Zwei-Klassen-Internet Telekom-Chef stellt Netzneutralität in Frage

Das wird noch für Ärger sorgen, auch mit der Bundesregierung: Telekom-Chef René Obermann behält sich vor, künftig mehr Geld von Anbietern datenintensiver Internet-Dienste zu fordern. Das aber verstößt gegen das Prinzip der Netzneutralität - zu dem sich Berlin immer wieder bekannt hat.
René Obermann: "Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig"

René Obermann: "Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig"

Foto: A3250 Oliver Berg/ dpa

Hamburg - Die Deutsche Telekom will Anbieter von datenintensiven Diensten wie Google und Apple künftig stärker zur Kasse bitten. "Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig", sagte Telekom-Chef René Obermann dem "Manager Magazin". Wenn die Telekom besondere Netzsicherheit oder höchste Übertragungsqualität zum Beispiel für Musik oder Video biete, müsse dies "auch differenziert bepreist werden". Entsprechende Diskussionen mit Dienste-Anbietern wie Google seien angestoßen. Es ist nicht das erste Mal, das Obermann entsprechende Wünsche formuliert.

Einige Telekomkonzerne planen in Zukunft mit differenzierten Tarifen mehr Geld für höhere Datenvolumina auf ihren Netzen zu bekommen. Bei den Mobilfunkanbietern zeichnet sich ein Trend ab, die Datentarife fürs mobile Internet nach unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu staffeln. Vodafone hat bereits Anfang des Jahres einen Tarif für eine höhere Bandbreite eingeführt. Bei der Deutschen Telekom ist dazu noch keine Entscheidung gefallen.

Mit seinen Äußerungen bereitet Obermann jedoch eine Auseinandersetzung vor, die im Ende auch zu einem Konflikt zwischen dem ehemaligen Staatskonzern und der Bundesregierung führen könnte. Denn die sogenannte Netzneutralität, also die Gleichberechtigung von Inhalten bei der Netz-Durchleitung unabhängig von Art oder Anbieter der Inhalte, steht als Grundsatz sogar im Schwarz-Gelben Koalitionsvertrag. Man werde "die Entwicklung (...) sorgfältig beobachten und nötigenfalls mit dem Ziel der Wahrung der Netzneutralität gegensteuern", heißt es im Vertrag. Diverse Kabinettsmitglieder haben in Reden und Grundsatzpapieren seitdem immer wieder Bekenntnisse zum Prinzip Netzneutralität formuliert. Gestaffelte Tarife für Netzwerk-Leistungen erster und zweiter Klasse widersprechen diesem Prinzip diametral.

In den USA wird diese Debatte bereits seit Jahren erbittert geführt, aber auch US- Präsident Obama hat sich deutlich zum Prinzip der Netzneutralität bekannt.

Im Gespräch mit dem "manager magazin" wiederholte Obermann außerdem frühere Aussagen zum Thema Übernahmen. Die Deutsche Telekom will künftig vor allem mit eigenen Internetprodukten in neue Auslandsmärkte expandieren. So sollen beispielsweise die Produkte der konzerneigenen Load-Familie Musik, Spiele, Filme und Software zum Herunterladen sowie die Angebote der Scout-24-Gruppe verstärkt im Ausland angeboten werden. Auf diese Weise könne der Bonner Konzern weitere Märkte erschließen, ohne ein eigenes Netz zu kaufen, sagte Obermann. "Diese smarte Expansion ziehen wir milliardenschweren Zukäufen vor." Kleinere Akquisitionen, etwa im Internetbereich, seien indes weiterhin denkbar.

cis/dpa
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