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Angespielt: Virtuelle Basteleien mit dem "PC Building Simulator"

Foto: The Irregular Corporation

"PC Building Simulator" Für 20 Euro zum Traum-PC

Prozessor übertakten, Leuchtlüfter einbauen und Kühlung verlegen: Mit dem "PC Building Simulator" kann man sich seinen Wunsch-PC zusammenstecken - zumindest virtuell. Das macht nicht nur Nerds Spaß.

Der Auftrag klingt eigentlich einfach: Arbeitsspeicher erweitern, mehr nicht. Doch beim Blick ins Gehäuse zeigt sich, dass der Monsterlüfter den Steckplatz blockiert. Ich kappe also die Stromleitung, montiere den Lüfter ab, ziehe den alten Ram-Riegel raus, stecke den neuen Arbeitsspeicher rein. Dann passiert es. Ich stülpe den Lüfter wieder auf den Prozessor - und vergesse die Wärmeleitpaste.

Im Spiel "PC Building Simulator"  wird das als kapitaler Fehler gewertet. Ohne die Paste überhitzt der Prozessor rasch, und der Rechner verabschiedet sich mit einem Bluescreen. Mein Kunde ist sauer, beklagt sich öffentlich im Netz und watscht die magere Leistung in den Onlinebewertungen mit einem Stern ab.

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Angespielt: Virtuelle Basteleien mit dem "PC Building Simulator"

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Dabei ist die PC-Werkstatt, die man als Spieler übernimmt, sowieso schon am Boden. Das Geschäft läuft mies. Kunden schreiben wütende E-Mails und drohen mit dem Anwalt. Geld hat der Vorbesitzer auch nicht hinterlassen. Ganz im Gegenteil, er hat sich vor seinem Abschied noch ein paar Dollar für Benzin geborgt.

Mit einfachen Aufträgen muss man deshalb erst einmal ein wenig Geld verdienen. Festplatten austauschen, Grafikkarten in PCI-Schächte schieben und Rechner abstauben. Dabei merkt man schnell, was den Reiz am "PC Building Simulator" ausmacht: Die beeindruckende Liebe zum Detail. Die Gehäuse sind realistisch nachgebaut, die Verkabelung ist detailgetreu, und die Auswahl an Originalkomponenten wie Intel-Prozessoren, Nvidia-Grafikkarten und Seagate-Laufwerken ist riesig.

Hardware-Himmel: Der Spieler kann aus zahlreichen Originalbauteilen wählen

Hardware-Himmel: Der Spieler kann aus zahlreichen Originalbauteilen wählen

Foto: The Irregular Corporation

In den Kommentaren zu dem Spiel auf der Onlineplattform Steam loben die Spieler vor allem den freien Bastelmodus. In dem kann man seinen eigenen Rechner nachbauen oder seinen Traum-PC zusammenstellen. Das sorgt offenbar für viel Spaß. So schreibt ein Nutzer : "Habe ich gerade zwei Stunden damit verbracht, meinen virtuellen PC zu übertakten? Ja."

So viele Details

Das PC-Modding läuft ähnlich kleinteilig wie in der Realität. Teilweise klemmen die Bauteile so ungeschickt im Blechgehäuse, dass es fast unmöglich ist, mit dem Mauszeiger auf die richtige Stelle zu klicken, um sie zu lösen. Eine Wasserkühlung lässt sich nur umständlich verlegen, und allein um die Hauptplatine zu lösen, muss man zwölf Schrauben anklicken.

Aber vielleicht muss das auch so sein. Denn schließlich fühlt sich PC-Tuning eben genauso sperrig an, wenn man mit der Hand durchs schmerzhaft enge Gehäuse manövriert, Speichersteine auf Platinen presst und beinahe daran verzweifelt, viel zu kurze Strippen durch viel zu scharfkantige Schächte zu ziehen.

Für Neulinge wirkt diese Detailtiefe eher abschreckend. Auch wenn ein Tutorial die Anfänger behutsam ans PC-Basteln heranführt, sollte man ein gewisses Grundwissen mitbringen. Ansonsten versteht man nicht, dass nur Ram-Module mit gleichem Takt nebeneinander funktionieren. Auch wird es knifflig, wenn man im Spiel die Festplatte falsch verkabelt und der virtuelle Bastelrechner deshalb nicht mehr startet.

Massenabfertigung: Per E-Mail schicken Kunden ihre Tuningwünsche

Massenabfertigung: Per E-Mail schicken Kunden ihre Tuningwünsche

Foto: The Irregular Corporation

Für Tüftel-Fans bietet der Karrieremodus einen unterhaltsamen Start, allerdings lässt der Spielspaß nach ein paar Tuningstunden nach. Irgendwann nutzen sich die immer wiederkehrenden Abläufe einfach ab. Auch wenn die Grafikkarten immer hübscher werden, Neonlichter im Gehäuse leuchten und bunte Kunststoffkabel das Blechgehäuse zieren: Das Belohnungssystem wirkt nach kurzer Zeit nicht mehr.

Für Hardware-Fans ist das der Zeitpunkt, in den freien Bastelmodus zu wechseln, beispielsweise, um auszuprobieren, ob eine bestimmte Kombination von Grafikkarten, Ram und Prozessor wirklich die erhoffte Leistung bringen würde. Alle anderen steigen an diesem Punkt aus.


"PC Building Simulator" von The Irregular Corporation, Steam-Download für Windows-PC, etwa 20 Euro

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