Vorwürfe gegen NSA Snowden berichtet über US-Hacker-Angriffe auf China

Zehntausende Fälle von Cyber-Angriffen, gehackte Privat- und Hochschul-Server: Whistleblower Edward Snowden, Enthüller des Prism-Programms, erhebt in einem Interview weitere Vorwürfe gegen den US-Geheimdienst NSA. China soll seinen Angaben zufolge das Ziel zahlreicher Attacken gewesen sein.
Whistleblower Edward Snowden: Neue Anschuldigungen gegen US-Geheimdienst

Whistleblower Edward Snowden: Neue Anschuldigungen gegen US-Geheimdienst

Foto: Glenn Greenwald/ dpa

Hamburg - Der flüchtige Whistleblower Edward Snowden hat in einem Interview neue Anschuldigungen gegen den US-Geheimdienst NSA vorgebracht. Wie Snowden gegenüber der "South China Morning Post" behauptet, hackten sich NSA-Mitarbeiter seit 2009 Hunderte Male in Computer in Hongkong und auf dem chinesischen Festland ein. Laut dem Zeitungsbericht legte der frühere NSA-Mitarbeiter auch Dokumente vor, die sich demnach jedoch nicht verifizieren ließen.

Eines der Ziele der US-Hacker-Angriffe war laut Snowden die Universität in Hongkong. Zudem seien Beamte, Unternehmen und Studenten Ziel von Attacken gewesen. Um militärische Systeme gehe es aber in keinem der ihm vorliegenden Dokumente, sagte Snowden.

Der Whistleblower ist in Hongkong untergetaucht, um sich dem Zugriff der US-Behörden zu entziehen. Dort trafen ihn Reporter der in Hongkong ansässigen Zeitung für ein Interview an einem geheimen Ort; Teile des Gesprächs sind auf der Website veröffentlicht .

Snowdens Enthüllungen sind brisant. In der Vergangenheit war es die US-Regierung, die massive Hacker-Angriffe aus China beklagte. Anfang Juni hatte dann Chinas oberster Beamter für Internetsicherheit, Huang Chengqing, über "Berge von Daten" berichtet, die auf amerikanische Hacker-Angriffe gegen chinesische Einrichtungen hindeuten würden. Huang hatte nicht pauschal die US-Regierung dafür verantwortlich gemacht. Schließlich könne man Washington nicht nachweisen, hinter diesen Angriffen zu stehen. Snowden liefert nun angeblich Hinweise dafür.

Cyber-Sicherheit war auch das Thema beim Gipfeltreffen von US-Präsident Barack Obama und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping am vergangenen Wochenende. Xi hatte betont, auch sein Land sei immer wieder "Opfer von Cyber-Angriffen". Es gebe bei diesem Thema ungerechtfertigte Vorurteile gegen China.

Snowden wirft US-Regierung Einschüchterungsversuche vor

Weltweit gab es laut Snowden mehr als 61.000 Cyber-Attacken durch den amerikanischen Geheimdienst. Viele der Angriffe hätten auf Server abgezielt, von denen dann Daten einzelner Rechner abgefischt worden seien.

Snowden erklärte, er habe "die Scheinheiligkeit der US-Regierung" entlarven wollen, die entgegen ihrer Behauptungen auch zivile Infrastruktur überwachen würde. Das große persönliche Risiko habe er auf sich genommen, um der Weltöffentlichkeit zu helfen, "egal ob diese Öffentlichkeit amerikanisch, europäisch oder asiatisch ist".

Der Whistleblower äußert sich ausführlich zu seiner Motivation: Er sei weder ein Verräter noch ein Held, sagte Snowden der Zeitung - er sei Amerikaner und glaube an die Meinungsfreiheit. Seine Familie habe er während seiner Flucht nicht kontaktiert. Er sorge sich um ihre Sicherheit. "Es war schwer für mich, aber ich war froh zu sehen, wie sich die globale Öffentlichkeit gegen diese Form systematischer Verletzungen der Privatsphäre ausspricht."

Um dieses Geheimnis zu schützen, schrecke die US-Regierung auch nicht vor Einschüchterungen zurück. Snowden behauptete, Washington habe auch auf Hongkong diplomatischen Druck ausgeübt, um seine Auslieferung herbeizuführen.

Bislang ist unklar, ob Snowden in Hongkong bleiben wird oder seine Flucht womöglich fortsetzt. Gerüchte, dass Russland ihm Asyl angeboten habe, kommentierte er nur mit dem Satz: Er sei froh, dass es Regierungen gebe, die sich nicht von großer Macht einschüchtern ließen. Darüber hinaus erklärte Snowden, er wolle sich in Hongkong nicht vor der Justiz verstecken, er sei dort um kriminelle Machenschaften zu enthüllen und werde bleiben, bis er gebeten werde zu gehen.

NSA-Chef verteidigt Spähprogramm

Der politische Druck auf die US-Regierung ist seit den ersten Enthüllungen Snowdens massiv gestiegen. Zusammen mit mehr als 80 weiteren Gruppierungen wie der Stiftung Mozilla und Greenpeace USA rief die bekannte Bürgerrechtsgruppe American Civil Liberties Union (ACLU) den Kongress zur Untersuchung des Überwachungsprogramms Prism auf. Die Bundesregierung und die EU-Kommission forderten am Mittwoch Informationen zum Ausmaß der Datenabfragen.

Die US-Behörden verteidigten hingegen das Vorgehen. Die Überwachung habe "Dutzende" potentieller Terrorattacken unterbunden, sagte NSA-Chef Keith Alexander am Mittwoch bei einer Anhörung im Kongress. Die Programme seien "strikten Richtlinien" unterworfen und stünden unter "rigoroser Aufsicht", sagte Alexander weiter. "Wir operieren in einer Weise, die sicherstellt, dass wir das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung behalten."

usp/Reuters/AFP