Acer Aspire Revo Der 300-Euro-PC mit Grafik-Turbolader

Spielen, HD-Filme gucken, Videos schneiden: Acers neuer Nettop-PC soll fast alles können, was große PC auch können - und dabei doch viel billiger und sparsamer sein. Bei SPIEGEL ONLINE musste das Gerät zeigen, ob es die Marketing-Versprechen erfüllen kann.

Mit seiner HDMI-Buchse scheint der Blau glitzernde Rechner zu rufen: "Ich gehöre ins Wohnzimmer." Und tatsächlich würde Acers Aspire Revo gut in manches Wohnambiente passen: Er ist klein, sparsam, leise und mit 300 Euro auch noch billig. Außerdem bringt er fast alles mit, was ein moderner Multimedia-PC braucht. Nur sein Prozessor ist für HD-Heimkino eigentlich zu schlapp, denn im Revo steckt ein Intel Atom, der Chip, der die meisten Netbooks antreibt und der eher für Sparsamkeit als für Leistung steht.

Aber im Revo arbeitet der Atom nicht allein. Ihm zur Seite steht nVidias Ion-Technik, die in Acers Mini-Rechner erstmals zum Einsatz kommt. Sie soll Intels schwachbrüstigen Atom-Prozessor in Schwung bringen, ihm rechenintensive Aufgaben abnehmen. Vor allem aber soll sie die Grafikleistung atombasierter Rechner so weit aufpeppen, dass man sie auch als Spielmaschine und HD-Filmabspieler benutzen kann. Lauter Dinge, für die Netbooks und Nettops bisher zu schlapp waren.

Der Grund für deren Multimedia-Versagen: die Chips, die Intel dem Atom zur Seite stellt, der sogenannte Chipsatz. Der erledigt Routinearbeiten reibungslos, ist aber kein Spezialist für schnelle Grafik. Und auch der Atom selbst ist nicht gerade eine Rakete, tuckert er doch seit seiner Vorstellung 2007 mit gemächlichen 1,6 Gigahertz vor sich hin. Daran hat sich auch im Aspire Revo nichts geändert. Allerdings verzichtet Acer beim Revo auf den Intel-Chipsatz, verwendet stattdessen nVidias Ion-Chipsatz - und der hat es in sich. Vor allem was die Grafik angeht, hat nVidia hier einiges anders und vieles besser gemacht als Intel.

Fit für Windows 7

Zehnmal schneller als Intels integrierte Grafikchips soll Ion sein, tönt nVidia. Angesichts des Revo könnte man das glauben, denn während viele Spiele auch auf anderen Netbooks laufen, wenn man deren grafische Ausschmückung reduziert, laufen Games wie etwa Spore auf dem Revo deutlich schneller und grafisch ansprechender. Der Spiele-Benchmark 3DMark 06 macht allerdings deutlich, dass man trotzdem keinen Gaming-PC vor sich hat. 1300 Punkte schafft der Revo. Ein gut ausgestatteter Vierkern-Rechner erreicht gut zehnmal so viele Zähler, ein Atom-Nettop mit Intel-Chipsatz nur 35.

Diese Grafik-Performance reicht dicke aus, um die semitransparente Aero-Optik von Windows Vista flüssig über den Bildschirm zu bewegen. Entsprechend wird der Revo nicht mit dem ollen Windows XP, sondern mit Vista Home Premium bestückt. Und das muss nicht das Ende der Fahnenstange sein. Wer will, der wird den Revo beizeiten auf Windows 7 aufrüsten können. Absurd wäre das trotzdem. Das neue Windows dürfte im Laden gut ein Drittel von dem kosten, was man für den kompletten Revo bezahlt.

Multimedia-Turbo

In manchen Applikationen wirkt die Ion-Grafik wie ein digitaler Turbolader. Wo es möglich ist, greift nVidias Grafikchip der Atom-CPU unter die Arme. Leider funktioniert das nicht immer, sondern nur dann, wenn die Software entsprechend angepasst wurde. Alle übrigen Anwendungen laufen auf dem Revo deshalb genau so schnell oder so langsam, wie auf anderen Nettops oder Netbooks.

Für Revo-Besitzer dürfte es deshalb zur Pflicht werden, sich im Netz nach Anwendungen umzuschauen, die mit dem Hinweis "nVidia GPU Acceleration" oder ähnlichem versehen sind. Die allerdings bringen dann Dinge zustande, die wiederum ohne die Ion-Technik mit einem Atom-Chip nicht denkbar wären. Mit der kostenlosen Software Media Player Classic  beispielsweise, spielt der Rechner mühelos HD-Filme in voller Auflösung ab. Und das funktioniert auch mit HD-Filmen von Blu-ray-Scheiben. Über seinen HDMI-Ausgang liefert der Rechner die Videos in Auflösungen bis zu 1080p, inklusive digitalem Surround-Sound. Um überhaupt Blu-rays abspielen zu können, braucht man freilich ein externes BD-Laufwerk, das mit mindestens 100 Euro zu Buche schlägt.

Wie der Ion-Chip rechenintensiven Anwendungen auf die Sprünge helfen kann, zeigen aber andere Anwendungen, die speziell auf die Fähigkeiten der neuen Chips zugeschnitten wurden, besser. Eine davon ist das Videobearbeitungsprogramm vReveal . Die Software macht sich den Grafikchip zu eigen, um beispielsweise verwackelte oder verrauschte Videobilder zu verbessern. Was den Atom-Chip vermutlich minutenlang beschäftigen würde, erledigt vReveal per Ion-Beschleunigung fast in Echtzeit (siehe Bilderstrecke).

Und wie kann man den erweitern?

Um derart bearbeitete Videos aus dem Rechner herauszubekommen, gibt es reichlich Möglichkeiten. Insgesamt sechs USB-Buchsen hat Acer dem Gerät mitgegeben. Eine davon ist vollkommen überflüssigerweise von einem Gummiknubbel verdeckt. Externe Festplatten sollte man aber lieber an die schnelle eSATA-Buchse anstöpseln. Ans Netzwerk gelangt man entweder per Ethernetkabel oder W-Lan. Die Antennen für die drahtlose Technik sind im Gehäuse verborgen.

Praktisch und lästig zugleich sind nur die Videoanschlüsse. Flachbildfernseher finden per HDMI Anschluss, alte Monitore per VGA-Buchse. Um aber einen aktuellen Flachbildschirm per DVI anzuschließen, muss man einen Adapter kaufen.

Für wenig Begeisterung sorgt auch die Festplatte des Acer-Minis. Der Hersteller verwendet hier eine Hitachi-Platte mit 160 Gigabyte Speicherplatz. Dasselbe Modell wird beispielsweise in Samsungs Netbook NC10 eingebaut. Leider geht der Massenspeicher sehr gemächlich zur Sache. Fast jeder Programmstart wird zur Geduldsprobe. Schön wäre es daher, könnte man die Platte einfach austauschen. Schließlich bekommt man eine doppelt so große und schnellere Festplatte schon für rund 70 Euro.

Leider ist der Revo aber nicht gut auf solche Aufrüstaktionen vorbereitet. Am Gehäuse findet man nur eine einzige Schraube. Ansonsten wird die Konstruktion von Schnappverschlüssen zusammengehalten. Das ist einerseits gut, spart es doch Aufwand beim Zusammenbau und verhindert, dass überall nervige Schraubenköpfe hervorstehen. Andererseits macht es die Demontage des Geräts nicht leichter - zumindest so lange man es ohne bleibende Schäden auseinanderbauen will. Einen Versuch, unser als Engineering Sample gekennzeichnetes Testgerät zu zerlegen, brachen wir ab, bevor es zerbrach.

Tastatur und Maus liegen dem Revo zwar bei, haben aber nur begrenzten Nutzen. Ähnlich wie etwa bei der Asus EeeBox stammen die mitgelieferten Eingabegeräte aus der unteren Schublade, werden im Acer-Auftrag von Logitech in China hergestellt. Die Maus ist so leicht, dass man fast Angst hat, sie zu zerdrücken. Die Tastatur sieht zwar schick aus, ist zum Schreiben langer Texte aber kaum zu gebrauchen. Der Druckpunkt der Tasten ist nur zu erahnen, ein Ziffernblock fehlt ganz.

Wohnzimmer, Arbeitszimmer oder Spielzimmer?

Auch sonst ist der Revo ein Sparfuchs - aber hier im positiven Sinne. Im Leerlauf genügen ihm 18 Watt aus der Steckdose, selbst unter Volllast nippt er höchstens 28 Watt aus der Stromleitung. Das ist nur etwa ein Drittel von dem, was sich andere PC genehmigen und hat den angenehmen Nebeneffekt, dass der Rechner meist lautlos bleibt. Im Test machte sich sein Lüfter nur kurz beim Einschalten bemerkbar, verfiel danach stets wieder in Ruhe. Selbst während aufwendiger Benchmarks und bei 3-D-Spielen änderte sich daran nichts.

Acer Aspire Revo

Prozessor Intel Atom 230, 1,6 GHz
Chipsatz nVidia Ion
Arbeitsspeicher 2 GB
Festplatte 160 GB
Netzwerk Lan, W-Lan
Anschlüsse 6 x USB, eSATA, Audio-in/-out, VGA, HDMI
Sonstiges Speicherkartenleser, Netzteil, Standfuß
Preis 299 Euro

So leise macht der Revo im Wohnzimmer eine gute Figur - zumindest beinahe. Was ihm fehlt, ist eine Fernbedienung. Aber die kann man mit dem Kauf eines USB-TV-Sticks leicht nachrüsten. Als reiner TV-Zuspieler wäre der Kleine aber unterfordert, kann ebenso gut als Lowend-PC-Spielkonsole oder Web-Surfbox dienen.

Was dem Revo jetzt noch fehlt, ist ein potenter Prozessor, der mehr kann als der schon leicht angegraute Atom 230. Selbst dessen Doppelkernvariante, der Atom 330, wäre schon ein Schritt nach vor, jedes Modell der Core-Duo-Familie ein Quantensprung. Der aber würde den Revo locker um einen Hunderter teurer machen. Rechnet man noch ein internes Blu-ray-Laufwerk hinzu, schrammt man schnell an der 500-Euro-Grenze - und damit im Bereich vieler Supermarkt-PC.

Bleibt abzuwarten, was die Konkurrenz im Köcher hat, wie andere Firmen Intels Atom und nVidias Ion zu neuen Konzepten vermischen. Sicher ist: In den Markt für Nettops kommt Bewegung - endlich.

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