Niederländische Kommune zieht vor Gericht Twitter soll Verschwörungstheorien über Pädophilenring löschen

Die niederländische Gemeinde Bodegraven-Reeuwijk fordert Twitter auf, Falschbehauptungen über Satanismus und Kindesmissbrauch in der kleinen Kommune zu entfernen. Die Verfasser der Tweets sitzen bereits in Haft.
Der Vredehof-Friedhof in Bodegraven-Reeuwijk

Der Vredehof-Friedhof in Bodegraven-Reeuwijk

Foto: Robin Utrecht / picture alliance

Die niederländische Gemeinde Bodegraven-Reeuwijk hat gegen Twitter geklagt. Am Freitag forderte die Kommune vor Gericht den Kurznachrichtendienst auf, alle Tweets zu löschen, die sich auf Gerüchte über einen mutmaßlichen Pädophilenring in Bodegraven-Reeuwijk beziehen. Angeblich sollen satanistische Pädophile dort in den Achtzigerjahren Kinder gequält und getötet haben. Die kruden Verschwörungstheorien kursieren seit 2020 in den sozialen Medien.

Drei Männer sitzen bereits in Haft

Im Netz verbreitet wurden die Aussagen von drei Männern, die bereits zu Haftstrafen verurteilt worden sind und zurzeit im Gefängnis sitzen. Die Männer haben unter anderem Morddrohungen gegen Einzelpersonen geäußert, darunter auch gegen den niederländischen Regierungschef Mark Rutte.

Die Gerüchte auf Twitter hatten im vergangenen Jahr Dutzende Menschen dazu veranlasst, zum Vredehof-Friedhof in Bodegraven-Reeuwijkin zu fahren und dort Blumen abzulegen. Sie hinterließen Botschaften an Gräbern und auf dem Rasen, die von der Gemeinde wieder entfernt wurden. Der damalige Bürgermeister Christiaan van der Kamp verurteilte die »Lügen der Verschwörungstheoretiker« aufs Schärfste, wie RTL Nieuws  berichtete. Auch etliche Angehörige von Verstorbenen seien entsetzt gewesen, sagte der Bürgermeister damals. Ein Sicherheitsdienst wurde eingerichtet, um die Gräber zu schützen.

Bereits vor einem Jahr waren die drei Männer gerichtlich angewiesen worden, die Tweets zu löschen. Was offenbar nicht geschah. Der Anwalt von Bodegraven-Reeuwijk, Cees van de Zanden, sagte der niederländischen Zeitung »De Volkskrant«: »Wenn Verschwörungstheoretiker ihre Nachrichten nicht entfernen, müssen die beteiligten Plattformen handeln.«

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Bodegraven-Reeuwijk sei eine Stadt. Tatsächlich handelt es sich um eine Gemeinde. Wir haben die entsprechende Passage korrigiert.

kek/Reuters
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