Britischer Geheimdienst Agenten-Akquise per Computerspiel

Sind PC-Spieler die besseren Spione? Ein britischer Geheimdienst scheint das zu glauben. Mit Werbetafel in PC-Spielen sollen künftige Mitarbeiter für den Dienst für Königin und Vaterland begeistert werden.


London - Ein britischer Geheimdienst geht jetzt im Cyberspace auf die Suche nach neuen Spionen. Die Behörde GCHQ (Government Communications Headquarters) erklärte, sie versuche über Werbung in Spielen wie "Tom Clancy's Splinter Cell: Double Agent" interessierte und computeraffine junge Menschen zu erreichen. Bei der GCHQ, die sich unter anderem mit Informationsbeschaffung und auch Datenverschlüsselung beschäftigt, arbeiten in der Zentrale in Cheltenham im Westen Englands rund 5000 Menschen.

Werbung im Computerspiel: Der britische Geheimdienst sucht seinen Nachwuchs jetzt im Cyberspace
AP / Massive

Werbung im Computerspiel: Der britische Geheimdienst sucht seinen Nachwuchs jetzt im Cyberspace

Umgesetzt wird die rund einmonatige Werbekampagne von der Personalfirma TMP Worldwide und der vergangenes Jahr von Microsoft übernommenen und auf Werbung in Spielen spezialisierten Firma Massive. Diese verkauft virtuelle Werbeflächen in Computerspielen, die über das Internet gespielt werden.

Die Anzeigen mit der Überschrift "Careers in British Intelligence" (Karriere im britischen Geheimdienst) erscheinen als Reklametafeln in Spielen wie "Splinter Cell", "Need for Speed Carbon" oder "Enemy Territory: Quake Wars", wenn sie in Großbritannien auf Computern oder der Spielkonsole Xbox von Microsoft gespielt werden. Die Kampagne ziele auf versierte Spieler, die empfänglich für neue Formen der Werbung seien, erklärte Kate Clemens von TMP Worldwide.

"Die Welt der Online-Spiele ist eine Möglichkeit für GCHQ, ein unfreiwilliges Publikum zu erreichen", sagte Clemens.

Wie GCHQ haben auch andere britische Geheimdienste wie MI5 oder MI6 in jüngster Zeit begonnen, an ihrem Image zu arbeiten und dabei alte Agentenmythen zu beseitigen. Der Auslandsgeheimdienst MI6 startete 2005 eine Website, auf der er ausdrücklich darauf hinwies, dass seine Arbeit nichts mit "dem Glamour und der Aufregung" der James-Bond-Filme zu tun habe. Das Gegenstück im Inland, der MI5, hat auf seiner Website den Bereich "Mythen und Missverständnisse" eingerichtet, in dem er betont, dass "wir keine Menschen töten oder Attentate arrangieren".

Der MI5 wirbt unter anderem auf Doppeldeckerbussen in London und in Umkleideräumen für Frauen in Sportstudios, um mehr weiblichen Agentennachwuchs zu bekommen. Dadurch sollten die Menschen angeregt werden, allgemeiner über den MI5 als möglichen Arbeitgeber nachzudenken, sagte eine Sprecherin, die namentlich nicht genannt werden wollte. "Wir brauchen alle möglichen Leute, nicht nur solche, die so aussehen, als ob sie gerade von der Militärakademie kommen."

Auch der MI6, lange Zeit eine Hochburg weißer, männlicher Absolventen von Oxford oder Cambridge, hebt nun hervor, dass er Menschen aus den verschiedensten Bereichen brauche. In einer Zeitungsanzeige warb er jüngst um Computer-Administratoren mit dem Slogan: "Protect your country. At your desk" (Schütze Dein Land. An Deinem Schreibtisch).

Jill Lawless/AP



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