DVD-Filmbeileger Grenzdebile Urlauber gegen sukkubische Dämonen

Kurz vor Beginn der Ferienzeit darf vor der Mattscheibe wieder ordentlich gelacht werden, denn die aktuellen DVD-Beileger bieten viel schwarzen Humor und nackten Klamauk. Daneben geben sich aber auch Mafiagangster, Psychopathen und rothaarige Dämonen die Ehre.


Computer Bild

"Wasabi - Ein Bulle in Japan", F/JP 2001. Regie: Gérard Krawczyk. Darsteller: Jean Reno, Ryoko Hirosue. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,50 Euro

Jeder Gauner fürchtet sich vor Kommissar Fiorentini (Jean Reno), doch im Präsidium können sie seine rüden Methoden langsam nicht mehr ertragen. Dabei liegt alles nur daran, dass er seit 19 Jahren einer großen, japanischen Liebe nachtrauert. Doch als er damit gerade aufhören will, soll er das millionenschwere Erbe seiner Verflossenen antreten, die plötzlich gestorben ist. Leider hängt daran auch eine bisher unbekannte, dafür umso schrillere Tochter (Ryoko Hirosue) und ein paar üble Typen der japanischen Mafia. Eine perfekte Rolle für Jean Renos Komikerkünste, was kein Wunder ist, denn sein Kumpel Luc Besson ("Leon, der Profi") zog als Drehbuchautor im Hintergrund entscheidende Fäden, während Gérard Krawczyk ("Taxi Taxi") das Ganze in ein flockig-poppiges Actionmärchen verwandelte.

Seit dem 11.06. im Handel, nächste Ausgabe am 25.06.

DVD Magazin

"Oh Marbella", E 2003. Regie: Piers Ashworth. Darsteller: Rik Mayall, Tom Bell. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 12 Jahre. Preis: 3,30 Euro

Ähnlich wie im letzten Monat haut das "DVD-Magazin" auch diesmal wieder tief in die Komödienkerbe. Im der auch hierzulande sattsam bekannten südspanischen Bettenhochburg Marbella gibt sich eine feine Auswahl britischer Touristen ein bizarr humoriges Stelldichein in vier miteinander verwobenen Episoden. Während zwei Pärchen ungewollt mitten im Nudistencamp oder in den Fängen des Immobilienmaklers Greg (Rik Mayall) landen, muss sich der tatterige Profikiller Ronnie (Tom Bell) von seinem letzten Opfer ins Krankenhaus bringen lassen und die Veganerin Sophie ein Zicklein vor dem Grill retten. Heraus kommt eine etwas alberne, aber knackig inszenierte "Britcom", mit der man sich prima auf den eigenen Pauschalurlaub an den Sonnenküsten dieser Welt einstimmen kann.

Für seine mit zwei Million Dollar budgetierte Independent-Produktion hatte der TV-Regisseur Piers Ashworth eine quirlige Schar engagierter Darsteller zusammengetrommelt, unter ihnen der besonders in England mit den TV-Shows "The Young Ones" und "Bottom" bekannt gewordene Komikstar Rik Mayall. Die Dreharbeiten an den Originalschauplätzen haben dem Team wahrscheinlich die beste Inspiration gegeben, denn Kritiker bescheinigen dem Film durchweg, zwar etwas klamaukhaft, aber dennoch sehr nah an das grenzdebile Urlaubsleben Marbellas herangekommen zu sein.

Erscheint am 28.06. im Handel.

Homevision

"Five Corners – Pinguine in der Bronx ", GB/USA 1987. Regie: Tony Bill. Darsteller: Jodie Foster, John Turturro. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 4,90 Euro

Nach so viel Humor wird es mit der "Homevision" ernster. Gewürzt mit bizarr-humorigen Momenten geht es hier um grundernstes Gewaltthema: Im Mittelpunkt steht Linda (Jodie Foster), die vor Jahren von Heinz (John Turturro) fast vergewaltigt worden ist. Jetzt ist Heinz aus dem Gefängnis entlassen und Linda sucht verängstigt erneut Hilfe bei dem Mann, der sie einst vor ihm gerettet hat. Doch Harry (Tim Robbins) hat jeglicher Gewalt abgeschworen. Es kommt zu einer bösen Begegnung mit dem durchgeknallten Heinz, bei der übrigens zwei Pinguine eine blutige Rolle spielen. Bis das soweit ist, begleiten wir unsere Helden eine ganze Weile durch die Bronx von 1964, einem kunterbunten Mix merkwürdiger Gestalten, die ebenso merkwürdige Dinge tun. Irgendwann wird Linda dann von Heinz entführt und es wird noch einmal richtig spannend.

Trotz der namhaften Crew schafft der Film es nicht, richtig in die Gänge zu kommen, weil zu viele tolle Szenen zu wenig mit der Story zu tun haben. Regisseur Tony Bill ("Flyboys") konnte sich vielleicht nicht zwischen einer Sozialstudie und einem Thriller entscheiden. Trotzdem bleibt am Ende ein abseitiger, interessanter Streifen, der ohne seine britisch-skurrilen Elemente nur halb so viel Wert wäre. Dahinter steckt die Firma "Handmade Films" von Ex-Beatle George Harrison, einst kurzfristig zur Unterstützung der Monty-Python-Truppe gegründet, als sie bei der Produktion von "Das Leben des Brian" in Geldnot geriet. Anschließend produzierte man einfach weiter und brachte dabei so manches Meisterwerk auf den Weg. "Five Corners" gehört allerdings nicht unbedingt dazu.

Seit dem 08.06. im Handel, nächste Ausgabe am 13.07.

TV Movie

"Third Wave – Die Verschwörung", GB/S 2003. Regie: Anders Nilsson. Darsteller: Jacob Eklund, Irina Björklund. FSK: 12 Jahre. Format: 2,35:1 (16:9). Preis: 3,30 Euro

Mit komödiantischen Elementen hat der skandinavische Wirtschaftskrimi "Third Wave" wenig am Hut, auch wenn hier erneut britische Produzenten mitgemischt haben. In diesem dritten Teil aus der Trilogie um den schwedischen Polizeiagenten Johan Falk sehen wir wieder Jacob Eklund in der Hauptrolle. Nach frustrierenden Misserfolgen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen hat Johan sich verbittert zurückgezogen, steht aber plötzlich wieder mitten im Geschehen, als sein ehemaliger Chef Sellberg während eines Treffens mit der Kronzeugin Rebecca (Irina Björklund) erschossen wird. Die junge Dame ist nämlich dahinter gekommen, wie die Mafia die internationale Finanzwelt infiltriert und kann dem Attentat nur knapp entkommen.

Aus der Theorie Sellbergs, nach der die Verbrecher sich in einer "dritte Welle" der Expansion Wirtschaftsunternehmen unter den Nagel reißen, ist blutiger Ernst geworden und schon bald sind die Mafiaschergen Johan und seinem Schützling auf den Fersen…

Typisch hart, trocken und sozialkritisch, aber zum Ende doch noch mit großem Wumms, zeigt der routinierte Regisseur und Drehbuchautor Anders Nilsson mit einem soliden Produkt, dass schwedische Krimis nicht nur zwischen Buchdeckeln oder im Spätprogramm des ZDF Beachtung verdienen. Beim Showdown während einer Gewaltdemo von Globalisierungsgegnern in München liegt er jedoch etwas neben der Spur, obwohl die hochaktuelle Diskussion um Gummigeschosse für die Polizei hier fast hellseherisch vorweggenommen wurde.

Seit dem am 15.06. im Handel, nächste Ausgabe am 29.06.

Widescreen - Sonderheft "Horrorfilme"

"White Skin", CDN 2004. Regie: Daniel Roby. Darsteller: Marc Paquet, Marianne Farley. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 7.99 Euro

Einen thematisch passenden Schlusspunkt im Reigen der neuen DVD-Beileger setzt die "Widescreen"-Redaktion mit ihrer Sonderausgabe zum Thema "Horrorfilm". Alles fängt mit einem pikanten Geburtstagsgeschenk an, als Henri seinem Freund Thiery (Marc Paquet) und sich selbst eine heiße Nacht mit einer Prostituierten spendiert. Doch die junge, rothaarige Dame versucht stattdessen, Henri umzubringen und entschwindet in der Nacht. Wenig später verliebt sich Thiery in die höchst attraktive, ebenso rothaarige Claire (Marianne Farley) und erlebt nach anfänglicher Lovestory während der ersten Einladung in ihr Elternhaus eine böse Überraschung. Denn Clairs Schwester Marquise entpuppt sich nicht nur als jene Dame von seiner Geburtstagsfeier, sondern als blutrünstige, Männer missbrauchende Sukkube, die nun ihr Werk vollenden will.

Mit seinem Regiedebüt landete der unbekannte Daniel Roby direkt einen kleinen Hit, denn er gewann 2004 nicht nur den Preis für das beste Debüt beim Toronto Film Festival, sondern durfte das Mysterydrama 2005 in einer Reihe der besten kanadischen Filme im New Yorker "Metropolitan Museum of Art" präsentieren.

Ein Grund dafür ist sicherlich, dass "White Skin" als Crossoverwerk mit Anleihen an verschiedene, auch rein psychologisierende Stilelemente des Genres nur auf kurzen Strecken richtigen Horror produziert. Das recht originelle Thema über sukkubische Dämonen kommt leider erst am Ende richtig zum Zuge. Bis dahin fragt sich sicher so mancher Horrorfan, ob er nicht im falschen Film gelandet ist. Alle anderen erleben jedoch einen unkonventionellen Kunstfilm, der Appetit auf mehr Genrekost macht.

Seit dem 13.06. einen Monat lang im Handel.



insgesamt 431 Beiträge
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Seite 1
christian simons 14.06.2005
1.
Der größte Segen der DVD besteht für mich nicht in der oft brillianten Bild und Tonqualität, den vielen Extras und den sorgfältig restaurierten, originalgetreuen Fassungen der Filme. Nein, es ist die Sprachauswahl die mich immer wieder beglückt. Vor ca. zehn Jahren mußte ich noch, um Filme im Original geniessen zu können, ins sechzig Kilometer entfernte Landstuhl fahren, auf halblegalen Wegen britisches Pay-TV ordern oder überteuerte Videos aus dem Ausland importieren. Die einzigen Haare in der Suppe sind für mich nur noch deutsche DVD-Editionen, wie zB "Magnolia" und "Pulp Fiction", bei denen man die Zwangsuntertitelung nicht ausschalten kann. Dazu noch ein Videobeamer und eine Dolby Surround-Anlage, die heutzutage auch nicht mehr die Welt kosten, und man kommt dem Kino-Erlebnis zu Hause sehr sehr nahe. Ich meine, die Filmtheater haben Grund sich Sorgen zu machen. BTW, Meine DVDs (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/Garak)
prefec2 14.06.2005
2. Das Kino?
Die sogenannten großen Blockbuster sollen nun also auch zeitgleich auf DVD und im Fernsehen zu haben sein. Das soll (mal wieder) das Ende des Kinos sein. Ich denke das wird (wieder) nicht eintreten. Un das hat ganz einfache Gründe. 1. Es gibt Filme, die egal wie gross die Leinwand ist, zuhause nicht gut rüberkommen. Das hat auch nichts mit dem Sound in 5D-Quattro Surround Dolby Qäck zu tun. Es geht hier um Atmosphäre. 2. Das Autorenkino oder andere schöne Kleinode werden auch weiterhin vom Publikum im Kino bevorzugt. Nur eine Sorte von Kino wird in Zukunft seine Schwierigkeiten haben. Das sind diese Cinemaxx-/Mutliplex-Volx-Kinos, welche Hollywood Weichware an die Wand werfen, welche Handlungsfrei ist. Dieser Personenkreis ist sowieso in "Geiz ist Geil"- und "konsumieren noch viel geiler"-Stimmung. Die werden dann lieber "Zapp das Monster 5" oder "Batman 500" zuhause ansehen, wo die Cola nur 50 cent kostet und das Popcorn aus der Microwelle kommt. Man könnte es auch einfach so sagen. Konsumkino hat mit dieser neuen Vertiebsform seine Probleme. Ein ordentliches Progammkino indes nicht. Oder noch drastischer. Unterschichtenkino wird darunter leiden.
DJ Doena 14.06.2005
3.
---Zitat von christian simons--- Meine DVDs (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/Garak) ---Zitatende--- Mist, deiner is länger wie meiner (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/DJ%20Doena) Bei mir sind es mehrere Gründe: O-Ton ist einer, die Soundqualität ein anderer, neulich bei Star Wars 3 wieder Quatscher im Publikum gehabt und die Boxen haben gedröhnt. Ausserdem kostet ein Kinobesuch in Offenbach 11€ (7,50€ Karte, 3,30€ Fahrkarte), nach 3 Monaten bekommt man die DVD für 15€. Zu empfehlen ist auch dieser Thread hier: http://www.areadvd.de/vb/showthread.php?s=&goto=lastpost&threadid=22637 Ausserdem bekomme ich auf DVD das zu sehen, was im Kino fehlt, z.B. bei der Herr der Ringe SEE, die je Film(!) 35 bis 50 Minuten länger ist, als die Kinofassung
christian simons 14.06.2005
4.
---Zitat von DJ Doena--- Mist, deiner is länger wie meiner (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/DJ%20Doena) ---Zitatende--- Das scheint nach oberflächlicher Durchsicht daran zu liegen, dass es für mich auch schon vor 1980 gute Filme gegeben hat. *evil grin*
DJ Doena 14.06.2005
5.
---Zitat von christian simons--- Das scheint nach oberflächlicher Durchsicht daran zu liegen, dass es für mich auch schon vor 1980 gute Filme gegeben hat. *evil grin* ---Zitatende--- Vor 1980 gab es Filme?! *bauklötze staun*
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