Cyberattacke in der Slowakei? Opposition vermutet inszenierten Hackerangriff auf Parlament

Das slowakische Parlament hat eine Abstimmung verschoben, die die Regierungspartei zu verlieren drohte – mit Verweis auf IT-Probleme. Aus der Opposition kommen nun Zweifel an der offiziellen Version.
Parlamentspräsident Kollár (r.) hatte am Donnerstag von einer »sehr ernsten« Cyberattacke gesprochen und die Abstimmungen unterbrochen

Parlamentspräsident Kollár (r.) hatte am Donnerstag von einer »sehr ernsten« Cyberattacke gesprochen und die Abstimmungen unterbrochen

Foto: Martin Baumann/ dpa

Ein am Donnerstag vermuteter Hackerangriff auf das Parlament der Slowakei ist vorerst nicht nachgewiesen worden. Parlamentspräsident Boris Kollár gab am Freitag bekannt, der Ausfall des kompletten Computersystems sei inzwischen behoben worden. Laut dem Portal Euractiv  sprach er am Donnerstag von einer »sehr ernsten« Cyberattacke unbekannter Herkunft.

Die Sicherheitsverantwortlichen des Parlaments würden wohl Strafanzeige gegen die Schuldigen erstatten, sobald die Ursache des Ausfalls feststehe, so Kollár. »Sie müssen feststellen, ob Absicht, Nachlässigkeit oder menschliche Dummheit dahintersteckte«, sagte der Parlamentspräsident am Freitag.

Zweifel aus der Opposition

Die liberale Fraktionsvorsitzende Anna Zemanová hatte schon kurz nach der von Kollár verkündeten Verschiebung aller Parlamentsabstimmungen die offizielle Version in Zweifel gezogen, dass es einen Hackerangriff auf das Parlament gegeben habe. Sie schloss nicht aus, dass Abgeordnete der nurmehr als Minderheitskabinett amtierenden konservativ-populistischen Regierungskoalition selbst für den Ausfall der Computersysteme verantwortlich sein könnten. Tatsächlich standen mehrere wichtige Abstimmungen an, die die Regierungsparteien zu verlieren drohten, weil einige ihrer Abgeordneten abwesend waren.

Euractiv berichtete am Freitag , dass die für Cybersicherheit zuständige Nationale Sicherheitsbehörde zunächst keinen Hack bestätigen wollte. Der Sprecher der Behörde habe sich demnach zunächst geweigert, den Vorfall als Angriff zu bezeichnen. Die Behörde habe vom Parlament einen Bericht erhalten, aber könne noch keine Einzelheiten über die Geschehnisse bekannt geben.

Am Donnerstag war es auch in Polen im Senat, der zweiten Kammer des polnischen Parlaments, zu einem Ausfall des Computersystems gekommen. Der Pressedienst des Senats machte einen Hackerangriff verantwortlich. »Der Angriff erfolgte aus mehreren Richtungen, unter anderem auch aus Russland«, hieß es in einer Stellungnahme. Senatspräsident Tomasz Grodzki sagte, er wisse nicht, ob die Attacke damit zusammenhänge, dass der Senat am Mittwoch einen Gesetzentwurf verabschiedet habe, der Russland als terroristischen Staat einstuft.

hpp/dpa

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