Preiserhöhungen bei WinSim Handytarife werden teurer - aber nicht wegen der EU

Viele WinSim-Kunden sollen ab dem 1. Mai mehr zahlen. Mit den neuen Roaming-Richtlinien habe das aber nichts zu tun, beteuert das Unternehmen. Betroffene können online Widerspruch einlegen.
Ältere Handys

Ältere Handys

Foto: Angelika Warmuth/ picture alliance / dpa

"EU-Roaming-Regel verteuert Mobilfunktarif", "Preiserhöhung für Bestandskunden wegen EU-Roaming": Schlagzeilen wie diese machen derzeit zu WinSim die Runde, einer Marke des Mobilfunkanbieters Drillisch. Und in den sozialen Netzwerken schimpfen betroffene Kunden: "Unseriös! Erhöhen einfach während eines laufenden Vertrags die Kosten", klagt jemand auf der Facebook-Seite von WinSim.

Auf Reddit  schreibt ein Nutzer: "Von meinem 3,99-Euro-Vertrag bei Winsim (1GB LTE, keine Datenautomatik, 100 SMS/Minuten) auf nun 5,99 Euro. Ich werde wahrscheinlich den Anbieter wechseln."

Was ist los bei WinSim? Und stimmt es, dass das Unternehmen wegen der bald geltenden neuen EU-Roaming-Regeln die Preise erhöht?

Verschiedene Verträge betroffen

Auf Anfrage beim Unternehmen heißt es, dass die Preise tatsächlich für einige Kunden zum 1. Mai steigen - für wen und für wie viele genau, möchte man aber nicht sagen. Betroffen seien sowohl Verträge mit als auch ohne Laufzeit. Online berichten Kunden derzeit vor allem von Preiserhöhungen von ein oder zwei Euro pro Monat.

Und was hat das mit den Roaming-Regeln zu tun? "Die Preiserhöhung steht in keinem kausalen Zusammenhang mit den Erhöhungen", sagt ein Drillisch-Sprecher. Man habe lediglich im Kontext der Preiserhöhung darauf hinweisen wollen, dass Kunden bald neue Vorteile haben. Deshalb sei in einem Erklärtext zur Preiserhöhung auch vom Roaming die Rede gewesen. (Hinweis der Redaktion: Und zwar exakt einen Satz vor dem Verweis auf steigende Kosten, wie "Caschys Blog" dokumentiert. )

Es sei eine "ganz normale Preisanpassung", die unter anderem mit gestiegenen Kosten für Energiepreise und Personalschulungen zusammenhänge, sagt der Sprecher. Betroffene Kunden seien per SMS über Änderungen an ihrem Vertrag informiert worden. Das deckt sich mit den Schilderungen der Nutzer im Netz, laut denen es außerdem E-Mails zum Thema gab.

Demnach hatten allerdings beide Nachrichten eines gemeinsam: Die Preiserhöhung soll erst in der "Servicewelt " erklärt worden sein, also nachdem sich die Nutzer auf der WinSim-Seite einloggen mussten. "Wie viele werden das wohl als Werbemail/-SMS abtun?", fragt sich dazu ein Reddit-Nutzer .

Widerspruch möglich

In der WinSim-Erklärung in der "Servicewelt" heißt es, dass man den Änderungen bis zum 30. April widersprechen könne, über den Menüpunkt "Widerspruch". Bei Fragen könne man sich telefonisch oder per E-Mail an preisanpassung@drillisch-online.de an das Unternehmen wenden.

Für Kunden, die die Erhöhung betrifft und die partout nicht mehr zahlen wollen, dürfte ein solcher Widerspruch sinnvoll sein. Konkrete Folgen habe er zunächst nicht, sagt der Drillisch-Sprecher auf Nachfrage. Der Vertrag laufe dann erst einmal normal weiter. WinSim behalte sich aber vor, langfristig den Vertrag zu kündigen. Darüber, ob es zu solchen Kündigungen von Unternehmensseite kommt, habe man noch nicht entschieden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.