Organisierte Kriminalität Uno warnt vor Ausbreitung von Cyberbetrug – »wie ein Krebsgeschwür«
Gebäudekomplexe in Myanmar: Die Arbeiter sind oft nicht freiwillig hier
Foto: Valeria Mongelli / Hans Lucas / picture allianceOnlinescams werden zu einer globalen Bedrohung. Laut einem Bericht der Uno-Behörde zur Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung (UNODC) haben sich kriminelle Netzwerke aus dem südostasiatischen Raum mittlerweile nach Afrika und Südamerika ausgebreitet.
In den vergangenen Monaten hatten Behörden mit spektakulären Aktionen sogenannte Scam-Center in Myanmar geschlossen und Tausende Arbeiter wieder in ihre Heimat gebracht. Die arbeiteten dort oft nicht freiwillig, sondern wurden von Menschenhändlern an die kriminellen Netzwerke ausgeliefert. Doch die punktuellen Erfolge können das Problem nicht eindämmen.
»Es breitet sich aus wie ein Krebsgeschwür«, sagte Benedikt Hofmann, amtierender UNODC-Regionalvertreter für Südostasien und den Pazifik. »Die Behörden bekämpfen das Problem in einem bestimmten Gebiet, aber die Wurzeln verschwinden nie; sie ziehen einfach weiter.« Dabei hätten die Kriminellen die Wahl, wo sie sich als Nächstes niederlassen.
Ausgefeilte Milliardenindustrie
Das Geschäft ist extrem profitabel. Laut den neuesten UNODC-Schätzungen betragen die Gewinne inzwischen fast 40 Milliarden Dollar (35 Milliarden Euro) pro Jahr.
Dabei greifen die Kriminellen auf eine ganze Reihe verschiedener Betrugsmaschen zurück, vom sogenannten Pig Butchering, bei dem Opfern mit einer vermeintlich romantischen Beziehung Geld aus der Tasche gezogen wird, bis zu Anlagebetrug mit Kryptowährungen. Oft geben sich die Betrüger auch als Polizisten oder Bankmitarbeiter aus. Ihre Methoden sind so ausgefeilt, dass sich selbst Fachleute nicht immer sicher sein können, dem psychologischen Druck zu widerstehen.
Den Kriminellen kommt zugute, dass sie keine Drogen oder andere illegale Waren über Grenzen schmuggeln müssen. Stattdessen haben sie ausgefeilte Infrastrukturen geschaffen, die vor allem über das Internet abgewickelt werden. Das macht es ihnen möglich, sich in fast jeder Region niederzulassen. Die Syndikate machen sich dabei Gegenden mit hoher Korruption und schwachen Polizeibehörden zunutze, etwa in Laos, Myanmar und Kambodscha.
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Mittlerweile seien die asiatischen Netzwerke aber bereit, in neue Länder vorzustoßen. Über ihre Geldwäschenetzwerke haben sie laut den Erkenntnissen der UNODC bereits Kontakt zu südamerikanischen Drogenkartellen aufgenommen, auch in Afrika wurden Stützpunkte der Scammer entdeckt. Die internationale Gesellschaft befinde sich an einem »kritischen Wendepunkt«, warnt die UNODC daher. Werde die Entwicklung nicht gestoppt, rechne man mit »beispiellosen Konsequenzen für Südostasien, die weltweit nachhallen werden«.
Mehr Informationen über die in Deutschland verbreiteten Betrugsmaschen und eine Checkliste zum Ausdrucken finden Sie hier.