Livestream-Tipps zur re:publica Verschwörungsfantasien, Online-Unterricht und das Geheimnis der Twitter-Trends

Wegen der Coronakrise findet das Berliner Netztreffen re:publica 2020 nur digital statt. Hier erfahren Sie, wie Sie sich kostenlos zuschalten können - und wann es sich vielleicht am meisten lohnt.
Eine Auswahl von Markus Böhm
Als die Konferenz noch offline standfand: So sah es sonst auf der Hauptbühne der re:publica aus

Als die Konferenz noch offline standfand: So sah es sonst auf der Hauptbühne der re:publica aus

Foto: AXEL SCHMIDT/ REUTERS

"ASAP", "As soon as possible": Unter diesem Leitspruch startet am Donnerstagvormittag die diesjährige Ausgabe der re:publica. Das Netztreffen lockt eigentlich Mai für Mai Tausende Digitalinteressierte in einen ehemaligen Postbahnhof in Berlin-Kreuzberg. Wegen der Coronakrise jedoch gibt es 2020 eine besondere Ausgabe der Konferenz: Sie dauert einerseits nur einen statt drei Tage und findet anderseits ausschließlich im Netz statt. Deutschlands wichtigste Digitalkonferenz ist diesmal digital-only.

Tickets braucht man zum Besuch der Online-Veranstaltung keine, auch verlaufen kann man sich im Unterschied zur Offline-Variante nicht:

  • Sämtliche Vorträge und Diskussionen werden live gestreamt, über re-publica.tv/de . Hier gibt es am 7. Mai mehr als elf Stunden Programm, das sich auch auf YouTube  und auf Facebook  verfolgen lässt.

  • Welcher Talk wann startet und wer genau vom YouTube-Star Rezo bis zum Science-Fiction-Autor Cory Doctorow alles auftritt, können Sie hier im Detail nachlesen .

  • Veranstaltungen, die im Programm  mit dem Stichwort "Deep Dive" gekennzeichnet sind, sind interaktiv: Sie finden unter anderem mithilfe der Videokonferenzsoftware Zoom statt und sind als Frage-und-Antwort-Runden gedacht. (mehr dazu hier )

  • Der offizielle Hashtag zu den re:publica-Livestreams lautet #rpREMOTE.

Diese fünf Vorträge dürften spannend werden

Offiziell läuft die Online-re:publica am Donnerstag von 11.30 bis 23 Uhr - von virtuellen After-Partys mal abgesehen. Thematisch reicht das Spektrum von zahlreichen Facetten der Coronakrise bis hin zu Medienthemen, die im Rahmen der integrierten Schwesterveranstaltung Media Convention Berlin besprochen werden.

Hier sind fünf Livestreaming-Tipps des SPIEGEL:

  • "Fake Facts - Wie Verschwörungsideologien unser Denken bestimmen " (14.30-14.55 Uhr, Stream "ASAP 2", Diskussion ab 15.05 Uhr im "Deep Dive 2", auf Deutsch)
    Unter dem Titel "Fake Facts" erscheint Ende Mai ein Buch  von Katharina Nocun und Pia Lamberty. Für ihren Vortrag zum Thema versprechen die Netzaktivistin und die Psychologin einen lehrreichen Kurztrip "in die krude Welt der Verschwörungsfantasien". Dabei wird es auch um die psychologischen Mechanismen gehen, die dafür sorgen, dass manche Menschen zum Beispiel die Erde für flach halten oder 5G nicht als neuen Mobilfunkstandard, sondern als Instrument zur Gedankenkontrolle wahrnehmen. Katharina Nocun beantwortet im Anschluss per "Deep Dive" auch noch Fragen.

  • "Rechtsstaat und Menschenrechte in der Pandemie " (15.00-15.25 Uhr, Stream "ASAP 1", Diskussion ab 15.35 Uhr auf "Deep Dive 2", auf Deutsch)
    Von der Maskenpflicht bis zum Kontaktverbot: Die Regeln, die Bund und Länder angesichts der Corona-Pandemie in den vergangenen Wochen auf den Weg gebracht haben, erscheinen manchen Menschen zu lasch. Andere wiederum finden sie unverhältnismäßig hart. In diesem Vortrag fassen Lea Beckmann und Lena Rohrbach zusammen, wie ihre Organisationen - Amnesty International sowie die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) - die getroffenen Maßnahmen einschätzen. Dabei geht es um die Rolle der "Grundprinzipien des Rechtsstaates" und darum, "wo unsere Grund- und Menschenrechte auf der Strecke bleiben". Diskutiert werden kann im Anschluss im "Deep Dive".

  • "#CoronaSchule: Digitaler Morgenkreis und Schulausflug nach New York " (17.25-17.50 Uhr, Stream "ASAP 1", Diskussion ab 18 Uhr im "Deep Dive 1", auf Deutsch)
    "Das Coronavirus könnte zur wirksamsten Fortbildungsmaßnahme des Jahrhunderts werden", schrieb Erziehungswissenschafter Michael Schratz in einem Gastbeitrag für den "Standard"  - und zeigte sich überzeugt, dass die "Schule von morgen" etwas aus "der Krise von heute" lernen könne. In diesem re:publica-Talk samt vertiefendem "Deep Dive" spricht Jöran Muuß-Merholz mit Maike Schubert und Maria Kruse darüber, wie das Coronavirus ihren Schulalltag umgekrempelt hat. Es soll um "neue Chancen" und "alte Probleme" gehen.

  • "Content Moderation: Who decides what is true? " (19.25-19.50 Uhr, Stream "ASAP 2", auf Englisch)
    Während der Coronakrise wird auf Portalen wie YouTube und Facebook hitzig diskutiert. Berechtigte Ängste treffen dort auf Verharmlosungen des Virus oder auch mal persönliche Anfeindungen. In diesem Gespräch befassen sich die Bürgerrechtlerin Jillian York und David Kaye, der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Meinungsfreiheit, mit der Frage, ob und wie die Betreiber der Plattformen Einfluss auf diese Debatten nehmen sollten.

  • "Twitter Trending Topics: Bericht einer teilnehmenden Beobachtung " (20.25-20.50 Uhr, Stream "ASAP 2", auf Deutsch)
    In der "Trends"-Box von Twitter werden rund um die Uhr angesagte Hashtags besonders hervorgehoben. Mal haben sie - wie im Fall etwa von #Kalou - mit dem Nachrichtengeschehen zu tun, mal à la #annewill mit dem Fernsehprogramm, mal wie bei #gutenmorgen einfach mit dem Alltag. Doch wie viel einzelne Tweets braucht es ungefähr, bis ein Hashtag zum Trend wird? Und was war eigentlich der Toptrend der vergangenen Monate? Das will Datenanalyst Luca Hammer anhand selbst gesammelter Daten erklären.