Billig-Kopie Der Mac-Klon-Macher strauchelt

Drei Umzüge in einer Woche, kauzige Kommunikation und bislang kein einziges ausgeliefertes Gerät: Die Zweifel, ob der Apple-Nachahmer Psystar seine Lowcost-Macs noch lange anbieten wird, mehren sich. Das Unternehmen bekommt von überall Gegenwind, nur nicht von Apple.


Es steht schlecht um den als Open Computer bezeichneten Billig-Mac aus Miami. Die Server des Online-Shops der Herstellerfirma Psystar brechen immer wieder unter der Last der Anfragen zusammen, im Netz mehren sich Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens. Ein Programmierer, der jene Software entwickelt hat, die Psystar braucht, um Apples Betriebssystem auf Standard-PCs installieren zu können, reagiert erbost auf das Treiben der Klon-Macher. Und jetzt hat auch noch Psystars Abrechnungsunternehmen die Zusammenarbeit aufgekündigt.

Psystar habe die Vertragsbedingungen verletzt, sagte eine Sprecherin des Abrechnungsdienstleisters Powerpay gegenüber News.com. Welcher Art diese Vergehen waren, mochte sie allerdings nicht näher erläutern. Es habe allerdings diverse Gründe gegeben, weshalb man die Zusammenarbeit beendet hat. Zudem habe man bei Powerpay erst am Donnerstag erfahren, welche Waren Psystar anbietet. Der Klon-Hersteller musste seinen Webshop daraufhin für einige Stunden schließen, nutzt als Abrechnungsdienstleiter nun PayPal. Doch diese Lösung sei nur vorläufig, heißt es auf der Psystar-Seite, man suche jetzt nach einem anderen Dienstleister, der das große Auftragsvolumen, mit dem sich Psystar konfrontiert sieht, verarbeiten kann.

Ohnehin nutzt die Firma ihre Homepage mittlerweile mehr als Nachrichten- und Rechtfertigungsportal denn als Informationsquelle. So sah man sich offenbar genötigt, eine Begründung für die mittlerweile drei unterschiedlichen Adressen zu liefern, die auf der Webseite binnen vergangener Woche in den Kontaktdaten zu finden waren. Die erste dort eingetragene Anschrift sei schlicht ein Fehler und erst die zweite korrekt gewesen. Nun habe man aber umziehen müssen, weil "Psystar vor dieser vergangenen Woche nicht in der Lage war, der enormen Nachfrage aus der Online-Community gerecht zu werden".

Die Lieferzeit für den als Open Computer bezeichneten Mac-kompatiblen Rechner wurde mittlerweile auf zehn bis zwölf Tage hoch gesetzt. Erfahrungsberichte von Anwendern, die einen solchen Computer bereits geliefert bekommen haben, gibt es bislang allerdings nicht. Auch das trägt zum zweifelhaften Ruf der Firma bei. Schließlich sollte der Pseudo-Mac bereits seit Anfang der Woche lieferbar sein.

Wut beim Freeware-Programmierer

Doch eigentlich müsste Psystar ihr Angebot ohnehin drastisch abändern. Denn das Versprechen, die Rechner mit vorinstalliertem Mac OS X auszuliefern, dürfte für das Unternehmen nur noch schwerlich zu erfüllen sein. Der Grund: Um das Apple-Betriebssystem auf der PC-Hardware laufen lassen zu können, benötigt man eine spezielle Software, den sogenannten Efi-Emulator, der Apples Programmen vorgaukelt, sie würden auf einem echten Mac installiert werden.

Der Autor dieser Software, der sich selbst netkas nennt, zeigt sich wütend darüber, dass Psystar seine Software verwendet, ohne ausdrücklich auf ihn hinzuweisen. Er hat die Lizenzbedingungen seiner Emulatorsoftware geändert. Darin heißt es nun, dass er ausdrücklich jede kommerzielle oder indirekt kommerzielle Nutzung verbietet.

Für Psystar kann das nur heißen, dass künftig nur noch Mac-Klons ohne Mac-Betriebsystem angeboten werden dürfen. Doch davon ist selbst am Freitag noch keine Rede auf der Psystar-Webseite, dabei hat netkas seine neuen Lizenzbedingungen bereits am Mittwoch veröffentlicht - aber das scheint Psystar Geschäftsführer Rudy Pedraza wenig zu stören.

Apple hingegen dürfte das Hickhack um den Klon-Macher gut zupasskommen. Schließlich scheint es im Moment so, dass sich der offenbar etwas unbedarfte Apple-Herausforderer Psystar durch seine dürftige Informationspolitik und sein laienhaftes Geschäftsgebaren selbst ins Abseits manövrieren.

mak



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