Computerspiel-Kunst Terror aus den Wolken

Zwei Türme stehen in Flammen, vom Himmel herab stürzen sich Angreifer auf ein Symbol der westlichen Welt. Künstler Douglas Edric Stanley hat in einer Installation "Space Invaders" mit dem 11. September verknüpft - und in den USA einen kleinen Kunstskandal entfacht.

Als sich am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in das World Trade Center stürzen, arbeitet der franko-amerikanische Künstler Douglas Edric Stanley gerade daran, mit einigen Kunststudenten alte Arcade-Spiele neu zu arrangieren.

"Die Aufnahmen von Angreifern, die aus dem Himmel fallen und Gebäude zerbomben, brannten sich in meinen Kopf", sagt Stanley heute – damals inspiriert ihn der Schrecken dazu, eine neue Version von "Space Invaders" zu programmieren: eine Variante, in deren Hintergrund die Umrisse von zwei Türmen projiziert werden und der Spieler mit seinem Körper ein Lasergeschütz am Boden steuert.

Foto: GEE

Sieben Jahre lang wird Stanleys künstlerische Auseinandersetzung mit den Anschlägen in immer neuen Versionen in Europa ausgestellt. Für die Retrospektive "Space Invaders. From Outer Space" im Rahmen der diesjährigen Games Convention überarbeitet er sein Werk ein weiteres Mal: "Die Leipziger Variante sollte so weit wie möglich gehen und in 8-Bit symbolisch nachstellen, was am 11. September geschah", erklärt Stanley die ausgestellte Version, in der das Alien-Mutterschiff genau an jener Stelle die Türme trifft, an der auch die Flugzeuge einschlugen.

Erst jetzt wird "Invaders!" auch in den USA bekannt, und Berichte in amerikanische Medien entfachen einen Skandal: In Internetforen schlägt ihm offener Hass entgegen, und selbst Spielezeitschriften und Spieler werfen ihm vor, geschmacklos an ein Tabu zu rühren und aus Publicitygründen die Gefühle der Angehörigen zu verletzen.

Gerade von dieser Reaktion ist Stanley bis heute enttäuscht: "Ich war als Künstler daran interessiert, einen bildlichen Zugang zu einem extrem brutalen Akt zu schaffen, der von Beginn an eine spezifisch amerikanische Ikonografie und Metaphorik in sich trug", sagt er.

Die Terroristen selbst haben seiner Meinung nach die Bildsprache Hollywoods benutzt und bei den Anschlägen rekonstruiert. "Ich hatte angenommen, wenn ich zu einer 8-Bit-Repräsentation in einem unschuldigen Medium zurückkehre, würde das eine bildliche Distanz zu dem Ereignis schaffen, ohne die eine Auseinandersetzung nicht möglich ist", sagt Stanley, "unglücklicherweise lag ich da falsch."

Die Installation schaltet der Künstler während der Ausstellung aufgrund des Medienechos ab. Die Kontroverse habe ihn zwar Kraft gekostet, meint Stanley. Künftige Kunstprojekte zahmer zu gestalten, um Konflikten auszuweichen komme für ihn aber nicht infrage.

Game-Künstler: Douglas Edric Stanley schockt Spieler

Game-Künstler: Douglas Edric Stanley schockt Spieler

Foto: GEE

Douglas Edric Stanley  wuchs im Silicon Valley auf, dem Herzen der amerikanischen Chip-Industrie. In den vergangenen zehn Jahren arbeitete er als Künstler in Paris und unterhält eine Professur an der Kunstschule von Aix-en-Provence.

In seinem "Atelier Hypermédia" beschäftigt sich Stanley mit der Erforschung von Algorithmen und Code als künstlerische Materialien. Gemeinsam mit weiteren Künstlern betreibt er das Netzwerk "Eniarof", dessen Mitglieder Festivals organisieren und an gemeinsamen Projekten arbeiten.

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