DVD-Filmbeileger Kampfkünstler, Kopfgeldjäger und Kriminalisten

Der Herbst naht, die Filme werden düster: Tragische Familiendramen, tödliche Rachefeldzüge und grausame Verbrechen verdrängen sommerliche Komödien. SPIEGEL ONLINE macht Inventur und zeigt Ihnen, welche Filme, die man in diesem Monat Magazinen beigelegt findet, eine Gänsehaut garantieren.


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"City by the Sea", USA 2002. Regie: Michael Caton-Jones. Darsteller: Robert De Niro, James Franco. FSK: 12 Jahre. Format: 2,35:1 (16:9). Heftpreis: 3,90 Euro

Wer auf der Suche nach einem soliden Cop-Thriller ist, liegt bei Filmen mit Robert De Niro ("Heat") meistens richtig: De Niro ist dabei nicht auf Rollenklischees festgenagelt, spielt Cops wie Gangster oder Psychopathen - Hauptsache, die Figur hat Ecken, Kanten und Untiefen.

So auch hier: De Niro spielt den New Yorker Vollblutpolizisten Vincent LaMarca, der für Job und Karriere bereits vor Jahren seine Familie verlassen hat. Kein Wunder, denn als Sohn eines hingerichteten Kleinkind-Mörders wollte er alles besonders gut machen. Als jedoch sein eigener, mittlerweile drogenabhängiger Sohn Joey (James Franco) unter Mordverdacht steht, muss er sich seiner verdrängten Vergangenheit stellen.

Michael Caton-James ("Rob Roy") lieferte in lockerer Anlehnung an das Schicksal der Nachkommen des sogenannten "Weinberger"-Entführers von 1956 ein wenig überraschendes, aber nie klischeehaftes Vater-Sohn-Drama ab. Dank Drehbuchschreiber Ken Hixon ("Die Abbotts") sehen wir meist recht glaubwürdige Charaktere, die von der ausgesuchten Crew engagiert dargestellt werden und durchweg fesseln. Trotzdem floppte der Film an den Kinokassen in den USA und schaffte es danach hierzulande auch nur noch in die Videotheken, was er definitiv nicht verdient hatte. Fazit: Kitschfreies Familiendrama mit Krimi-Atmosphäre und zwei starken Hauptdarstellern.

Erscheint am 2. September im Handel

Computer Bild

"Domino", F/USA 2005. Regie: Tony Scott. Darsteller: Keira Knightley, Mickey Rourke. Format: 2,40:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Wer Keira Knightley ("Fluch der Karibik") einmal von ihrer harten Seite sehen möchte, wird an dem Filmbeileger der "Computer Bild" seine helle Freude haben. Dort begegnen wir ihr in der Rolle des exzentrischen, britischen Jetset-Sprösslings Domino Harvey, die eine vermeintlich glitzernde Karriere als Fotomodel gegen ein kurzes, aber intensives Leben als Kopfgeldjägerin eintauscht. Als Lehrmeister steht ihr dabei der erfahrene Haudegen Ed Mosbey (Mickey Rourke) erst skeptisch, dann immer begeisterter zu Seite, bis die beiden sich nach medienwirksamen Erfolgen mit den falschen Leuten einlassen und in eine böse Falle geraten.

Tony Scott hat sich nach seinem Kassenknüller "Top Gun" (1986) in den neunziger Jahren mit Filmen wie "True Romance" (1993) mit innovativen, optischen Knalleffekten einen Namen gemacht. Auch hier zerrt er seine Zuschauer von einem Bilderstakkato zum nächsten, verliert dabei jedoch leider die Geschichte drumherum aus den Augen. Das hat auch der leibhaftigen Domino Harvey nicht sonderlich gefallen, obwohl sie Scott bereits 1995 nach zahlreichen Interviews für 350.000 Dollar die Filmrechte an ihrer Biografie verkaufte. Ihren Plan, stattdessen eine eigene Dokumentation zu drehen, konnte sie nicht mehr umsetzen: Sie starb im Sommer 2005 an einer Überdosis Schmerzmittel.

Trotz dieses eigentlich publicityträchtigen Hintergrunds blieb der Kassenerfolg für Tony Scott aus: Nur knapp zehn Millionen Dollar Einnahmen standen einem Budget von 57 Millionen gegenüber. Vielen war Scotts Optik wohl einfach zu anstrengend.

Bis 13. September im Handel

DVD Magazin

"Confession of Pain", HK 2006. Regie: Andrew Lau Wai-Keung & Alan Mak. Darsteller: Tony Leung Chiu-Wai, Takeshi Kaneshiro. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.

Ähnlich wie in ihrem mehrteiligen Meisterwerk "Infernal Affairs" (2002/2003) spielt das Regieduo Lau und Mak auch hier wieder mit Verwicklungen zweier enger Freunde aus dem Polizei- und Drogenmilieu Hongkongs. Anfangs noch erfolgreiche Fahnder, trennen sich die beruflichen Wege von Bong (Takeshi Kaneshiro) und Hei (Tony Leung Chiu-Wai), als Bongs Frau Selbstmord begeht. Bong beendet seine Karriere, wird zu einem versoffenen Privatdetektiv. Die Freundschaft der ehemaligen Kollegen kann das jedoch nicht erschüttern, bis Heis Frau ausgerechnet Bong engagiert, um den mysteriösen Mord an ihrem Vater aufzuklären. Ein verwirrendes Versteckspiel beginnt, das kein gutes Ende nehmen kann.

Tony Leung ("Chunking Express") zeigt einmal mehr, warum er zu den Stars des asiatischen Kinos gehört, obwohl der Film mit seinen Vorläufern aus 2002/2003 nicht ganz mithalten kann. Etwas zu verworren und etwas zu langatmig flattern die Erzählstränge umher. Spannend genug bleibt es trotzdem, auch wenn das Ende unter ein bisschen weniger Melodramatik nicht gelitten hätte. Wie im Falle "Departed" aber zeigte sich auch von diesem Werk Hollywood durchaus überzeugt: Ein amerikaninisiertes Remake ist in Planung, die Hauptrolle soll Leonardo DiCaprio übernehmen. Wer nicht auf die US-Kopie im Jahr 2011 warten möchte, sollte sich das Original anschauen.

Bis 23. September im Handel

SFT

"An American Crime", USA 2007. Regie: Tommy O'Haver. Darsteller: Ellen Page, Catherine Keener. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 4,50 Euro.

Noch ein wenig tragischer als der asiatische Drama-Thriller auf dem "DVD Magazin" präsentiert sich die filmische Aufarbeitung eines grausamen Verbrechens, das 1965 die USA erschütterte. Gestresste Schausteller hatten während der Saison zwei ihrer Töchter kurz entschlossen bei der verarmten, aber kinderreichen Gertrude Baniszewski (Catherine Keener) in Indianapolis geparkt. Was für die Mädchen als unterhaltsame Abwechslung vom harten Alltag beginnt, wird jedoch zu einem Alptraum, als die überforderte Gertrude all ihre Frustrationen an der 16-jährigen Sylvia Likens (Ellen Page), der älteren der beiden Geschwister, abreagiert. Nach mehreren Strafexzessen sperrt sie Sylvia in den Keller, wo sie wochenlang - auch unter Beteiligung der Nachbarskinder - zu Tode gefoltert wird.

Der eigentlich für das Fach der leichten Komödie bekannte Tommy O'Haver ("Ran an die Braut") hat sich keine einfache Aufgabe gestellt, dieses bis heute nicht wirklich ergründete Verbrechen auszuleuchten. Optisch baut er dabei eine tolle, authentische Atmosphäre der sechziger Jahre auf, doch ansonsten schafft er es bis zum Ende nur, das Unerklärliche des Verhaltens so vieler Beteiligter auf die Leinwand zu bannen. Einige von ihnen wurden in der Realität zu hohen Haftstrafen verurteilt, von denen Getrud Baniszewski bis 1985 die Längste absaß. Ihr im Laufe der Jahre verfallenes Haus lud zwischenzeitlich immer wieder zu Gruselausflügen ein, wurde im April diesen Jahres aber schließlich abgerissen und soll nun einem Kirchenparkplatz weichen.

Bis 29. September im Handel

Super Illu

"Ali Baba und die 40 Räuber", IND/SU 1980. Regie: Latif Faizijew, Umesh Mejara. Darsteller: Dharmendra, Hema Malini. Format: 1,70:1 (16:9). FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 2,99 Euro.

Auch im Märchenbeitrag der "Super Illu" geht es in diesem Monat dramatisch zu: Räuber terrorisieren die Stadt Guljabad, überfallen Karawanen und sprengen den Staudamm des Trinkwassersees. Ali Baba (Dharmendra), der Sohn eines seit Jahren abwesenden Kaufmanns, erfährt, dass Räuber die Karawane seines Vaters in alle Winde zerstreut und den Vater ins ferne Indien getrieben haben. Als er ihn von dort zurückholen will, wird er in tödliche Revolten, Entführungen und immer wieder neue Kämpfe mit den Räubern verwickelt - lernt aber auch eine schnuckelige Prinzessin und ein tolles Geheimnis über den Schatz der Räuber kennen.

Mit einem kräftigen Schuss Bollywood-Style landete diese deutsch synchronisierte Version einer russisch-indischen Koproduktion seinerzeit in den DDR-Kinos. Die Lieder und Tänze verfehlten ihre Wirkung nicht und auch heute freuen sich Nostalgiker immer wieder darüber, diesen alten Streifen neu zu entdecken. Leider tritt das klassische Märchen dabei ein wenig in den Hintergrund, doch bei dem immerhin 130 Minuten langen, leicht surrealen Retrospaß kann man das durchaus verschmerzen.

Vom 3. bis 9. September im Handel

TV Movie

"Revenge of the Warrior", THA 2005. Regie: Prachya Pinkaew. Darsteller: Tony Jaa, Petchtai Wongkamlao. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre (gekürzt). Heftpreis: 3,50 Euro.

Aus Thailands erreicht uns die anfangs sehr anrührende Geschichte über Kahm (Tony Jaa), den Sohn eines Elefantenhirten, der seine beiden Tiere an eine australische Gangstertruppe verliert. Als er mit Hilfe des Polizisten Mark (Petchtai Wongkamlao) dahinter kommt, dass die Bande ein illegales Restaurant für Wildtiergourmets betreibt, wird aus dem freundlichen jungen Mann eine gnadenlose Kampfmaschine, gegen die auch die stärksten Riesenkerle keine Schnitte haben.

Tony Jaa gilt als einer der hoffnungsvollen Nachwuchs-Fighter des Martial-Arts-Genres - hier zeigt er in einem inhaltlich typisch dünnen Actionfilm, was er technisch so alles drauf hat. Auch in der um immerhin 19 Minuten gekürzten jugendfreien Version werden deshalb vor allem Knochen gebrochen, akrobatische Kunststückchen vorgeführt und auf Ego-Shooter-Art mehrstöckige Wohnhäuser von ganzen Heerscharen böser Gegner freigeräumt. Zuweilen kann man dabei ein Gähnen kaum unterdrücken, wenn schwarz gekleidete Dunkelmänner sich zu Dutzenden um unseren Helden herum im Staub winden. Angesichts der herausragenden Fight-Performance Tony Jaas werden zumindest Genrefans sicherlich ihre Freude haben. Alle anderen haben dann allerdings längst abgeschaltet.

Bis 3. September im Handel

Widescreen Vision

"Fusion Factor", USA 2002. Regie: Joseph Zito. Darsteller: Dylan Walsh, Alison Eastwood. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre

und

"Battle of Kingdoms", China/HK/J/ROK 2006. Regie: Jacob Cheung. Darsteller: Andy Lau, Ahn Sung-ki. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 6,50 EUR.

In diesem Monat bedient auch die "Widescreen Vision" die Action-Freunde unter ihren Lesern und recycelt dafür fröhlich aus dem Beileger-Programm der Verlagsschwester "SFT".

Zuerst staunen wir in dem eher komisch als schockierend wirkenden Katastrophenfilm "Fusion Factor" über die Auswirkungen eines gefährlichen Technikexperiments, mit dem eine alternative Energiequelle erschlossen werden soll. Zeitungsreporter Matt Nash (Dylan Walsh) kommt dabei skrupellosen Managern des streng geheimen Projekts auf die Spur, die wenig Rücksicht darauf nehmen, dass ihre gigantischen Maschinen das nahe liegende Los Angeles unsanft durchschütteln. Steckt dahinter womöglich ein perfider Plan der sich vom Energiewandel bedroht fühlenden Ölindustrie?

Wer das erfahren möchte, muss bis zum bitteren Ende durchhalten, was jedoch nicht allzu leicht fällt - auch wenn in der Hauptrolle immerhin Alison Eastwood ("Männer ticken anders") glänzt, die als Tochter von Großmeister Clint Eastwood genug Hollywood-Luft für eine überzeugende Performance geschnuppert haben dürfte.

Hier agiert sie jedoch unter der Leitung des Action-Film-Veterans Joseph Zito ("Missing in Action"), was nicht unbedingt von Vorteil sein muss: Der Gute lässt es gern und oft ziellos krachen. "Action" ist eben ein zweideutiger Begriff, der von manchen nicht nur mit "Handlung" übersetzt, sondern auch als Ersatz für eine solche missverstanden wird. Zumindest Freunden von trashigen Auto-Materialschlachten oder einstürzenden Kulissenbauten wird dabei einiges geboten - alle anderen sollten sich lieber auf den zweiten Film konzentrieren, der eher eine Empfehlung wert ist.

Dort finden wir ein schwertbewehrtes, aber deutlich ernsthafter gemeintes Schlachtenepos mit Hongkong-Star Andy Lau ("Running out of time") in der Hauptrolle. In der preisgekrönten 16-Millionen-Dollar Produktion verteidigt er im antiken China als Heerführer namens Ge Li den Stadtstaat Liang gegen die Eroberung durch das Nachbarreich Zhao, weckt aber durch seine ersten Erfolge schnell den Neid in den eigenen Reihen und muss schließlich gegen alle gleichzeitig kämpfen. Dazu lässt Jacob Cheng nach der Vorlage eines populären Comics gigantische Statistenheere spektakulär aufeinander prallen, was Action- und Fantasy-Freunden einen erfüllten Filmspaß mit allerlei Schwertergeklirr, sirrendem Pfeilregen und tollen Kostümen bietet. Fans anderer Filmgenres werden jedoch irgendwann die Vorspultaste suchen.

Bis 6. Oktober im Handel



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