DVD-Filmbeileger Tee-Time-Kiffer im Weltraumkoller

Volles Programm für den verregneten Sommer: Was die Verlage ihren Magazinen an Filmen beilegen, taugt als Alternative zum TV-Programm. Diesmal im Angebot: ein absurder Science-Fiction-Klassiker, humorige Britcoms, spannende Psychothriller, eine beeindruckende Literaturverfilmung und mehr.


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"The Way of the Gun", USA 2000. Regie: Christopher McQuarrie. Darsteller: Ryan Phillippe, Benicio Del Toro. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,50 Euro

Die beiden notorischen Schurken Parker (Ryan Phillippe) und Longbaugh (Benecio Del Toro) fackeln nicht lange, als sie die Gelegenheit zu einem vermeintlich einfachen Job sehen: Sie entführen die hochschwangere Leihmutter Robin (Juliette Lewis), um einen dicken Batzen Dollars von den Kindseltern zu erpressen. Sie ahnen jedoch nicht, dass sie damit einigen ebenso kaltblütigen Typen in die Quere kommen, die den beiden Entführern mächtig die Hölle heiß machen.

Als feine Reminiszenz leiht das Drehbuch unseren beiden Gangstern Parker und Longbaugh die bürgerlichen Namen der legendären Räuber "Butch Cassidy" und "Sundance Kid", die hierzulande durch den gleichnamigen Film mit Robert Redford und Paul Newman von 1969 bekannt wurden. Vielleicht wollte man ihnen eine moderne Interpretation spendieren, doch übrig blieb davon vor allem Brutalität, Skrupellosigkeit und Willkür. Ganz dem Filmtitel folgend begehen die Hauptpersonen nämlich den "Weg der Waffe", der sie gemäß eines alten Samurai-Mottos dem gleichen blutigen Schicksal zuführen sollte, dass auch ihre Opfer erleben müssen. Ob das so endet, verraten wir natürlich nicht, aber nach originellem Start und etwas langatmigen Mittelteil wartet ein fulminanter Showdown mit mächtigen "Bumm" auf alle, die bis hierhin durchgehalten haben.

Erscheint am 04.07. im Handel

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"The Hole ", GB 2001. Regie: Nick Hamm. Darsteller: Thora Birch, Desmond Harrington. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,50 Euro

Drei Tage lang wollten die vier knackigen Internatsschüler Frankie, Geoff, Tommy (Desmond Harrington) und Liz (Thora Birch) in einem alten Bunker so richtig die Sau rauslassen, doch alles mündet in eine Katastrophe, als ihr Kumpel Martin nicht mehr zurückkehrt, um ihnen von Draußen die Luke zu öffnen. Zwei Wochen später taucht Liz halb verhungert und blutig in ihrer Schule auf und muss nun erklären, was sich im Bunker in der Zwischenzeit abgespielt hat. Doch ihre Geschichte nimmt immer wieder neue Wendungen und erst langsam erahnen wir, welches Grauen eine Teenager-Liebe hervorbringen kann.

Nach ihrem endgültigen Durchbruch 1999 in "American Beauty" konnte die gerade mal 19 Jahre alte Thora Birch hier als hässliches Entlein wieder einmal überzeugend punkten, auch wenn die Spannung der Story leider durch ungeschickte Brüche ab und an ins Stocken gerät. An ihrer Seite mimt die blutjunge Keira Knightley ("Fluch der Karibik") die Rolle des schönen Schwans, der sich in einer kleinen Kotz-Szene mittendrin wunderbar selbst destruiert. Vorher durfte die beim Dreh minderjährige Knighltey aber noch kurz "oben ohne" vor die Kamera, weshalb man die Premiere des Films auf ein Datum nach ihrem 16. Geburtstag vertagen musste. Doch nicht solche reißerischen Einlagen, sondern seine bis über den Schluss hinaus aufrecht erhaltene Ungewissheit, was im Bunker wirklich geschehen ist, machen den Streifen neben der Masse immergleicher Teenager-Thriller zu einem sehenswerten Schmankerl.

Seit dem 25.06. im Handel, nächste Ausgabe am 09.07.

SFT

"Dark Star", USA 1973. Regie: John Carpenter. Darsteller: Brian Nerelle, Cal Kuniholm. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 6 Jahre
und
"Running out of Time", HK 1999. Regie: Johnnie To. Darsteller: Andy Lau, Lau Ching Wan. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3.50 Euro

Nach 20 Jahren Dienst, einem toten Kapitän und der entnervenden Gesellschaft eines kugeligen, außerirdischen "Exoten" sind die Astronauten Pinback, Boiler, Doolittle und Talby auf der "Dark Star" ziemlich weich gekocht. Trotz Klopapiermangels und immergleicher Tütennahrung machen sie ihren Job wie gewohnt weiter und sprengen instabile Planeten weg, die nachfolgende Kolonisten bedrohen könnten. Bis eine Verkettung mehrerer Fehlfunktionen ein bereits scharf gemachtes Exemplar der intelligenten, sprechenden Sternenbomben im Abwurfschacht des Raumschiffs blockiert und sich trotz tief schürfender, philosophischer Gegenargumente nicht mehr deaktivieren lassen will.

John Carpenters schräge Low-Budget-Produktion "Dark Star" zählt zu den ganz großen Kultstreifen des Sciencefiction-Genres und sollte vornehmlich Kubricks mythische "Odyssee im Weltraum" parodistisch aufs Korn nehmen. Ganz nebenbei entstand dabei die Grundidee zum sechs Jahre später von Ridley Scott realisierten "Alien"-Stoff, was man bereits an einigen Szenen der absurden Verfolgungsjagd nach dem ausgebüxten "Exoten" durch die dunklen Räume des Raumschiffs erkennen kann. Kein Wunder, denn Dan O'Bannon spielte in "Dark Star" nicht nur den für den "Exoten" verantwortlichen Astronauten Pinback, sondern mischte auch kräftig beim Drehbuch hierzu und zu allen fünf "Alien"-Episoden mit.

Bei solch hohem Klassiker-Rating verschmerzen Schnäppchenjäger gerne, dass der zweite Film "Running out of Time" im Frühling schon mal der "Widescreen"-Premium beigelegt war. Actionfans kommen mit ihm aber sowieso besser auf ihre Kosten, wenn der Honkong-Star Andy Lau als gerissener, aber leider todkranker Gangster Cheung seinen Vater rächen will. Immer auf der Spur ist ihm dabei Inspektor Sang (Lau Ching Wan), den er Anfangs sogar für seine Zwecke benutzen kann. Doch bald dreht Sang den Spieß herum und es beginnt ein gefährliches Spiel zwischen den beiden widersprüchlichen Persönlichkeiten, von denen nur eine am Ende siegen kann.

Seit dem 27.06. im Handel, nächste Ausgabe am 26.07.

Super Illu

"Jakob der Lügner", DDR/CZ 1974. Regie: Frank Beyer. Darsteller: Vlastimil Brodský, Erwin Geschonneck. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 12. Preis 2,99 Euro

Ende 1944, die russische Armee ist auf dem Vormarsch, und der in einem polnischen Ghetto eingesperrte Jude Jakob Heym (Vlastimil Brodský) bekommt zufällig Wind davon, dass die Befreier bereits sehr nah sind.

Damit seine Leute ihm glauben, behauptet er, ein Radio zu besitzen, doch diese kleine Notlüge wächst schnell zu einem ganzen Lügenberg an, den Jakob nun nicht mehr aus der Welt räumen kann. Die Bewohner des Ghettos beginnen wieder zu hoffen, doch die ersten Transporte aus dem Ghetto fahren bereits in die Vernichtungslager ab und die Rote Armee lässt auf sich warten.

Die berühmte, tragikomische Geschichte erschien 1969 als Debüt-Roman des Drehbuchautors Jurek Becker, der selbst als Kind sechs Jahre Ghetto und KZ überlebt hatte und seit Anfang der sechziger Jahre bei der DEFA angestellt war. Drei Jahre zuvor hatte das Studio sein Manuskript nach logistischen Problemen vom Drehplan streichen müssen, doch mit dem späteren Bucherfolg stieg das Interesse an einer Verfilmung wieder. Regisseur Frank Beyer ("Spur der Steine") konnte das von der Urfassung leicht abgeänderte Drehbuch schließlich 1974 beeindruckend umsetzen – und damit den einzigen DDR-Film drehen, der jemals eine Oskar-Nominierung erreichte.

Vom 05.07 bis 11.07. im Handel.

TV Movie

"Grasgeflüster", GB 2000. Regie: Nigel Cole. Darsteller: Brenda Blethyn, Craig Ferguson. FSK: 16 Jahre. Format: 1.78:1 (16:9). Preis: 3,30 Euro

In einer abgelegenen, englischen Kleinstadt kämpft die frisch gebackene Witwe Grace (Brenda Blethyn) nach dem Selbstmord ihres Mannes mit dessen schuldenreicher Hinterlassenschaft. Während die Gläubiger Haus und Hof versteigern wollen, bringt der junge Gärtner und Gelegenheitskiffer Matthew (Craig Ferguson) ihr die finanziellen Möglichkeiten einer Cannabisplantage näher. Als passionierte Orchideenzüchterin nimmt Grace die Herausforderung an – mit so großem Erfolg, dass nur noch eine entscheidende Frage offen bliebt: Wie verkauft man Marihuana säckeweise?

In seinem ersten Kinofilm beweist TV-Regisseur Nigel Cole ("Calender Girls") sein Geschick für sanfte Unterhaltung mit einer hübschen Portion britischen Humors. Vielleicht sind die Menschen hier alle ein wenig zu nett, die Wirkung der Hanfdroge manchmal etwas zu krass dargestellt und die Landschaft von Cornwall einfach zu schön, doch wer einen charmanten Trip in die Märchenwelt augenzwinkernder Dorfgemeinschaft a la "Ned Devine" sucht, macht mit dieser kleinen, preisgekrönten Produktion alles richtig. Außerdem gibt es auch ein paar wunderbare Ansichten prächtigster Hanfblüten, die übrigens alle echt waren und während der Dreharbeiten unter strenger, behördlicher Sicherheitsbewachung standen.

Seit dem am 29.06. im Handel, nächste Ausgabe am 13.07.

Widescreen

"Out of Time – Der tödliche Auftrag", USA 2001. Regie: Harris Done. Darsteller: Dean Cain, Dale Godboldo. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 16 Jahre. Preis: 4.99 Euro

Nach vielen Jahren lustiger Einbrecherei kann Profigangster Max Hooper (Dean Cain) einen letzten, lukrativen Auftrag nicht ablehnen: Als Polizist verkleidet soll er für 4,5 Millionen Dollar Gage einen geheimen Computer-Chip klauen. Doch kaum ist er in den Lüftungsschächten des Wolkenkratzers der Rüstungsfirma unterwegs, bricht dort ein Feuer aus und versperrt nicht nur ihm, sondern auch einem Trupp Angestellter den Rückweg. Jetzt muss Max all seine Einbrecherqualitäten nutzen, um sich und seine Schützlinge zu retten.

Von der "VideoWoche" seinerzeit als "fulminantes B-Feuerwerk mit Falltür-Drehbuch" betitelt, führt uns diese recht passabel gemachte Billig-Produktion in eine Mischung aus "Stirb langsam" und "Flammendes Inferno". Mit dem Ex-TV-"Superman" Dean Cain, Ex-"Tankgirl" Lori Petty und Ex-"Kindergarten Cop" Richard Tyson begleitet uns ein tapferes Häuflein gestandener Stars aus der zweiten Reihe, die ihre Sache durchweg ganz gut machen. Leider bleiben trotz diverser Plotwendungen die Ereignisse vorhersehbar und lassen nur ein paar gelungene Actionstunts mit sympathischen Schauspielern übrig, die aber allemal für eine geistfreie Ablenkung nach dem Abendessen reichen.

Erscheint am 04.07. im Handel.



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Seite 1
christian simons 14.06.2005
1.
Der größte Segen der DVD besteht für mich nicht in der oft brillianten Bild und Tonqualität, den vielen Extras und den sorgfältig restaurierten, originalgetreuen Fassungen der Filme. Nein, es ist die Sprachauswahl die mich immer wieder beglückt. Vor ca. zehn Jahren mußte ich noch, um Filme im Original geniessen zu können, ins sechzig Kilometer entfernte Landstuhl fahren, auf halblegalen Wegen britisches Pay-TV ordern oder überteuerte Videos aus dem Ausland importieren. Die einzigen Haare in der Suppe sind für mich nur noch deutsche DVD-Editionen, wie zB "Magnolia" und "Pulp Fiction", bei denen man die Zwangsuntertitelung nicht ausschalten kann. Dazu noch ein Videobeamer und eine Dolby Surround-Anlage, die heutzutage auch nicht mehr die Welt kosten, und man kommt dem Kino-Erlebnis zu Hause sehr sehr nahe. Ich meine, die Filmtheater haben Grund sich Sorgen zu machen. BTW, Meine DVDs (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/Garak)
prefec2 14.06.2005
2. Das Kino?
Die sogenannten großen Blockbuster sollen nun also auch zeitgleich auf DVD und im Fernsehen zu haben sein. Das soll (mal wieder) das Ende des Kinos sein. Ich denke das wird (wieder) nicht eintreten. Un das hat ganz einfache Gründe. 1. Es gibt Filme, die egal wie gross die Leinwand ist, zuhause nicht gut rüberkommen. Das hat auch nichts mit dem Sound in 5D-Quattro Surround Dolby Qäck zu tun. Es geht hier um Atmosphäre. 2. Das Autorenkino oder andere schöne Kleinode werden auch weiterhin vom Publikum im Kino bevorzugt. Nur eine Sorte von Kino wird in Zukunft seine Schwierigkeiten haben. Das sind diese Cinemaxx-/Mutliplex-Volx-Kinos, welche Hollywood Weichware an die Wand werfen, welche Handlungsfrei ist. Dieser Personenkreis ist sowieso in "Geiz ist Geil"- und "konsumieren noch viel geiler"-Stimmung. Die werden dann lieber "Zapp das Monster 5" oder "Batman 500" zuhause ansehen, wo die Cola nur 50 cent kostet und das Popcorn aus der Microwelle kommt. Man könnte es auch einfach so sagen. Konsumkino hat mit dieser neuen Vertiebsform seine Probleme. Ein ordentliches Progammkino indes nicht. Oder noch drastischer. Unterschichtenkino wird darunter leiden.
DJ Doena 14.06.2005
3.
---Zitat von christian simons--- Meine DVDs (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/Garak) ---Zitatende--- Mist, deiner is länger wie meiner (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/DJ%20Doena) Bei mir sind es mehrere Gründe: O-Ton ist einer, die Soundqualität ein anderer, neulich bei Star Wars 3 wieder Quatscher im Publikum gehabt und die Boxen haben gedröhnt. Ausserdem kostet ein Kinobesuch in Offenbach 11€ (7,50€ Karte, 3,30€ Fahrkarte), nach 3 Monaten bekommt man die DVD für 15€. Zu empfehlen ist auch dieser Thread hier: http://www.areadvd.de/vb/showthread.php?s=&goto=lastpost&threadid=22637 Ausserdem bekomme ich auf DVD das zu sehen, was im Kino fehlt, z.B. bei der Herr der Ringe SEE, die je Film(!) 35 bis 50 Minuten länger ist, als die Kinofassung
christian simons 14.06.2005
4.
---Zitat von DJ Doena--- Mist, deiner is länger wie meiner (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/DJ%20Doena) ---Zitatende--- Das scheint nach oberflächlicher Durchsicht daran zu liegen, dass es für mich auch schon vor 1980 gute Filme gegeben hat. *evil grin*
DJ Doena 14.06.2005
5.
---Zitat von christian simons--- Das scheint nach oberflächlicher Durchsicht daran zu liegen, dass es für mich auch schon vor 1980 gute Filme gegeben hat. *evil grin* ---Zitatende--- Vor 1980 gab es Filme?! *bauklötze staun*
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