Neue Anklage in den USA Julian Assange drohen bis zu 175 Jahre Haft

Nach zuvor nur einem Anklagepunkt haben die US-Justizbehörden nun 17 weitere Vorwürfe gegen den WikiLeaks-Gründer erhoben. Sie fallen unter das US-Spionagegesetz.

Julian Assange nach seiner Festnahme in London.
Hannah McKay/REUTERS

Julian Assange nach seiner Festnahme in London.


Die durchschnittliche Lebenserwartung in den USA liegt bei knapp 79 Jahren. WikiLeaks-Gründer Julian Assange, 47 Jahre alt, könnte nach US-amerikanischer Rechtsdefinition - theoretisch - aber noch mit 222 Jahren im Gefängnis sitzen.

Die US-Justizbehörden haben die Anklage gegen Assange um 17 weitere Anklagepunkte ausgeweitet, zuvor hatte es nur einen gegeben. Im Fall einer Auslieferung an die USA und einer Verurteilung in allen Punkten droht Assange eine Höchststrafe von insgesamt bis zu 175 Jahren Haft, teilte das Justizministerium in Washington mit. Nach der neuen Anklageschrift, die die bisherige ersetzt, wird Assange wegen der Veröffentlichung von Geheimmaterial nun auch unter dem US-Spionagegesetz angeklagt.

In Großbritannien ist Assange wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen zu 50 Wochen Haft verurteilt worden. Die USA haben offiziell einen Auslieferungsantrag gestellt. Er hat angekündigt, sich dagegen mit allen juristischen Mitteln zu wehren. Auch die schwedische Staatsanwaltschaft hat einen Haftbefehl gegen Assange wegen des Verdachts der Vergewaltigung beantragt.

Der gebürtige Australier war 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen. Er fürchtete, später an die USA ausgeliefert zu werden. Einen Auslieferungsantrag aus Amerika gab es damals aber noch nicht. Die amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning hatte Wikileaks 2010 Hunderttausende geheime Militärdokumente über US-Einsätze im Irak und in Afghanistan zukommen lassen.

Im Video: Jagd auf Julian Assange (SPIEGEL TV vom 05.12.2010)

SPIEGEL TV

hba/dpa/AFP



insgesamt 72 Beiträge
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zeichenkette 24.05.2019
1. Wie armselig
Genau das (dass die USA ihn ausliefern lassen und für den Rest seines Lebens hinter Gitter bringen will) war ja laut Assange der Grund dafür, dass er sich mit allen Mitteln gegen eine Festnahme und drohende Auslieferung gewehrt hat. Würden die ihn jetzt einfach ignorieren, stünde er nun wie ein armer Irrer mit Verfolgungswahn da, der sich völlig grundlos sieben Jahre lang in einem Botschafts-Zimmer versteckt hat. Stattdessen bestätigen die USA jetzt, dass er vielmehr völlig Recht gehabt hat.
Now Rob 24.05.2019
2. Unter den 17
Anklagepunkten, wird es sicher welche geben, die die Debatte um die Kriegsverbrechen des US-Militärs wieder beleben. Recht so. Aber als nicht unumstrittende Person wird Assange zum Märtyrer für die Wahrheit. Das wird ihm leider nicht mehr ganz gerecht.
irrenderstreiter 24.05.2019
3.
Es bewahrheitet sich, was Assange schon immer befürchtet hat. Das Ganze ist eine Farce. Wenn GB/Schweden ihn wirklich ausliefert, würde das ein ganz schlechtes Bild auf die Unabhängigkeit der Justiz in den jeweiligen Ländern werfen. Ich persönlich ahne Schlimmes.
krassper 24.05.2019
4. Was soll das?
Der Mann ist ein Held!, Charakterlich ist er sicher fragwürdig, aber whistleblower sollten als Helden gefeiert werden!
z.acha 24.05.2019
5. Wo ist die Solidarität der Journalisten?
Ich finde es schade, dass der Spiegel bei diesem Thema Depeschenmeldungen einfach so weiter gibt. Ich kann mich an die Wikileaks Informationen erinnern. Sie haben meine Wahrnehmung geschärft damals. Habe mich immer wieder gefragt, wie es möglich ist, dass solche Informationen nicht in der "normalen" Presse zu finden waren und sind. Ich erinnere mich auch an die schwammigen Vorwürfe aus Schweden. Seine Zeit in der Botschaft. Und jetzt 175 Jahre. Wo ist die Solidarität der Journalisten?
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