Trash-Song "Friday" Was wurde aus... Rebecca Black?

Als sie 13 war, lachte die Welt über ihren YouTube-Hit "Friday", manche Nutzer schickten gar Morddrohungen. Heute macht Rebecca Black immer noch Musik – und erzählt, warum sie das Internet trotz allem liebt.
Rebecca Black

Rebecca Black

Foto: Ashley Osbourne

Rebecca Black hatte 2011 angeblich gar nicht vor, eine Karriere als Popstar zu starten. Die damals 13-Jährige wollte damals nur ihrer Leidenschaft, dem Singen, nachgehen, sagt sie heute. Ihre Mutter beauftragte daher für ein paar Tausend Dollar das Unternehmen ARK Music Factory mit der Produktion eines Songs mitsamt Musikvideo. Aus einem Katalog suchte Black einen Track aus, als Statistinnen des Videos dienten ein paar ihrer Freundinnen aus der Schule.

Das Ergebnis war "Friday", ein trashiger Song, der nach seiner Veröffentlichung auch unbemerkt an der Welt hätte vorbeiziehen können. Doch nachdem Comedians das Video der Teenagerin einen Monat später zufällig auf YouTube entdeckten, wurde ihr Song zur Lachnummer der ganzen Welt. In Tausenden Kommentaren erklärten sie "Friday" zum schlechtesten Lied aller Zeiten.

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Neun Jahre nach dem viralen Hit

Für Rebecca Black war die über Nacht erlangte Berühmtheit ein Schock. "Ich hätte nie gedacht, dass ich in dem Alter 100 Millionen Views auf YouTube haben werde" sagt sie rückblickend. "Ich dachte, dass ich höchstens im Musical an der High-School mitspielen würde." Das normale Teenager-Leben war für Black nach "Friday" vorbei.

Seitdem sind neun Jahre vergangen. Black ist heute 23 und veröffentlicht wieder Musik – diesmal selbst geschriebene. "Mein Leben hätte vollkommen anders verlaufen können", sagt die junge Frau, die schon früh die Häme im Internet erleben musste. Aber statt verbittert mit diesem Kapitel abzuschließen, zeigt sie sich fast schon aus Trotz umso verletzlicher.

"Ich habe die letzten zehn Jahre damit verbracht, mich selbst und die Welt zu belügen", sagt sie, "habe gesagt, dass alles in Ordnung ist, auch wenn es das nicht war." 2020 singt Rebecca Black nicht mehr unbeholfen von der Vorfreude aufs Wochenende, sondern spricht offen über Depression, Mobbing und ihre Sexualität.

Anfang des Jahres beschrieb sie in einem Tweet, wie der Hass, den sie online erlebte, zu Selbsthass wurde. Aber sie berichtet auf ihrem YouTube-Kanal auch davon, wie sie ihn überwindet. Auch sonst versteckt sich die Sängerin, die 2013 eine Auszeit vom Rampenlicht nahm, nicht mehr. Im April outete sie sich in einem Podcast als queer.

Selbst-Reflektion und Selbst-Sabotage

Insgesamt knapp 300 Millionen Views hat "Friday" bis heute erreicht, obwohl es aufgrund von Rechtsstreitigkeiten zwischen Blacks Familie und ARK Music Factory vorübergehend aus dem Internet verschwand. Für heutige Verhältnisse ist das vergleichsweise wenig, "Gangnam Style" brach bereits im Jahr darauf die Milliarden-View-Marke. Doch 2011 war "Friday" das meistgesehene Video auf YouTube und war so Vorläufer vieler viraler Musikvideos.

In der kurzen Zeit stellte der Song allerdings auch einen Negativ-Rekord auf: Mit drei Millionen Dislikes - also Daumen nach unten - wurde "Friday" das meistgehasste Video auf YouTube. Der Hass beschränkte sich nicht allein auf die Kommentarsektion. Black erhielt damals mehrere Morddrohungen.

"Wenn so viele Leute dir immer wieder sagen, dass du ein Witz bist, oder dass du dumm bist, weil du deinem Traum folgst, dann hast du mit 13 keine andere Wahl als es zu glauben", sagt Black zurückblickend. Die Musikerin möchte sich nicht länger von dem Meme definieren lassen, zu dem sie als Teenagerin gemacht wurde.

"Ich muss mich jeden Tag daran erinnern, diese Unsicherheiten zu überwinden, die seit meiner Jugend da waren", sagt sie. Dieser Prozess findet in den sozialen Medien statt, aber auch in neueren Songs wie "Self-Sabotage". Deren Texte überlässt sie nicht mehr allein ihren Produzenten.

"Jetzt ist nicht die Zeit für Selfies"

Einen weiteren Hit wie "Friday" hatte Black bisher nicht. Dennoch hat sie noch immer Millionen Followerinnen und Follower auf Twitter, Instagram und YouTube. Momentan nutzt sie diese Reichweite nicht für die Promotion ihrer neuen Single, sondern retweetet Aktivistinnen aus der Black-Lives-Matter-Bewegung. "Es wird immer die Zeit geben, über sich selbst zu sprechen", erklärt Black, "aber gerade jetzt ist nicht der Moment für Selfies." Ihre Reichweite in den sozialen Medien fiel ihr ungefragt zu. Umso überlegter geht sie mit ihr um: "Als jemand mit so einem großen, jungen Publikum habe ich eine Verantwortung."

Hasskommentare und Cybermobbing

Hass und Hetze mit häufig menschenverachtenden oder rassistischen Inhalten sind in sozialen Netzwerken und Foren verbreitet. Wie geht man gegen persönliche Angriffe vor? Und was tun Plattformbetreiber und Gesetzgeber?

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Die 1997 geborene Black bezeichnet sich als ein Kind des Internets. Schon bevor sie selbst ein Teil der Netzkultur wurde, sei sie dort mehr als in der echten Welt auf der Suche nach Zugehörigkeit gewesen. "Das Internet bietet mir die Möglichkeit dazuzulernen und die Geschichten anderer Menschen zu hören", sagt sie.

"Es fühlt sich anders an, wenn es Millionen Mal am Tag passiert"

Was Rebecca Black vor fast zehn Jahren passierte, ist heute in den sozialen Medien gar nicht mehr so ungewöhnlich. Auf Plattformen wie TikTok kann jeder zum Star eines viralen Videos werden. Mehr als die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer von TikTok ist jünger als 24 Jahre. Die Plattform stand in der Vergangenheit dennoch immer wieder für ihren mangelhaften Jugendschutz in der Kritik. "Viral zu gehen fühlt sich heute so viel anders an, wenn es Millionen Mal am Tag passiert", sagt Black. Geschichten wie ihre seien heute beinahe alltäglich geworden. Sie scherzt, dass sie am liebsten für all die Kinder und Jugendlichen da wäre, deren Internetberühmtheit mit Hasskommentaren einhergeht. Stattdessen kann sie nur hoffen, dass auch ihnen eine Familie den Rücken stärkt.

Trotz der Hasswelle im Netz wünscht sie sich rückblickend nicht, "Friday" ungeschehen zu machen. "Wer weiß, was ich ohne diesen Lernprozess heute für ein Mensch wäre", sagt sie. Sie hat nach 2011 in verschiedenen Communities online wie offline Halt gefunden, inzwischen ist sie selbst ein Vorbild für viele ihrer Fans. "Nette Worte und Fotos wirken so schnell leer", sagt sie über ihre Entscheidung, das Mobbing und seine Folgen zu thematisieren. "Ich wollte einfach ehrlich über meine Gefühle sein."

Blacks Offenheit brachte ihr in diesem Jahr keine neue Häme, sondern Respekt ein. Und sogar die Kommentare unter dem Video von "Friday" haben sich gewandelt. Zwar wird der Song von manchen noch immer mit Folter verglichen. Aber noch mehr Kommentare freuen sich darüber, dass Rebecca Black dem Internet nicht den Rücken gekehrt hat – auch wenn sie allen Grund dafür gehabt hätte.