Street-View-Aufnahme vor Obststand Google Maps bringt Ermittler auf Spur von Mafioso

Er war fast 20 Jahre lang untergetaucht, nun hat ihn ein Foto im Netz verraten: Mafia-Ermittler haben einen Gangster in Spanien digital ausfindig gemacht – obwohl ihn die Aufnahme nur verpixelt zeigte.
Screenshot der Street-View-Aufnahme, die den Kriminellen vor seinem Laden in Spanien zeigen soll

Screenshot der Street-View-Aufnahme, die den Kriminellen vor seinem Laden in Spanien zeigen soll

Foto: Google

Italienische Fahnder haben den verurteilten sizilianischen Mafioso Gioacchino Gammino im Dezember unter anderem mithilfe der Street-View-Funktion von Google Maps ausfindig machen und festnehmen können. Die Ermittler hatten ihn auf einer Street-View-Aufnahme aus der spanischen Kleinstadt Galapagar entdeckt, die ihn vor einem Obst- und Gemüsestand zeigte, wie ein Sprecher der Anti-Mafia-Polizei Dia am Mittwoch auf Nachfrage erklärte. Die Fahnder hatten ihn nach zwei Jahren Ermittlungsarbeit in dem Ort nahe Madrid vermutet. Am 17. Dezember griffen die spanischen Behörden schließlich zu.

Unweit des Geschäfts befand sich ein Restaurant, das als Spezialität sizilianische Küche anbot – ein Hinweis für die Beamten. Auf Facebook postete das Lokal der Zeitung »La Repubblica « zufolge ein Foto des Kochs. An einer Narbe am Kinn erkannten die Ermittler, dass es sich um den Gesuchten handelte. Damit konnten sie schließlich die in Google Street View verpixelt dargestellte Person identifizieren.

Der Mafioso war zuvor fast 20 Jahre lang auf der Flucht gewesen, weil er unter anderem wegen Mordes und Drogenhandels gesucht wurde. In Italien erwartet ihn nun eine lebenslange Freiheitsstrafe. Er gehörte zur sizilianischen Mafia Stidda, einer Gegenorganisation zur bekannteren Cosa Nostra.

Spektakuläre Flucht

Der Mafioso war bereits 1995 festgenommen worden, konnte aber schon damals in Spanien untertauchen, bis er schließlich in Barcelona aufgegriffen und 1999 in das berüchtigte Hochsicherheitsgefängnis Rebibbia in Rom überführt wurde. Im Juni 2002 gelang es ihm jedoch, auf aufsehenerregende Weise von dort zu fliehen: Als ein Häftling bei den Dreharbeiten zu einem Film mit der Schauspielerin Vittoria Belvedere schreiend und zitternd eine Wand hochkletterte und sich weigerte herunterzukommen, nutzte Gammino das Ablenkungsmanöver. Er entkam, indem er sich in eine Gruppe von Menschen einreihte, die ihre inhaftierten Verwandten besucht hatte.

Dass ihn die Polizei schließlich in Spanien fand, überraschte ihn offenbar. Bei seiner Festnahme soll er gesagt haben: »Wie habt ihr mich gefunden? Ich habe seit zehn Jahren nicht mehr mit meiner Familie telefoniert.« Nach seiner Flucht aus Italien habe der Mann in Galapagar ein neues Leben angefangen, berichtet der »Guardian «. So habe er nicht nur den Obst- und Gemüseladen aufgebaut und in dem Restaurant als Koch gearbeitet, sondern auch geheiratet und seinen Namen in Manuel geändert.

mak/dpa
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