DVD-Filmbeileger Modepüppchen weinen nicht

Eine geballte Ladung Hollywood-Kino flattert diesmal auf den Covern der Beileger-Magazine ins Haus: Kurzweilige Polit-Thriller, grausame Historien-Dramen, rabenschwarze und quietschbunte Komödien zeigen, was die Filmindustrie zusammenbraut. SPIEGEL ONLINE zeigt Ihnen, was davon besonders schmeckt.


Computer Bild

"End Game - Der Anschlag war nur der Anfang", CDN/USA 2006. Regie: Andy Cheng. Darsteller: Cuba Gooding Jr., Angie Harmon. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Nach Jahren erfolgreicher Arbeit erlebt Bodyguard Tom Quinn (Cuba Gooding Jr.) die Katastrophe seiner Karriere, als er ein Attentat auf den US-Präsidenten kurz vor dem Ende von dessen Amtszeit nicht verhindern kann. Voller Schuldgefühle quittiert er seinen Dienst, wird jedoch von der Journalistin Kate Crawford (Angie Harmon) schon nach kurzer Zeit aus Suff und Lethargie gerissen, denn sie ist einer üblen Verschwörung auf der Spur, die den Anschlag in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

Wie so oft verbrät auch dieser B-Movie einen Plot, mit dem man aus großen Vorbildern wie "In the Line of Fire" (1993) bestens vertraut ist. Die Rosinen dieses eher konventionellen Polit-Thrillers sind Dank Andy Cheng deshalb eindeutig seine hübsch inszenierten Action-Einlagen. Dabei konnte der Regisseur auf ein ansehnliches Repertoire aus seiner Zeit als Stuntman bei Jackie Chan zurückgreifen, was allerdings seinem Drehbuch deutlich weniger geholfen hat. So wirkt der prominente Cast von Burt Reynolds über James Woods bis Anne Archer in den Nebenrollen streckenweise doch arg unterbeschäftigt. Trotzdem hält Chengs nur auf DVD erschienener Film genau, was er verspricht: schlichte, kurzweilige Hollywood-Unterhaltung, die man sich ansehen kann, aber nicht ansehen muss.

Bis 30. August im Handel

PC Action

"Ghost", Südkorea 2004. Regie: Kim Tae-Kyeong. Darsteller: Kim Ha-Neul, Nam Sang-Mi. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 7,90 Euro.

Auch in diesem Monat vertieft das Spielemagazin aus dem Verlagshaus "Computec" wieder unsere Kenntnisse über den ostasiatischen Horrorfilm. Diesmal werden wir dazu eingeladen, das Rätsel hinter allerlei bösen Geisterträumen der jungen Studentin Ji-Won Min (Kim Ha-Neul) zu lösen, die seit einem geheimnisvollen Erlebnis an Amnesie leidet. Als die Mädels aus ihrer alten Schulclique unter seltsamen Umständen eine nach der anderen das Zeitliche segnen, versucht sie verzweifelt, dahinter zu kommen, was der Grund dafür sein könnte und was sie damit zu tun hat. In seinem Regiedebüt lässt Kim Tae-Kyeong eine Riege hübscher Mädchen aufmarschieren und vor einem in diesem Genre leider nur allzu bekannten langhaarigen Geistermädchen erschauern. Seine etwas wirre Geschichte kann durchaus den ein oder anderen Horroreffekt herbeizaubern, Kenner jedoch dürften allzu schnell das pure Ausschlachten diverser Genrevorbilder à la "Ring" (1998) oder "Dark Water" (2002) erkennen. Dank stimmiger Musik, weitgehend kreischfreier Düster-Atmosphäre, aber vor allem dank der durchweg soliden Kameraarbeit bleibt in der Summe jedoch ein appetitanregender Happen für Genre-Neulinge übrig, den man sich ohne Reue einverleiben kann.

Bis 8. September im Handel

PC Go

"Very Bad Things", USA 1998. Regie: Peter Berg. Darsteller: Cameron Diaz, Christian Slater. Format: 1:85 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 6,99 Euro.

Nach einem tödlichen Missgeschick beim Junggesellenabschied seines Kumpels ist Robert Boyd (Christian Slater) die treibende Kraft einer brutalen Gewaltspirale, in die alle Beteiligten erst unfreiwillig und dann immer hysterischer einsteigen, um sich ihrer gerechten Strafe zu entziehen. Die stur heiratswillige Braut Laura (Cameron Diaz) wagt derweil nicht zu glauben, was sie da sieht, und man ist nah dran, sich ihrem Urteil anzuschließen. Doch das tiefmakabre Ende entschädigt für vieles. Peter Berg ("Hancock") musste wohl ein Menge Druck aus seinem Engagement als Dr. Billy Kronk bei der Krankenhaus-Serie "Chicago Hope" ablassen, als er sich auf dieses splatterartige Abenteuer einließ. Schwarzhumorig und böse bis ins letzte Glied treibt er seine spielfreudige Crew in immer aberwitzigere Szenen hinein. Besonders Cameron Diaz scheint in einem schrillen Paralleluniversum zu ihrer im gleichen Jahr abgedrehten Liebeskomödie "Verrückt nach Mary" gelandet zu sein. Heraus kam ein "finsterer Spaß" (VideoWoche), der ungekürzt erst im Jahr 2004 von der FSK in Deutschland für ein Publikum ab 16 freigegeben wurde. Fazit: Nichts für zarte Naturen, aber als interessante Geschmacklosigkeit beachtenswert.

Bis 3.September im Handel

PC Magazin

"Gangs of New York", D/GB/I/NL/USA 2002. Regie: Martin Scorsese. Darsteller: Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 6,99 Euro.

In dem fast drei Stunden langen Epos steigt Leonardo DiCaprio ("Titanic") als rachsüchtiger Sohn des Bandenführers Vallon Mitte des 19. Jahrhunderts in eine düstere New Yorker Welt ab - mitten in der Ursuppe des amerikanischen Traums sozusagen. Verfeindete Einwanderer-Gangs schreiben in den Slums der jungen Metropole ihre eigenen, blutigen Gesetzte und kommen dabei nicht nur einander, sondern auch dem Staat mächtig in die Quere, der in Zeiten des Bürgerkriegs ganz andere Sorgen hat. In den sogenannten Draft Riots vom 13. bis 16. Juli 1863 krachen die Fronten schließlich grausam aufeinander. Vor diesem historischen Hintergrund spielt das bildgewaltige und stellenweise recht grausame Drama von Meister Martin Scorsese ("Taxi Driver"), in dem neben den beiden sich heftig beackernden Hauptdarstellern vor allem Cameron Diaz - anders als auf dem aktuellen Beileger der "PC Go" - in einer für sie ungewohnt erdigen Umgebung zu bewundern ist: ein Highlight unter den aktuellen Beilegern.

Bis 3.September im Handel

TV Movie

"Zoolander", USA 2001. Regie: Ben Stiller. Darsteller: Ben Stiller, Christine Taylor. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Als Drehbuchautor, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller in der Rolle des hohlköpfigen, aber energiegeladenen Supermodels Derek Zoolander zeigt Ben Stiller, wie er sich eine spritzige Hollywood-Komödie vorstellt. Während Derek in eine tiefe Krise stürzt, weil er den Titel als "Männer-Model des Jahres" verliert, haben die geheimen Herrscher der Modeindustrie ihm längst einen letzten, großen Auftritt zugewiesen. Unter Hypnose soll er den Premierminister Malaysias töten, der die Kinderarbeit verbieten und damit die Quelle ihres Profits zerstören will. Nur die pfiffige Journalistin Matilda (Christine Taylor) riecht den Braten und versucht alles, um den Anschlag zu verhindern. Mit einem vergleichsweise bescheidenen Budget von 28 Millionen Dollar, dem Auftritt seiner Eltern, seiner Schwester, seiner Ehefrau Christine Taylor, seinem engen Freund Owen Wilson und einer wahren Heerschar allseits bekannter Prominenter scheint Ben Stiller hier eher eine Party gefeiert denn einen Film gedreht zu haben. Rasant und farbenfroh ist das geworden. Stiller versucht über weite Strecken das Tempo anzuheizen, zeigt eine denkwürdige Parodie auf "2001 - Odyssee im Weltraum" (1968) und spielt viele schöne Hits der achtziger Jahre. So richtig in Fahrt kommt die Party trotzdem nicht, da die Story zu konstruiert und Stiller schlicht als Gastgeber ein wenig überfordert wirkt. Der größte Spaß bleibt am Ende, all die bekannten Gesichter zu finden, die es zu entdecken gilt. Aber das ist auf den meisten Partys ja auch nicht anders.

Bis 20. August im Handel



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.