Apple-Handy Die besten Tuning-Programme fürs Alt-iPhone

Spiele, Chat-Software, Überallnotizbuch und Universalfernbedienung: Mehr als 500 Programme rüsten alte iPhones zu Kleincomputern auf - gratis oder sehr günstig. Schon beim Start ist die Vielfalt in Apples neuem Software-Portal groß. SPIEGEL ONLINE zeigt die interessantesten Programme.

Der Lärm um das neue UMTS-iPhone überdeckte den Start einen mindestens ebenso interessanten Angebots völlig: Apple hat den sogenannten "App Store" gestartet, ein Download-Portal für iPhone-Software, die von Apple, vor allem aber von vielen unabhängigen Entwicklern geschrieben wurden. Beim Start waren mehr als 500 Anwendungen verfügbar. Dieses Angebot ist auch für die frustrierten Besitzer von Alt-iPhones interessant, die nicht ein paar Hundert Euro für ein neues Gerät bezahlen wollen.

Denn die iPhone-Programme aus dem "App Store" laufen auch auf Altgeräten - und die besten dieser Programme brezeln das Alt-iPhone zu einem völlig neuen Gerät auf. Spielkonsole, Minicomputer, Fernbedienung - alles möglich.

Voraussetzung dafür ist, dass die neuste Version von iTunes auf dem Computer und dann die neue Version des iPhone-Betriebssystems auf dem Apple-Handy installiert wird. Die iPhone-Software 2.0 war bei vielen Anwendern am Freitag früh noch nicht über iTunes zu installieren. Das Update ist aber mühelos von Hand mit einem Download von einem Apple-Server zu bewerkstelligen ( Anleitung  bei iPhoneatlas).

Spiele, Chat und die iTunes-Fernbedienung - SPIEGEL ONLINE zeigt die interessantesten Programme fürs iPhone.

Remote: iPhone als Fernbedienung

Warum erst jetzt? Ein kleines, kostenloses Apple-Programm verwandelt das iPhone in eine Fernbedienung für die iTunes-Musikbibliothek am Heimcomputer und für Apples Fernseh-Box AppleTV. Voraussetzung: Beide Geräte müssen im selben Drahtlos-Netzwerk eingebucht sein.

Startet man dann die Fernbedienungsoftware auf dem iPhone, erkennt diese sofort die iTunes-Bibliothek auf einem aktiven Computer im Netzwerk. Das iPhone zeigt einen Kennwort-Zahlencode ein, den tippt man am Computer bei iTunes ein und schon ist das Apple-Telefon als Fernbedienung freigeschaltet.

Beim Test funktionierte das iPhone tadellos als Fernbedienung: Das Telefon zeigt hübsch und übersichtlich sortiert die gesamte iTunes-Mediathek an - samt aller Bewertungen, Cover, Abspiel-Listen und sonstiger Finessen. Der Computer spielt, was man auf dem iPhone antippt - ohne merkliche Verzögerung. Und: Wenn man iTunes-Stücke vom Sofa aus mit dem iPhone bewertet, speichert die iPhone-Datenbank auf dem Heimrechner das. Einfach, kostenlos, toll - nur ein bisschen spät.

Monkey Ball: iPhone-Affe rollt den Bananen hinterher

Das Spielprinzip von "Super Monkey Ball": Ein Affe rollt in einer Kugel durch einen Hindernisparcours und sammelt herumliegende Bananen ein. Das Spiel ist ein Klassiker. Das besondere an der iPhone-Version ist die Steuerung, die sich an die "Monkey Ball"-Version für Nintendos Wii anlehnt: Hebt man das iPhone links an, rollt der Affe in seiner Kugel nach rechts unten, kippt man das Telefon nach vorn, kugelt der Affe dorthin - je weiter man das Telefon kippt, umso schneller rollt die Kugel - dank der internen Lagesensoren.

Die Steuerung ist anspruchsvoll - man muss das Telefon sehr vorsichtig balancieren, um nicht zu schnell zu rollen. Das Spiel demonstriert eindrucksvoll und recht unterhaltsam, wozu das iPhone taugt. Allerdings überzeugt die Steuerung nicht ganz: Dass sich die Kameraperspektive ohne Einfluss des Spielers ändert, irritiert manchmal. Ärgerlich ist, dass man, wenn man während eines Spiels einen Anruf annimmt, den Level wieder von vorne beginnen muss. Das Spiel kostet im "App Store" 7,99 Euro.

Caissa Chess: iPhone als Schachcomputer

Viel ruhiger als der Kugel-Affe kommt das Schachspiel "Caissa Chess" daher. Die 3,99 Euro teure Software bietet alles, was man von einem iPhone-Schachcomputer erwartet: Die Figuren zieht man mit den Fingern übers Display, eine Partie lässt sich jederzeit speichern, damit man sie später einmal weiterspielen kann.

Und auf Wunsch gibt die künstliche Intelligenz des iPhone-Schachcomputer dem menschlichen Gegenspieler sogar Tipps für seinen nächsten Zug.

Aim: Chatten statt Simsen

Das AOL-Chatprogramm AIM ist in Apples "App Store" in einer kostenlosen iPhone-Version verfügbar. Loggt man sich mit einem bestehenden AIM-Account ein, sind alle von der PC-Version bekannten Funktionen verfügbar: Buddylisten, Gruppen, Statusmitteilungen - alles vorhanden, alles sehr einfach und übersichtlich zu bedienen.

Lästig ist allein, dass man das Programm im Vordergrund laufen lassen muss, um über neue Nachrichten informiert zu werden. Sprich: Wer telefoniert, E-Mails abruft oder irgendetwas anderes mit seinem iPhone macht, als AIM-Nachrichten zu überwachen, bekommt nicht mit, dass er angeschrieben wurde. Fazit: Für einen Chat zwischendurch eignet sich die iPhone-AIM-Software - um ständig online zu sein, allerdings nicht.

Nettes Detail: Man kann mit dem iPhone in wenigen Sekunden ein neues AIM-Logo für seinen Account knipsen und aktiveren - das geht mit dem iPhone viel einfacher und schneller als am Computer. Beim Testen stürzte die AIM-Software allerdings im Laufe von mehreren Stunden fünfmal ohne nachvollziehbaren Anlass ab. Doch selbst mit solchen Kinderkrankheiten ist die Software ein günstiger und guter SMS-Ersatz - zwischen iPhone-Nutzern zumindest.

Facebook und Mobile Flickr: überall im sozialen Netzwerk

Immer und überall im sozialen Netz: Die kostenlose Facebook-Software fürs iPhone bietet alle vom Heimrechner bekannten Funktionen unterwegs an. Eben mal tippen, was man gerade tut, mit Kollegen chatten, schnell Fotos hochladen - alles möglich, nur ein Offline-Leben eben nicht.

Sehr reizvoll ist die 3,99 Euro teure Software "Flickr Mobile": Dieses iPhone-Programm stellt alle bekannten Funktionen der Foto-Gemeinschaft übersichtlich und schnell (selbst mit Edge) auf dem Apple-Handy dar: Fotos durchforsten, schauen, welche Bilder Bekannte eben eingestellt haben, die neusten Fotos in den Gruppen begutachten, bei denen man Mitglied ist.

Genauso mühelos lassen sich mit dem Programm unterwegs Schnappschüsse bei Flickr veröffentlichen: Selbst mit einem älteren iPhone und dem etwas langsameren Datenübertragungsstandard Edge hat man ein mit dem iPhone geschossenes Foto per Mobile Flickr in weniger als einer Minute geknipst, getaggt, mit einer Überschrift versehen, für bestimmte oder alle Flickr-Nutzer freigegeben und hochgeladen.

Noch schöner wäre das, wenn das iPhone eine brauchbare interne Kamera hatte. Doch leider sind die Fotos des Apple-Handys miserabel - selbst im Vergleich zu anderen Handy-Kameras. Die merkwürdigen Farben der iPhone-Knipse gehen bei Motiven mit viel Sonne als interessante Lomographie-Kunst durch, bei Wolken oder in geschlossenen Räumen aber sind die iPhone-Fotos einfach nur hässlich und gänzlich unbrauchbar. Die Qualität hat sich beim neuen iPhone nicht verbessert - schade.

Truphone: Internet-Telefonate auf dem iPhone

Die kostenlose Software des britischen Telekomunternehmen Truphone ermöglicht auf einem iPhone mit Internetanbindung über einen Hotspot vergleichsweise günstige Telefonate über das Internet-Protokoll VoIP. Die Truphone-Software lässt sich wie die normale iPhone-Telefonier-Software bedienen, greift auf dasselbe Adress- und Telefonbuch zurück.

Der Unterschied: Die Gespräche laufen über das Internet, kosten zum Teil deutlich weniger als über das Mobilfunknetz und werden direkt mit Truphone verrechnet. Dazu muss man ein Konto bei dem Unternehmen einrichten und seine Kreditkartennummer hinterlegen.

Preisbeispiel: Gespräche mit Festnetz- und Mobilfunknummern in den Vereinigten Staaten und China kosten über das Truphone-Netz weniger als vier Cent in der Minute. Call-by-Call-Anbieter unterbieten diese Tarife im Festnetz zwar - aber diese Vorwahlen sind eben nicht an jedem Anschluss nutzbar - der Truphone-Dienst mit dem iPhone hingegen bei jedem Internet-Hotspot. Beim Selbstversuch war die Truphone-Software in wenige Minuten installiert und das Konto aktiviert. Ein Anruf über VoIP bei einem deutschen Festnetzanschluss lief problemlos ab, die Klangqualität war ordentlich.