Verfolgungsstopp "Do Not Track" Yahoo schafft Datenschutz-Funktion ab

Naht das Ende der Datenschutz-Funktion "Do Not Track"? Die Entwicklung des Verfolgungsstopps steckt in einer Sackgasse - und nun kündigt mit Yahoo auch noch ein Unternehmen der ersten Stunde die Unterstützung auf.
Yahoo-Chefin Marissa Mayer (im Januar): Schwierige Zukunft für "Do Not Track"

Yahoo-Chefin Marissa Mayer (im Januar): Schwierige Zukunft für "Do Not Track"

Foto: Ethan Miller/ AFP

Der Suchmaschinenbetreiber Yahoo war von Beginn an mit an Bord, nun geben die Entwickler die Hoffnung auf: Der Konzern verabschiedet sich von der "Do Not Track"-Funktion. Ab sofort sollen Yahoo-Angebote diese Einstellung nicht mehr berücksichtigen, heißt es in einem Firmenblog-Beitrag .

Eigentlich sollen Nutzer in ihren Browsern mit der Einstellungen "Do Not Track" signalisieren können, dass sie nicht von Unternehmen zu Werbezwecken ausgeforscht werden wollen.

Mozilla hatte den Verfolgungsstopp zu Beginn des Jahres 2011 für den Browser Firefox eingeführt. Später zogen dann auch Chrome, Safari, Opera und der Internet Explorer nach. Wenn die Option ausgewählt ist, informiert der Browser die besuchten Websites darüber, dass die Spur des Nutzers bitte nicht aufgezeichnet werden soll.

Daran müssen sich die besuchten Websites dann allerdings auch freiwillig halten. Ansonsten gibt es keine klaren Regeln dafür, welche Informationen über den Nutzer gespeichert werden dürfen. Yahoo war der erste große Tech-Konzern, der "Do Not Track" unterstützte.

Aber längst nicht alle großen Anbieter haben sich der Initiative angeschlossen. Nun sieht man bei Yahoo keine Zukunft mehr für die Anti-Verfolgungs-Funktion. Man habe viel darüber diskutiert, wie man einen nutzerfreundlichen Standard entwickeln könne. "Jedoch haben wir bis heute keinen einzigen Standard gesehen, der effektiv ist, leicht zu benutzen und von einem Großteil der Tech-Branche angenommen wurde", heißt es bei Yahoo. Die Nutzer sollen nun stattdessen ihre Privatsphäre-Einstellungen selbst über die Yahoo-Tools anpassen.

Düstere Zukunft für "Do Not Track"

Unterdessen schrumpft die Liste mit Seiten, die "Do Not Track" unterstützen, immer weiter. Mittlerweile stehen nur noch zwei große Online-Konzerne auf der Liste der Unterstützer : das Bilder-Netzwerk Pinterest und der Kurznachrichtendienst Twitter.

Auch die Entwickler von "Do Not Track" bestätigen, dass es bei dem Projekt derzeit keine Forstschritte gebe. Auf der Website heißt es, das World Wide Web Consortium sei in einer Sackgasse gelandet , beim Versuch "Do Not Track" zu standardisieren - obwohl europäische und US-amerikanische Politiker regelmäßig Druck ausgeübt hätten.

Viele Netznutzer waren damals begeistert von der Idee, ohne Datenspuren durchs Netz zu surfen. Doch mit dem Ausstieg von Yahoo scheinen sich die Prognosen der Branchenexperten zu bewahrheiten.

Kritiker sagten damals schon voraus, dass die werbefinanzierten Unternehmen bei "Do Not Track" nicht mitspielen würden. Zu groß war ihrer Meinung nach das Risiko, die Anzeigen-Kunden zu verprellen. Schließlich können Microsoft, Yahoo und Co. die Werbung wesentlich besser auf die Nutzer zuschneiden, wenn sie deren Klickverhalten und Interessen kennen.

jbr