DVD-Filmbeileger Bombenalarm im Gespensterwald

Mitten im Feriensommer erfrischt ein zwar kleines, aber überraschend ausgesuchtes Beileger-Programm die daheimgebliebenen Kinofans mit starken Bären, sensiblen Geistersehern und supercoolen Bombenentschärfern.


Computer Bild

"Der Bär", F/USA 1988. Regie: Jean-Jacques Annaud. Darsteller: Tchéky Karyo, Jack Wallace. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 6 Jahre. Preis: 3,50 Euro

Das verwaiste Bärenjunge Youk und sein großer Artgenosse Kaar leben Anfang des 19. Jahrhunderts ihr ebenso dramatisches wie ereignisreiches Bärenleben in den Bergen Kanadas. Doch eines Tages machen sie Bekanntschaft mit den Trappern Tom (Tchéky Karyo) und Bill (Jack Wallace), die sich Youk schnappen und Kaar an den Pelz wollen. Doch so einfach kommen sie nicht davon, und ein wilder und blutigen Kampf beginnt, in dem jeder versucht, seine Stärken auszuspielen.

Mit ihrem abenteuerlichen Tierfilm zeigt die "Computer Bild" auf eine klaffende Lücke im Reigen der DVD-Beileger, denn aus diesem Genre gab es bisher nichts zu sehen. Kein Wunder, reißen solche Streifen ja nicht gerade die Massen vom Hocker. Wer jedoch das Repertoire des Regisseurs kennt, kann sich auf großes Kino freuen: Neben seinem Händchen bei berühmten Titeln wie "Der Name der Rose" oder "Enemy at the Gates" hat Jean-Jaques Annaud sich immer auch auf kunstvolle Verknüpfungen von Naturerlebnis und Abenteuer verstanden. Zuletzt konnte man das im Jahr 2004 bewundern, als er in "Zwei Brüder" das Schicksal junger Tiger verfolgte.

Mit "Der Bär" landete Annaud 1988 einen gleich mehrfach preisgekrönten Erfolg, obwohl der Plot eher dürftig wirkt. Doch es geht um das "Wie", denn angeregt durch James Oliver Curwoods Roman "The Grizzly King" versuchte Annaud, über weiter Strecken dialogfrei die Erfahrungswelt der Tiere in den Mittelpunkt zu stellen. Der damals elfjährige Kodiak-Bär "Bart" und gleich mehrere Bärenjunge unterstützten ihn dabei wirklich beeindruckend. Auch in den Folgejahren verschaffte dieses Können dem 2,9 Meter großen Bart immer wieder ein paar bärenstarke Rollen an der Seite so illustrer "Kollegen" wie Alec Baldwin, Anthony Hopkins oder Brad Pitt. Letzteren durfte er zum Showdown von "Legenden der Leidenschaft" 1994 sogar einmal auffressen.

Seit dem 09.07. im Handel, nächste Ausgabe am 23.07 .

Homevision

"The Sixth Sense ", USA 1999. Regie: M. Night Shyamalan. Darsteller: Bruce Willis, Haley Joel Osment. Format: 1.85:1 (16:9). FSK: 12 Jahre. Preis: 4,90 Euro

Wenn Psychologen von Bruce Willis gespielt werden, kann das nicht lange gut gehen, und deshalb wird der Kinderpsychologe Malcolm Crowe auch nach ein paar Minuten von einem enttäuschten Altkunden niedergeknallt. Seelisch nun selbst schwer angeschlagen, traut er sich erst wieder an seine Arbeit, nachdem ihm der kleine Sonderling Cole Sear (Haley Joel Osment) anvertraut worden ist. Doch als der Junge schließlich sein Geheimnis preisgibt, ahnt Malcolm nicht, dass er auf schreckliche Weise ein Teil davon ist.

Was für den großen Bruce als Seitensprung neben seinem üblichen Action-Gerangel begann, endete in einem von Preisnominierungen überhäuften Mystery-Drama, das 600 Millionen Dollar einspielte - und damit sein erfolgreichster Film überhaupt wurde, denn 100 Millionen davon konnte er aufgrund glücklicher Verträge persönlich einstreichen. Ein hübsches Beispiel, dass auch alte Hüte viel hermachen können, denn der Plot ist eine alte Kamelle, basiert er doch auf der 1890 entstandenen Erzählung "Ein Vorfall an der Owl-Creek-Brücke" von Ambrose Bierce. Bereits 1962 im "Tanz der toten Seelen" kunstvoll verfilmt, steckt darin immer noch erhebliches Potential, das Regisseur Shyamalan wohl in genau der richtigen Dosis zur richtigen Zeit und mit den richtigen Darstellern für den Kinomarkt rauskramte. Ebenfalls recht erfolgreich war Alejandro Amenábar mit seiner Verfilmung des Stoffes in "The Others" im Jahr 2001, obwohl Hauptdarstellerin Nicole Kidmann dabei "nur" 7 Million Dollar erhielt.

Die Beileger-Ausgaben dieses Blockbusters im Dezember 2004 (mit einem Kasten Pils) und im Januar 2005 ("AudioVideoFoto Bild") glänzten übrigens noch mit der englischen neben der deutschen Tonspur – darauf muss man jetzt leider wie gewohnt verzichten.

Ist seit dem 13.07. im Handel, nächste Ausgabe am 10.08.

PCgo und PC Magazin

"The Sixth Sense ", USA 1999. Regie: M. Night Shyamalan. Darsteller: Bruce Willis, Haley Joel Osment. Format: 1.85:1 (16:9). FSK: 12 Jahre und "U-Boote – Lautlose Jäger". Discovery Geschichte Nr. 10 (nur PCgo), Preis: 6,99 Euro

In noch nie gesehener Eintracht präsentiert der WEKA-Verlag in diesem Monat auf jedem seiner drei DVD-Beileger den gleichen Kinofilm. Alle jetzt vielleicht enttäuschten Filmfans können wir einstweilen beruhigen, denn auf Nachfrage wurde uns versichert, dass dies wohl "eine einmalige Aktion" bleiben wird. Zumindest die Leser der "PCgo" werden auch wieder mit einer der nett gemachten Edutainment-Dokus aus der Discovery-Reihe gelockt, die dort regelmäßig als zweiter Film mit auf der Scheibe liegen.

Ist seit dem 06.07. im Handel, nächste Ausgabe am 03.08.

TV Movie

"Final Cut – Tödliches Risiko", CDN 1995. Regie: Roger Christian. Darsteller: Sam Elliott, Charles Martin Smith. FSK: 16 Jahre. Format: 1.78:1 (16:9). Preis: 3,30 Euro

Nachdem die "Widescreen" vor zwei Wochen bereits einen "tödlichen Auftrag" erteilt hat, lässt sich die "TV Movie" nicht lumpen und geht nun ein "tödliches Risiko" ein. Ganz so schlimm wird es aber schon nicht werden, denn der Thriller funktioniert nach bewährtem Muster: Genialer Bombenbastler muss von ebenso genialem Bombenentschärfer besiegt werden. Der "Final Cut" aus dem Titel besagt hier natürlich die in diesem Zusammenhang immer wieder gerne gestellte Frage: "Welches Kabel soll's denn sein?" Leider kneifen die Jungs vom Bombenkommando erst mal kräftig daneben, allerhand Zeug fliegt durch die Gegend, Gebäude stürzen ein, Menschen werden übel zugerichtet und die Panik in der Stadt wächst mit jedem Knall. Doch der coole John Pierce, dargestellt vom ewig unrasierten Nebenrollen-Star Sam Elliott, hat als Ex-Cop ein Buch über Bomben geschrieben und soll jetzt endlich zeigen, wie gut er in sein Thema eingearbeitet ist. So lernen wir einige echt trickreiche Konstruktionen kennen, die nur noch von einer menschlichen Bombe zum Showdown getoppt werden und für 96 Minuten geistfreier, aber dafür kristallklarer Spannung sorgen.

Seit dem am 13.07. im Handel, nächste Ausgabe am 27.07.



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Seite 1
christian simons 14.06.2005
1.
Der größte Segen der DVD besteht für mich nicht in der oft brillianten Bild und Tonqualität, den vielen Extras und den sorgfältig restaurierten, originalgetreuen Fassungen der Filme. Nein, es ist die Sprachauswahl die mich immer wieder beglückt. Vor ca. zehn Jahren mußte ich noch, um Filme im Original geniessen zu können, ins sechzig Kilometer entfernte Landstuhl fahren, auf halblegalen Wegen britisches Pay-TV ordern oder überteuerte Videos aus dem Ausland importieren. Die einzigen Haare in der Suppe sind für mich nur noch deutsche DVD-Editionen, wie zB "Magnolia" und "Pulp Fiction", bei denen man die Zwangsuntertitelung nicht ausschalten kann. Dazu noch ein Videobeamer und eine Dolby Surround-Anlage, die heutzutage auch nicht mehr die Welt kosten, und man kommt dem Kino-Erlebnis zu Hause sehr sehr nahe. Ich meine, die Filmtheater haben Grund sich Sorgen zu machen. BTW, Meine DVDs (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/Garak)
prefec2 14.06.2005
2. Das Kino?
Die sogenannten großen Blockbuster sollen nun also auch zeitgleich auf DVD und im Fernsehen zu haben sein. Das soll (mal wieder) das Ende des Kinos sein. Ich denke das wird (wieder) nicht eintreten. Un das hat ganz einfache Gründe. 1. Es gibt Filme, die egal wie gross die Leinwand ist, zuhause nicht gut rüberkommen. Das hat auch nichts mit dem Sound in 5D-Quattro Surround Dolby Qäck zu tun. Es geht hier um Atmosphäre. 2. Das Autorenkino oder andere schöne Kleinode werden auch weiterhin vom Publikum im Kino bevorzugt. Nur eine Sorte von Kino wird in Zukunft seine Schwierigkeiten haben. Das sind diese Cinemaxx-/Mutliplex-Volx-Kinos, welche Hollywood Weichware an die Wand werfen, welche Handlungsfrei ist. Dieser Personenkreis ist sowieso in "Geiz ist Geil"- und "konsumieren noch viel geiler"-Stimmung. Die werden dann lieber "Zapp das Monster 5" oder "Batman 500" zuhause ansehen, wo die Cola nur 50 cent kostet und das Popcorn aus der Microwelle kommt. Man könnte es auch einfach so sagen. Konsumkino hat mit dieser neuen Vertiebsform seine Probleme. Ein ordentliches Progammkino indes nicht. Oder noch drastischer. Unterschichtenkino wird darunter leiden.
DJ Doena 14.06.2005
3.
---Zitat von christian simons--- Meine DVDs (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/Garak) ---Zitatende--- Mist, deiner is länger wie meiner (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/DJ%20Doena) Bei mir sind es mehrere Gründe: O-Ton ist einer, die Soundqualität ein anderer, neulich bei Star Wars 3 wieder Quatscher im Publikum gehabt und die Boxen haben gedröhnt. Ausserdem kostet ein Kinobesuch in Offenbach 11€ (7,50€ Karte, 3,30€ Fahrkarte), nach 3 Monaten bekommt man die DVD für 15€. Zu empfehlen ist auch dieser Thread hier: http://www.areadvd.de/vb/showthread.php?s=&goto=lastpost&threadid=22637 Ausserdem bekomme ich auf DVD das zu sehen, was im Kino fehlt, z.B. bei der Herr der Ringe SEE, die je Film(!) 35 bis 50 Minuten länger ist, als die Kinofassung
christian simons 14.06.2005
4.
---Zitat von DJ Doena--- Mist, deiner is länger wie meiner (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/DJ%20Doena) ---Zitatende--- Das scheint nach oberflächlicher Durchsicht daran zu liegen, dass es für mich auch schon vor 1980 gute Filme gegeben hat. *evil grin*
DJ Doena 14.06.2005
5.
---Zitat von christian simons--- Das scheint nach oberflächlicher Durchsicht daran zu liegen, dass es für mich auch schon vor 1980 gute Filme gegeben hat. *evil grin* ---Zitatende--- Vor 1980 gab es Filme?! *bauklötze staun*
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