Amazon-Kunden Käufer protestieren gegen "Spore"-Kopierschutz

Ärger für Electronic Arts: Der Hersteller hat die Evolutionssimulation "Spore" mit einem sehr restriktiven Kopierschutz ausgestattet - nun protestieren die Käufer. Im Online-Kaufhaus Amazon wird "Spore" mit miesen Bewertungen überhäuft - schlecht fürs Image und womöglich für den Absatz.

Will Wrights Evolutionssimulation " Spore" hat bei den Kritikern nicht überragend, aber doch ziemlich gut abgeschnitten. Der Rezensionsaggregator Metacritic.com  etwa weist derzeit eine durchschnittliche Punktzahl von 86 von 100 für "Spore" aus.

Bei Amazon.com sieht das anders aus: "Spore" hat dort, basierend auf knapp 1300 Kundenbewertungen, eine Durchschnittsbewertung von einem von fünf Sternen bekommen. 1200 Nutzer vergaben nur einen Stern - die schlechteste mögliche Bewertung. Bei Amazon.de sieht es für "Spore" nicht ganz so übel aus, aber auch dort vergaben bis Dienstagmittag 56 von 95 Rezensenten nur einen oder zwei Sterne.

Die Kritik der Kunden entzündet sich nicht am Spiel selbst - sondern an dem Kopierschutz, den der Spiele-Publisher Electronic Arts "Spore" mitgegeben hat. Nur dreimal darf man das Spiel, hat man es einmal gekauft, installieren. Wer mehr Installationen will, sei es, weil er von einem Rechner auf den anderen umgezogen ist, oder weil beim Installieren etwas schiefgegangen ist, der muss bei einer kostenpflichtigen Hotline anrufen und um erneute Freischaltung bitten.

Solches "Digital Rights Management" (DRM) kennt man sonst eher aus der Musikbranche: Auch Stücke, die etwa bei iTunes oder anderen Online-Musikläden heruntergeladen werden, können nicht auf beliebig vielen Endgeräten abgelegt werden. Für die Spielebranche aber ist dieser Schritt, der sich gegen illegales Kopieren richten soll, relativ neu - und die Kundschaft ist nicht amüsiert.

"Das DRM macht aus einem Spielkauf einen Verleihvorgang, aber nicht für einen Leihpreis", schrieb ein erboster Amazon-Kunde aus den USA, "DRM hält keine Piraten ab - es bestraft nur ehrliche Kunden", ein anderer. Für großen Unmut sorgt auch, dass die Kopierschutz-Software Administratorenrechte umgeht, sich gewissermaßen heimlich auf dem Rechner einnistet und nicht deinstalliert werden kann, wenn man den Amazon-Bewertern Glauben schenkt. "Ich bin kein Fan eines Unternehmens, das Programme auf meinem Computer installiert, die ich nicht entfernen kann", schrieb einer, "und wenn ich es doch tue, verliere ich eine Aktivierung (von nur dreien)."

Für die Internet-Warenwelt stellt der Amazon-Protest eine kleine Premiere dar: Noch nie hat die Zielgruppe eines bestimmten Produktes an so prominenter Stelle eine so effektive Protestbewegung organisiert. Befeuert durch einen Bericht im Tech-Blog ars technica  und dessen anschließende Verlinkung im Social-News-Portal digg gewann das Thema rasend schnell große Prominenz. Inzwischen berichten selbst "Wired"  und die "Financial Times"  darüber.

Nun ist der Hersteller gezwungen, zu reagieren. Eine Stellungnahme von Electronic Arts steht bislang zwar noch aus. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE teilte ein Sprecher aber mit, die Nutzer-Community werde am Dienstag gegen Abend informiert. Ausführliche Antworten auf alle aufgeworfenen Fragen soll es dann am Mittwoch im Laufe des Tages geben.

cis

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