DVD-Filmbeileger Drogen, Diebe und Geheimagenten

Auch wenn das Programm der DVD-Beileger zum Monatsende eher klein ausfällt, finden sich darunter wieder kleine Film-Schätze. Die Helden sind diesmal: Dänische Drogendealer, trottelige Bankräuber und eiskalte Spione.


Computer Bild

"Unforgettable", USA 1996. Regie: John Dahl. Darsteller: Ray Liotta, Linda Fiorentino. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre (gekürzt). Preis: 3,50 Euro

Nachdem der Pathologe Dr. Dave Krane (Ray Liotta) nur äußerst knapp vom Mord an seiner Frau freigesprochen wird, traut ihm keiner mehr über den Weg. Was liegt da näher, als in einem kruden Experiment alles zu riskieren, um an die letzten Erinnerungen seiner toten Gattin zu kommen und damit schließlich den Mörder zu finden. Doch die dafür nötige Wunderdroge der Biologin Martha Briggs (Linda Fiorentino) macht nicht nur süchtig, sondern hat auch extrem unangenehme Nebenwirkungen.

Mit einer Mischung aus Mystery, Thriller und Science-Fiction produzierte Metro-Goldwyn-Mayer diesen recht ordentlich besetzten Film als typisches Gewächs der neunziger Jahre – und floppte damit an den Kinokassen. Dabei könnte der Plot sogar Fans von Marvel-Comics anlocken, bliebe er nicht auf halbem Weg stecken, wenn Dr. Krane statt zum tragischen Superhelden schlicht zum Erinnerungs-Junkie mutiert. Ray Liotta, den wir hier jüngst noch als psychopathischen Cop in "Fatale Begierde" sahen, zeigt trotz allem, dass er Rollen spielen kann. Er die 106 Minuten der jugendfreien Version quasi im Alleingang. Und weil John Dahl sein Handwerk beherrscht, bleibt unterm Strich ein unterhaltsamer Thriller mit psychedelischem Touch auf gehobenem TV-Niveau: kann man sich anschauen, muss man aber nicht.

Seit dem 16.04. im Handel, nächste Ausgabe am 30.04.

DVD Magazin

"Pusher", DK 1996. Regie: Nicola Winding Refn. Darsteller: Kim Bodnia, Mads Mikkelsen. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,30 Euro.

Zwei kleine Drogendealer träumen in Kopenhagen vom großen Deal. Und dann versuchen der Held Frank (Kim Bodnia) und sein unangenehmer Partner Tonny (Mads Mikkelsen) sich an solch einem Geschäft. Aber alles läuft schief. Frank hat plötzlich gigantische Schulden bei seinem Großhändler und rutscht mit ein wenig Pech, aber auch viel eigener Blödheit immer tiefer in eine ausweglose Situation hinein.

Lakonisch, hart und fast dokumentarisch führt die Kamera uns durch eine Geschichte, die so oder so ähnlich in jeder größeren europäischen Stadt passieren könnte. Trotzdem fesselt sie bis zum Ende, das eigentlich überhaupt keins ist, denn 2004 und 2005 folgten noch zwei weitere "Pusher"-Filme. Kim Bodnia, auch bekannt aus schrägen dänischen Krimis wie "In China essen sie Hunde" oder "Nachtwache", erweist sich als Top-Besetzung des äußerlich scheinbar ungerührten, innerlich aber längst verzweifelten Dealers Frank, der einfach nicht glauben kann, was ihm da zustößt. An seiner Seite zeigt der mittlerweile recht erfolgreiche Mads Mikkelsen ("Casino Royale") in seiner ersten, großen Rolle, wieso er zum dänischen Exportschlager wurde. Ein echter Leckerbissen also für Fans bitterböser Reality-Krimis, zumal der Film hierzulande nie im Kino zu sehen war und synchronisiert erst 2005 auf DVD erschien.

Wem das noch nicht reicht, der kann sich anschließend noch mit zwei Episoden der TV-Serie "24" , die ebenfalls auf der DVD zu finden sind, den restlichen Abend um die Ohren hauen – wir machen hierfür natürlich in unserer internen Beileger-Statistik wieder einen Strich bei Kiefer Sutherland.

Seit dem 19.04 im Handel, nächste Ausgabe am 30.05.

SFT

"You're fired ",USA 2004. Regie: Mitch Rouse. Darsteller: Matt Dillon, Steve Zahn. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre.
und
"Net Games - Tödliches Spiel", USA 2003. Regie: Andrew Van Slee. Darsteller: C. Thomas Howell, Lala Sloatman. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,50 Euro.

Wie schon mit der letzten Ausgabe legt der Computec-Verlag der "SFT" auch diesmal wieder neben einem Filmbeileger der aktuellen "Widescreen" noch ein weiteres Werk aus seinem Beileger-Repertoire der vergangenen Monate bei: Hinter "You're fired" verbirgt sich eine lockere Krimikomödie um den Bankier David (Matt Dillon), der sein bis dahin perfektes Leben in kürzester Zeit dummdreist zerdeppert - nur sein Kumpel Jack (Steve Zahn) scheint ihm die Stange zu halten, doch dessen seltsame, therapeutische Ideen machen die Sache nur noch schlimmer. Heraus kommt ein entspannendes Alternativprogramm zu den Titeln der Konkurrenz, das man übrigens unbedingt inklusive des Abspanns genießen sollte: erst dort werden nämlich einige Handlungssprünge aus dem Film aufgeklärt.

Erscheint am 25.04. im Handel.

Super Illu

"For Eyes Only – Streng geheim", DDR 1963. Regie: János Veiczi. Darsteller: Alfred Müller, Martin Flörchinger. Format: 1,78:1 (16:1). FSK: 6. Preis 2,99 Euro

Nein, das hier ist nicht der fast gleichnamige James Bond "For Your Eyes Only" von 1981, sondern ein waschechter DDR-Agentenfilm aus der Zeit des Kalten Krieges, in dem jedoch alles genau anders herum funktioniert als in vergleichbaren Filmen aus dem Westen: Im Auftrag der Stasi arbeitet der schnittige Spion Hansen (Alfred Müller) in Westdeutschland sehr erfolgreich als Doppelagent bei einer Würzburger Tarnfirma des CIA. Dort soll er geheime Pläne zu einer Eroberung der DDR klauen, um die Weltöffentlichkeit über diese hinterhältigen Absichten der Amerikaner aufzuklären. Obwohl die etwas tumben CIA-Leute Verdacht schöpfen, kann Hansen seinen Auftrag lange Zeit geheim halten, muss aber gleichzeitig so manches Abenteuer meistern, um zum Ziel zu kommen.

Kurz nach Mauerbau (1961) und Kubakrise (1962) wird Westdeutschland hier natürlich systemkonform als dekadente, fehlgeleitete Gesellschaft vorgeführt, die von imperialistischen Amerikanern nur als Spielwiese benutzt wird. Heute gilt "For Eyes Only" deshalb als ein perfektes Beispiel ostdeutscher Kino-Propaganda während des Kalten Krieges, damals gehörte der Film mit über neun Millionen Zuschauern zu den kommerziell erfolgreichsten Spionagekrimis der DDR und machte Alfred Müller über Nacht zu einem Star. Ähnlich wie bei westdeutscher Propagandaware aus dieser Zeit zerreißt die Handlung heute wahrlich keine Nerven mehr, gut unterhalten wird man jedoch allemal – schon allein durch die ungewohnte Perspektive auf die Welt der sechziger Jahre mit ihren scheinbar so glasklaren, ideologischen Feindbildern.

Vom 03.05. bis 09.05. im Handel.

TV Movie

"Das Kartell", USA 1994. Regie: Phillip Noyce. Darsteller: Harrison Ford, William Dfoe. FSK: 12 Jahre. Format: 2,35:1 (16:9). Preis: 3,30 Euro

Kaum ist "Jagd auf Roter Oktober" aus dem Beileger-Programm verschwunden, kehrt der CIA-Agent Jack Ryan wieder auf die Mattscheibe zurück. In einem weiteren Politthriller wird diesmal Tom Clancys Roman "Der Schattenkrieg" packend und actionreich verfilmt, woran vor allem Harrison Ford in der Hauptrolle einen beträchtlichen Anteil hat. Ohne je vom Pfad der Tugend zu weichen zieht er als stellvertretender CIA-Direktor Jack Ryan seine Ermittlungen über einen politisch brisanten Mord an einem Freund des US-Präsidenten durch und stößt dabei auf üble Verwicklungen mit dem kolumbianischen Drogenkartell. Doch während er noch tapfer versucht, auf saubere Art Licht in das Dunkel zu bringen, läuft hinter seinem Rücken längst ein dreckiger, geheimer Krieg seiner Regierung gegen die mutmaßlichen Mörder, in den auch er bald hinein gezogen wird.

Die Moral von der Geschichte ist bekannt: Am Ende siegt das amerikanische Rechtssystem mit Hilfe seines unerschütterlichen Dieners über vermeintlich wirkungsvollere, aber eben auch korrupte und skrupellose Polit-Strategen. Das ist immer wieder putzig anzuschauen, kommt aber selten so spannend und dynamisch rüber, wie in dieser dritten Clancy-Verfilmung. Das fand auch das US-Publikum und machte den Streifen 1994 an der Kasse zu einem der erfolgreichsten Kinostarts des Jahres, während sich in Deutschland "nur" etwa 950.000 vor die Leinwand locken ließen. Wer damals nicht dabei war und auch die zahlreichen TV-Ausstrahlungen seitdem verpasste, kann jetzt getrost zugreifen.

Seit dem 20.04. im Handel, nächste Ausgabe am 05.05.



insgesamt 431 Beiträge
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Seite 1
christian simons 14.06.2005
1.
Der größte Segen der DVD besteht für mich nicht in der oft brillianten Bild und Tonqualität, den vielen Extras und den sorgfältig restaurierten, originalgetreuen Fassungen der Filme. Nein, es ist die Sprachauswahl die mich immer wieder beglückt. Vor ca. zehn Jahren mußte ich noch, um Filme im Original geniessen zu können, ins sechzig Kilometer entfernte Landstuhl fahren, auf halblegalen Wegen britisches Pay-TV ordern oder überteuerte Videos aus dem Ausland importieren. Die einzigen Haare in der Suppe sind für mich nur noch deutsche DVD-Editionen, wie zB "Magnolia" und "Pulp Fiction", bei denen man die Zwangsuntertitelung nicht ausschalten kann. Dazu noch ein Videobeamer und eine Dolby Surround-Anlage, die heutzutage auch nicht mehr die Welt kosten, und man kommt dem Kino-Erlebnis zu Hause sehr sehr nahe. Ich meine, die Filmtheater haben Grund sich Sorgen zu machen. BTW, Meine DVDs (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/Garak)
prefec2 14.06.2005
2. Das Kino?
Die sogenannten großen Blockbuster sollen nun also auch zeitgleich auf DVD und im Fernsehen zu haben sein. Das soll (mal wieder) das Ende des Kinos sein. Ich denke das wird (wieder) nicht eintreten. Un das hat ganz einfache Gründe. 1. Es gibt Filme, die egal wie gross die Leinwand ist, zuhause nicht gut rüberkommen. Das hat auch nichts mit dem Sound in 5D-Quattro Surround Dolby Qäck zu tun. Es geht hier um Atmosphäre. 2. Das Autorenkino oder andere schöne Kleinode werden auch weiterhin vom Publikum im Kino bevorzugt. Nur eine Sorte von Kino wird in Zukunft seine Schwierigkeiten haben. Das sind diese Cinemaxx-/Mutliplex-Volx-Kinos, welche Hollywood Weichware an die Wand werfen, welche Handlungsfrei ist. Dieser Personenkreis ist sowieso in "Geiz ist Geil"- und "konsumieren noch viel geiler"-Stimmung. Die werden dann lieber "Zapp das Monster 5" oder "Batman 500" zuhause ansehen, wo die Cola nur 50 cent kostet und das Popcorn aus der Microwelle kommt. Man könnte es auch einfach so sagen. Konsumkino hat mit dieser neuen Vertiebsform seine Probleme. Ein ordentliches Progammkino indes nicht. Oder noch drastischer. Unterschichtenkino wird darunter leiden.
DJ Doena 14.06.2005
3.
---Zitat von christian simons--- Meine DVDs (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/Garak) ---Zitatende--- Mist, deiner is länger wie meiner (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/DJ%20Doena) Bei mir sind es mehrere Gründe: O-Ton ist einer, die Soundqualität ein anderer, neulich bei Star Wars 3 wieder Quatscher im Publikum gehabt und die Boxen haben gedröhnt. Ausserdem kostet ein Kinobesuch in Offenbach 11€ (7,50€ Karte, 3,30€ Fahrkarte), nach 3 Monaten bekommt man die DVD für 15€. Zu empfehlen ist auch dieser Thread hier: http://www.areadvd.de/vb/showthread.php?s=&goto=lastpost&threadid=22637 Ausserdem bekomme ich auf DVD das zu sehen, was im Kino fehlt, z.B. bei der Herr der Ringe SEE, die je Film(!) 35 bis 50 Minuten länger ist, als die Kinofassung
christian simons 14.06.2005
4.
---Zitat von DJ Doena--- Mist, deiner is länger wie meiner (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/DJ%20Doena) ---Zitatende--- Das scheint nach oberflächlicher Durchsicht daran zu liegen, dass es für mich auch schon vor 1980 gute Filme gegeben hat. *evil grin*
DJ Doena 14.06.2005
5.
---Zitat von christian simons--- Das scheint nach oberflächlicher Durchsicht daran zu liegen, dass es für mich auch schon vor 1980 gute Filme gegeben hat. *evil grin* ---Zitatende--- Vor 1980 gab es Filme?! *bauklötze staun*
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