Ausblick auf die CES Jede Menge neues Spielzeug

Noch hat sich Otto Normalverbraucher nicht vom weihnachtlichen Kaufrausch und den Versicherungsrechnungen im Januar erholt, da soll er schon wieder in die Tasche greifen: Die großen Elektronikmessen des Frühjahrs stehen an, mit massenweise Traumtechnik und Technikträumen.

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Mit dem vergangenen Jahr konnte die IT- und Unterhaltungselektronikbranche mehr als zufrieden sein. Bitkom-Chef Willi Berchtold fasste das im Dezember in einem knackigen Satz zusammen: "Die Konsumenten sind in Kauflaune."

Massenweise flache Ware: Auch in diesem Jahr bleibt eines der Hauptthemen der CES der Fernseher - digital aufgemotzt, versteht sich
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Massenweise flache Ware: Auch in diesem Jahr bleibt eines der Hauptthemen der CES der Fernseher - digital aufgemotzt, versteht sich

Und das, erwartet die Branche, wird auch 2007 so bleiben. Satte 70 Prozent der IT- und UE-Unternehmen in Deutschland erwarten in diesem Jahr weiter erklecklich steigende Umsätze und Profite. Um diesen Boom, der sich nach wie vor hauptsächlich auf Wohnzimmer-Equipment, mobile Gadgets und Spielgeräte stützt, weiter zu befüttern, werfen die Unternehmen auch in diesem Frühjahr eine Masse an Produktnovitäten auf den Markt.

Was da zu erwarten ist, wird man in der nächsten Woche zunächst auf der Consumer Electronics Show CES bewundern können. Zeitgleich öffnet Apple auf der MacWorld Expo den verspäteten Gabenkorb, im Februar legen die Mobilfunker auf der 3GSM nach, und die ganze Sammlung plus einiger Nachleger kann man sich dann im März auf der Cebit ansehen.

Die Trends des Jahres aber, die man auf der CES schon wird sehen können, sind längst ausgemacht: Wie in den letzten Jahren wird es wohl nur wenige echte Innovationen geben, dagegen aber eine Fülle von Verbesserungen und Leistungssteigerungen vorhandener Technologien. Das bedeutet aber keineswegs Business as usual, denn es gibt Jahre, in denen die Technik besonders große Sprünge macht. 2007 verspricht, so ein Jahr zu werden.

Die großen Trends im Überblick

  • Weiter im Trend liegen natürlich bessere Flachbildschirme mit höherer Bildqualität - und deutlich niedrigeren Preisen. Der Preis für Flachbildfernseher fiel in den letzten zwei Jahren um rund 50 Prozent. Für dieses Jahr rechnen die Experten mit einem weiteren Preisverfall um rund 30 Prozent - Massenproduktion und zunehmend härtere Konkurrenz kommen den Kunden zugute.
  • Stichwort Fernsehen: Die Grenzen zwischen Internet und TV verschwimmen weiter. Hewlett Packard wird ein HDTV-Gerät mit W-Lan-Anbindung vorstellen. Mehrere IT- und Internetunternehmen werden die CES nutzen, erweiterte Videoshops und -services oder ähnliches publik zu machen.
  • Auch das ist weiter ein kräftiger Trend: Die zunehmende Verschmelzung von IT- und UE-Industrie. Alle relevanten IT-Größen (Cisco, IBM, Intel, Microsoft u.a.) sind vertreten, Branchenkönig Bill Gates eröffnet die Messe mit seiner Keynote. Einige der überraschendsten Meldungen darf man von den professionellen Geheimniskrämern der IT-Branche erwarten. Cisco könnte auf der diesjährigen CES ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.
  • Ernstzunehmende Musikhandys mit guter Soundqualität und respektablen Speichergrößen von 1 GB und mehr werden jetzt wirklich Trend - und nicht nur bei den Hyper-Euphorikern in den Werbeabteilungen der Firmen wird das Handy so endlich wirklich zur Alternative zu herkömmlichen MP3-Sticks. Deren Preise purzeln rapide (siehe unten).
  • Mehr mobile Musik- und Videoplayer. Vor allem letztere, für das Sehen von Filmen gedachte, gewinnen an Qualität, während die meisten MP3-Player mit Videofunktionen für Musikvideos etc. versehen werden. Einfache 1-GB-MP3-Player werden zum regelrechten Ramschartikel mit Preisen ab 25 Euro (aktuelle Angebote ab 29 Euro, Tendenz weiter fallend).
  • Zauberwort drahtlos: Mit besseren, schnelleren, auf Stereo aufgebohrten Bluetooth-Standards, WiFi- und Powerlinelösungen (inzwischen bis zu 200 Mbit/s schnell) entfällt die Notwendigkeit zur Multimedia-Vernetzung des Hauses.
  • Den Standard aber wird hier das neue Ultra Wideband UWB setzen, das mit Datendurchsätzen von 480 bis zu 1320 Mbit/s lockt. In diesem Jahr sollten erste Geräte, die den Standard nutzen, auf den Markt kommen. Musik- und Videolösungen für das Heimnetzwerk verlieren so ihren Exotenstatus.
  • Speicherplatz und Speichermedien bleiben ein Thema. Foto-Fetischisten und Freunde von Kleingeräten fiebern schon den kleinen Flashkarten mit bis zu 12 GB entgegen. Punktgenau zur CES haben sich außerdem Hitachi, Seagate, Fujitsu, Samsung und Toshiba zur "Hybrid Storage Alliance" zusammen geschlossen. Sie wollen Disc-Medien mit Flashspeicher kombinieren, um Zugriffsgeschwindigkeiten zu erhöhen. Maßgeblicher Mitentwickler ist Microsoft, die den neuen Medientyp über Vista dezidiert bedienen. Und damit keine Langeweile aufkommt, droht auch hier eine Art Formatkrieg: Intel setzt mit einer eigenen vergleichbaren Technik namens Robson dagegen. Bei Intel ist der Flash-Speicher in den PC integriert, nicht ins Disc-Laufwerk - was den Vorteil hat, dass mehr als eine neue Interface-Karte nicht nötig ist, um die Technik zu integrieren.
  • Apropos Formatkrieg, inzwischen ja fast ein Synonym für den Begriff DVD-Nachfolge: Blu-ray und HD-DVD beharken sich weiter, während die Industrie erste Hybridplayer herausbringt, die beide Standards bedienen. LG Electronics wird einen Player auf der CES zeigen, der beides kann, während Warner den umgekehrten Weg geht: Die (nicht nur) Filmfirma ließ eine Disc entwickeln, die von Playern beider Standards verstanden wird.
  • Apropos Standards: Das Blu-ray-Lager dürfte eine neue Generation Player auf den Markt werfen, die dann auch den HDMI-1.3-Standard bedienen sollten. Die derzeitigen Player dürfte das auf die Resterampe befördern.

Vor allem Sony dürften die letzten beiden Nachrichten einem Wechselbad der Gefühle aussetzen: Im Grunde sind die Hybridansätze für Sonys Blu-ray-Konzept ein Segen, denn bisher hat das HD-DVD-Lager die Nase im Formatstreit klar vorn. Dass dagegen die "alten" Blu-ray-Player - bisher nicht gerade Verkaufsschlager - schon jetzt durch Nachfolgemodelle abgelöst werden müssen, um technisch mithalten zu können, wird schmerzen.

Sony wankt seit Jahren kräftig, konnte sich aber vor allem dank des Verkaufserfolges der PS2 über Wasser halten. Die läuft nun aus, während das teure Nachfolgemodell PS3 zu einem Flopp zu werden droht. Nicht nur Microsofts Xbox 360, sondern auch Nintendos Wii ziehen der PS3 locker davon. Deren Hardwarekonzepte bieten genügend Flexibilität, auf jeder Consumermesse des Jahres Novitäten für oder zur Konsole vorstellen zu können. Ungewöhnlich spannend werden die großen Messen dieses Jahres darum auch sein, weil sich durch die dort zu sehenden Weichenstellungen das Schicksal selbst etablierter Branchengrößen entscheiden könnte.

Die eine Woche laufende CES 2007 öffnet ihre Tore am 7. Januar. Die Veranstalter erwarten rund 150.000 Besucher, von denen es wohl kaum einer schaffen wird, die 2700 Stände der Aussteller alle zu sehen.



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