WikiLeaks-Protest Angriff per Massenfax

Nach ihren Internetattacken auf die Web-Seiten prominenter Unternehmen wechseln die WikiLeaks-Unterstützer nun ihre Methode: Durch den massenhaften Versand von Faksimiles wollen sie Firmen, die sich gegen die Enthüllungsplattform stellen, auch diesen Kommunikationsweg zeitweilig blockieren. 

Aufruf zu "Mission: Leakflood": Cyberkrieg per Faxgerät?

Aufruf zu "Mission: Leakflood": Cyberkrieg per Faxgerät?


Via Internet riefen Aktivisten dazu auf, die Faxgeräte der Hauptquartiere von Unternehmen wie Mastercard, Visa und Paypal mit einer Flut von Faxen lahmzulegen.

Bereits seit einer Woche organisieren WikiLeaks-Unterstützer sogenannte Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) auf die Web-Seiten verschiedener Finanzfirmen und Internetdienstleister. Zu ihren Zielen gehören die Kreditkartenfirmen Mastercard und Visa, der Online-Zahlungsabwickler Paypal und das Versandhaus Amazon. Allen Angegriffenen gemein ist, dass sie mit der Enthüllungsplattform nicht mehr zusammenarbeiten. Die Finanzdienstleister nehmen keine Spenden mehr für WikiLeaks an, Amazon hat die Daten der Organisation von seinen Miet-Servern genommen.

Die Organisation der Attacken erfolgte über verschiedene Kommunikationskanäle im Internet, insbesondere über den Online-Chat-Dienst IRC (Internet Relay Chat). Auch technisch Unbedarfte konnten ihre Rechner in die Angriffe einbinden, deren Ziel es war, die Server der Zielfirmen durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen zu überlasten und lahmzulegen. Mehr als die Installation einer einfach zu bedienenden Software war dazu nicht nötig. Etliche der beteiligten Hobby-Hacker gaben dabei allerdings unbewusst ihre Identität preis, weil sie es versäumten, ihre Netzwerkadresse zu verschleiern. Auch Kollateralschäden wurden in Kauf genommen. So wurde aufgrund eines Schreibfehlers in der Presse zeitweilig der DNS-Dienstleister EasyDNS zum Ziel erklärt, obwohl doch eigentlich die Firma EveryDNS ihre Zusammenarbeit mit WikiLeaks aufgekündigt hatte.

Keine Pornos bitte

Nun wollen einige Aktivisten nicht mehr die Server, also die Internetpräsenz der zum Feind erklärten Firmen in die Knie zwingen, sondern deren Faxgeräte. In einem Internetaufruf mit dem Titel "Mission Leakflood" rufe eine kleine Gruppe von Unterstützern zu einem FaxDDoS-Angriff auf, berichtet der Blog des Sicherheits-Software-Herstelles Panda Security. Es sei das erste Mal, dass sie von einem derartigen Angriff gehört hätten, schreiben die Experten.

In ihrem Aufruf listen die Aktivisten die Faxnummern auf, gegen die sich der gemeinsame Angriff richten soll. Für den Versand der Faxe empfehlen sie anonyme kostenlose Internetfaxversender und weisen darauf hin, dass es sinnvoll sei, einen Proxy zu benutzen, ohne weiter darauf einzugehen, was es damit auf sich hat und wie man einen Proxy benutzt. Weniger erfahrene Möchtegern-Aktivisten dürften daran scheitern und sich, wie bei vorangegangenen Aktionen geschehen, ungewollt identifizierbar machen. Die Teilnehmer wurden dazu aufgerufen, weder pornografische noch gewaltverherrlichende Darstellungen zu faxen und ihren Opfern Respekt zu zollen.

Das dürfte am Dienstagnachmittag allerdings auch schon weitgehend belanglos sein. Dem Aufruf zufolge sollten die Attacken vom 13.12. 13 Uhr Greenwich-Zeit bis zum 14.12. 4 Uhr Greenwich-Zeit durchgeführt werden, sind also mittlerweile beendet. Berichte über dramatische Faxausfälle, Papierstaus oder leere Papierkassetten in den betroffenen Unternehmen blieben aus.

mak

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