiesen, die das soziale Netzwerk in Europa betreibt.

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte ist hierzulande für die Aufsicht von Facebook zuständig, weil der Suchmaschinen-Konzern dort seine Deutschland-Niederlassung hat.

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) versucht, sich gegen die Nummernweitergabe an Facebook zu wehren und hat WhatsApp deswegen abgemahnt.


Update, 16.30 Uhr: Das soziale Netzwerk hat sich auf Anfrage zu dem Fall geäußert und angekündigt, Widerspruch gegen die Verwaltungsanordnung einzulegen. "Facebook hält sich an EU-Datenschutzgesetze", sagte eine Sprecherin. Man sei offen, Gespräche mit der Hamburger Datenschutzbehörde zu führen und wolle Bedenken zerstreuen.

Kennen Sie eigentlich die AGB von WhatsApp, Facebook und Co.?

gru / mit Material von dpa



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
Dumme Fragen 27.09.2016
1. Industriespionage durch die Hintertür!
Passt auf eure Kundendaten auf! Whatsapp liest die komplette Kontakteliste aus und schickt die Telefonnummern an Facebook. Und bei Facebook kann dann die Konkurrenz personalisierte Werbung für Konkurrenzprodukte bei euren Kunden platzieren! Früher nannte man das Industriespionage. Früher waren Kundenbestandslisten sehr wertvoll und wurden gehütet wie das Gold in Fort Knox. Lange her?
RavenousBugbladderBeast 27.09.2016
2. Richtig so!
Da traut sich wenigstens jemand, diesen Datenkraken einmal Paroli zu bieten. Weitermachen!
Plasmabruzzler 27.09.2016
3. Ergänzung
"Nun werden unter anderem die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern an Facebook weitergegeben." - Nicht nur die Nummer des Nutzenden, sondern auch die auf dem Endgerät gespeicherten Nummern - also des ganzen Telefonbuchs (deswegen braucht die WhatsApp-App auch Zugriff aufs Telefonbuch). Im Grunde gibt damit jeder Nutzende Daten Dritter an Facebook weiter. Und ohne der Einverständnis die/des Dritten darf der Nutzende es nicht. Ergo begibt sich jeder Nutzende auf rechtlich dünnes Eis, ohne dass er es verhindern kann - außer er deinstalliert die App und lässt sein Konto bei WhatsApp löschen (wenn es dafür dann nicht schon zu spät ist).
sponor 27.09.2016
4.
Ab Android 6 kann man den Zugriff auf die Kontakte sperren. Ist halt etwas blöd, weil man dann auch nicht sieht, von wem eine Nachricht kommt (nur die Telefonnummer). Aber es gibt so viele schöne Alternativen, und nein, ich nenne nicht wie sonst fast alle Threema, sondern Wire (das ist echt nett!) und Signal.
chewbakka 27.09.2016
5.
Was mich an dieser ganten Nummer noch mehr ärgert ist, daß WhatsDepp ohne meine Zustimmung (die die auch in 300 Jahren nicht von mir bekommen würden!!!!) meine Kontaktdaten aus den Telefonbücher derer, die dort meine Kontaktdaten haben ausliest und verwertet. Und jetzt auch noch an FB weitergibt. Klasse! Ganz großes Kino!
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