Billig-Laptops Die Netbook-Zukunft liebt Linux

Netbooks werden mit Windows XP ausgeliefert - zumindest bisher. Das könnte sich bald ändern. Auf der PC-Messe Computex in Taiwan sind Mini-Notebooks zu sehen, in denen Handy-Chips arbeiten und auf denen Linux-Varianten laufen. Trotzdem könnte Microsoft sich die Zukunfts-Netbooks sichern.

Beim ersten Netbook, dem Asus EeePC 701, sah es noch aus, als ob auf den kleinen leichten Billig-Laptops künftig stets Linux laufen würde. Asus hatte ein Linux-System an den kleinen Bildschirm und den schlappen Prozessor angepasst. Vista darauf zu installieren, wäre unmöglich gewesen, weil Microsofts aktuelles Windows viel zu hohe Anforderungen an die Hardware stellt.

Die Lösung kam in Form eines Oldies: Speziell für die Netbooks hat Microsoft Windows XP, das eigentlich schon lange aus dem Sortiment verschwinden sollte, weiter in seinen Verkaufslisten behalten. Allerdings ausschließlich für Netbooks und unter der Bedingung, dass die Billigrechner bestimmte Maximalwerte nicht übersteigen. Aufgrund dieser Einschränkungen haben Windows-Netbooks nie mehr als ein Gigabyte Arbeitsspeicher und 160 GB Festplattenspeicher.

Hoffnungen, diese Grenzen könnten mit der Einführung von Windows 7 fallen, könnte ein Bericht der Branchen-Web-Seite " Digitimes " zunichtemachen. Demzufolge haben sich Intel und Microsoft darauf verständigt, die Bildschirmgröße für Windows-7-Netbooks auf 10,2 Zoll zu beschränken. Bestätigt ist diese Angabe nicht, beide genannten Unternehmen schweigen zu den Gerüchten.

Ein Smartphone-Chip im Billig-Laptop

Eine Einschränkung auf maximal 10,2 Zoll große Bildschirme könnte es den Herstellern allerdings auch schmackhaft machen, erneut über Alternativen zu Windows nachzudenken. Dass mehrere Hersteller bereits dabei sind, das auf Linux basierende Handy-Betriebssystem Android an die kleinen Rechner anzupassen, ist längst kein Geheimnis mehr. Auf der Computex ist nun aber tatsächlich ein Android-Netbook zu sehen.

Ausgestellt wird es ausgerechnet von Asus, jener Firma, die ihr Netbook-Linux zugunsten von Windows XP wieder einstampfte. Auf einem Netbook, das dem gerade erst vorgestellten EeePC 1008HA frappierend ähnlich sieht, läuft das auch als Google OS bezeichnete Betriebssystem. Was das System noch auszeichnet: In dem Gerät steckt nicht die übliche Intel-Hardware, die sonst alle Netbooks gleichmacht. Stattdessen wird das Android-Netbook von Qualcomms Snapdragon-Chipsatz angetrieben.

Dieselben Chips werkeln auch in Toshibas Smartphone TG01 und sollen in einem als Wistron Pbook bezeichneten Widescreen-Netbook arbeiten. Wenn sie halten, was Qualcomm verspricht - und darauf deuten ersten Videos des Asus Snapdragon-Netbooks hin - dürften sie genau die richtige Mischung aus Multimedialeistung und Stromspartechnik in sich vereinen, die man sich von einem Gegenstück zu Intels Atom-Netbook-Prozessor wünscht.

Ein Hybrid aus Smartphone und Netbook

Vor allem aber kombiniert Qualcomm den Snapdragon-Chipsatz mit Netzwerkfähigkeiten, die bei Netbooks nur selten zu finden sind. Neben W-Lan-Funktionen bieten die Chips auch Bluetooth und vor allem 3G-Funkverbindungen, etwa für UMTS. So soll man damit auch unterwegs und vor allen fernab irgendwelcher Internet-Cafés oder Firmennetze online gehen können.

Qualcomms Senior Vice President Luis Pineda schweben darauf basierend schlanke Geräte vor, die einen ganzen Tag lang mit einer Akkuladung auskommen, einen breiten, hochauflösenden Bildschirm und eine vollwertige Tastatur haben. Als Netbooks möchte er diese Geräte aber nicht verstanden sehen. Vielmehr strebe Qualcomm eine neue Kategorie an, welche die Eigenschaften von Smartphones und Netbooks vereint.

Weil das so schön klingt, hat man sich bei Qualcomm darauf festgelegt, die Geräte als Smartbooks zu bezeichnen. Bei den Herstellern mobiler Gadgets scheint das Konzept gut anzukommen. Immerhin 15 Firmen haben auf der Computex zusammen 30 Snapdragon-Geräte angekündigt. Unter ihnen namhafte Unternehmen wie Acer, Quanta, HTC und Samsung.

Es geht auch ohne Intel

Durchaus ähnliche Pläne hat der Grafikchip-Hersteller Nvidia. Der aber hat sich gleich zwei Standbeine geschaffen, um in den lukrativen Markt für mobile Unterhaltungs- und Kommunikationsgeräte einzusteigen. Das ist zum einen der ION-Chipsatz. Er soll Netbooks und Nettops vor allem zu mehr Grafikleistung verhelfen, Spiele und aufwendige Internet-Anwendungen auf Billigrechnern lauffähig machen. Wie gut das funktioniert, hat bereits der Acer Nettop Aspire Revo im Test von SPIEGEL ONLINE gezeigt.

Auf der Computex wurden rund 20 Geräte auf Ion-Basis gezeigt. Die meisten davon All-in-One-PCs oder Notebooks. Aber während der Ion immer noch einen Atom-Prozessor von Intel benötigt, um zu funktionieren, hat Nvidia mit dem Tegra-Chipsatz auch eine Lösung im Köcher, die ganz ohne Intel-Technologie auskommt.

Eigentlich für Smartphones und sogenannte Mobile Internet Devices (MIDs) konzipiert, soll Tegra auch günstigen Netbooks als Grundlage dienen. Als Prozessoren sollen dann die besonders sparsamen ARM-Chips zum Einsatz kommen. In Kombination mit verschiedenen Software-Anpassungen sollen solche Geräte ihre volle Leistung als Multimedia-Abspieler und Surftabletts ausspielen.

Android braucht noch Zeit

Eine derartige Anpassung, die für den Erfolg als Internet-Maschine enorm wichtig ist, hat Nvidia am Dienstag bekanntgegeben: Gemeinsam mit Adobe will man den Flash-Player, Grundlage vieler Multimedia-Inhalte im Netz, für die Zusammenarbeit mit Nvidia-Chips optimieren - und das gilt auch für den Tegra. Damit sollen auf den eigentlich nicht sonderlich muskelbepackten Chips beispielsweise YouTube-Videos in HD abgespielt werden können.

Nur als Zwischenlösung wird daran gedacht, derartige Mobilrechner mit Windows CE auszustatten. Langfristig favorisiert Nvidia ebenfalls Android. Bis das aber tatsächlich reibungslos auf Netbooks funktioniert, werde noch einige zeit vergehen, so Nvidia-Manager Michael Rayfield gegenüber cNet . das Problem sei, dass Android bislang noch keine Hardware-Beschleunigung durch Nvidia-Chips unterstützt, man damit noch keine Videos in HD-Auflösung abspielen kann.

Bis Android so weit an große Bildschirme und hohe Videoauflösungen angepasst ist, dass Netbooks mit dem Google-Betriebssystem, in den Handel kommen, werde es noch neun bis zwölf Monate dauern, so Rayfield. Bis dahin wird man sich mit anderen Lösungen behelfen müssen.

Windows 7 wird Erster sein

Eine davon könnte Ubuntu Netbook Remix  sein, eine auf Netbooks angepasste Variante des populären Ubuntu-Linux. Eine andere Option deutet sich in Form von Jolicloud  an. Auch das basiert zum Teil auf Ubuntu, zum Teil auf Debian-Linux, soll mit einen fetten Software-Paket geliefert werden, das unter anderem Programme für Google-Mail, Skype, Boxee, Twitter und Facebook enthält.

Vor allem aber soll es dafür optimiert sein, auf kleinen Bildschirmen gut nutzbar und vor allem stets mit dem Internet verbunden zu sein. Damit spielt Tariq Krim, der Kopf hinter Jolicloud, den Hardware-Entwicklern natürlich in die Hände, die ganz ähnliche Ziele verfolgen. Doch genau wie Android ist auch Jolicloud noch weit davon entfernt, fertig zu sein.

Und so scheint sieht es ganz danach aus, dass Microsoft doch wieder die Nase vorn hat. Windows 7 wird von Testern als großer Fortschritt gegenüber Vista gelobt, dürfte in einigen Monaten auf den Markt kommen und erscheint auch in einer Version für Netbooks.

Damit hat Microsoft zumindest einen Fuß in der Tür.

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