Zerstörtes "Guardian"-Notebook So sieht britische Pressefreiheit aus

Zerkratzte Chips, zerstörte Festplatte: Der "Guardian" hat ein Foto des Notebooks veröffentlicht, das Mitarbeiter auf Geheiß der britischen Regierung unbrauchbar machen mussten. Das Bild steht für weit mehr als nur einen zerstörten Computer.
Überreste eines Arbeitswerkzeugs: Computer zum Selbstschutz zerstört

Überreste eines Arbeitswerkzeugs: Computer zum Selbstschutz zerstört

Foto: Roger Tooth/ Guardian News & Media

Diese Zerstörung ist endgültig: Mit einem Winkelschleifer und anderen Werkzeugen haben ein leitender Redakteur und ein EDV-Mitarbeiter des britischen "Guardian" ein Redaktions-MacBook bearbeitet. Akribisch zerstörten sie Mikrochips auf den Platinen und machten die Festplatte unbrauchbar. Dabei gingen sie offenbar so gründlich vor, dass selbst professionelle Datenretter keine Chance mehr hätten, dem derart geschundenen Rechner sinnvolle Bitfolgen zu entlocken.

Zwei technisch geschulte Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes GCHQ (Government Communications Headquarters) überwachten die Zerstörung, die sich einem Artikel des "Guardian"-Chefredakteurs Alan Rusbridger  zufolge am Abend des 20. Juli im Keller des Redaktionsgebäudes im Londoner Stadtteil Kings Cross zugetragen hat.

Freiwillig haben die Journalisten den Rechner nicht zerstört, sondern letztlich aus Notwehr. Andernfalls wäre die britische Regierung laut Rusbridger juristisch gegen den "Guardian" vorgegangen, der seit Wochen aus geheimen Dokumenten zitiert, die der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden der Redaktion zur Verfügung gestellt hat. Die Folge: Der "Guardian" hätte riskiert, während eines Verfahrens erst mal nicht weiter berichten zu dürfen.

Also beschloss Rusbridger, die Enthüllungsgeschichten künftig vom US-Büro der Zeitung recherchieren zu lassen. Auch dort liegen die Daten offenbar vor. Der Chefredakteur beschreibt die Zerstörung des Laptops in London dann auch als einen symbolischen Akt. Den Geheimdienstleuten, so schreibt er, sei klar gewesen, dass es Kopien außer Landes gibt.

Mit dem Foto des zerstörten Rechners dokumentiert der "Guardian" nicht nur, dass sich die Redaktion dem staatlichen Druck gebeugt hat. Das Bild kann auch sinnbildlich verstanden werden, als Ausdruck eines vollends zerstörten Verhältnisses zwischen Regierung und Presse.

Denn die Anweisung zur Zerstörung kam offenbar von ganz oben: Premierminister David Cameron soll hinter der Anordnung stehen, berichtet der "Guardian" . Auf sein Geheiß sprach Kabinettschef Jeremy Heywood bei der Zeitung vor und verlangte die Zerstörung der Daten, die dann unter Aufsicht der Geheimdienstmitarbeiter stattfand.

Für die Regierung könnte die Datenlöschung ein Nachspiel haben: Die Opposition fordert eine Erklärung von Cameron vor dem Parlament, das nächsten Monat nach der Sommerpause wieder zusammentritt.

mak/ore