E-Sport Game-Wettkämpfe für Gutbetuchte

Mit E-Sport werden mitlerweile Millionen gemacht. Auch wenn es auf den Turnieren der Profi-Gamer schon mal körperliche Auseinandersetzungen gibt - Wettkampf-Daddeln ist ein fairer Sport. Aber nicht jeder kann mitmachen.

Von Dennis Schirrmacher


Hamburg - Kaum ist man dem Nieselregen entflohen und in der Wettkampfhalle angekommen, wird es auch drinnen schnell ungemütlich: Unter Zuschauern und Spielern im Hamburger Congress Centrum bricht plötzlich ein Handgemenge aus.

Pubertäre Beleidigungen fliegen durch die Luft, die Streithähne schubsen einander quer durch den Raum. Ein Spieler des mTw-Clans flüchtet kreidebleich auf den Balkon. Der Sicherheitsdienst tritt auf - und die Banalität des Vorfalls zu Tage: Der Zuschauer, der den Streit angefangen hat, behauptet, der attackierte Spieler habe seine Mutter in einem Internet-Forum beleidigt. Hat der E-Sport etwa schon seine ersten Hooligans? Ist der Spaß schon vorbei?

Jedenfalls spielen die Profispieler nicht nur zum Spaß, sondern machen damit richtig Geld. Der Weg dorthin ist aber kein einfacher - und es gibt viele, die den Profis den Erfolg nicht gönnen. Was womöglich auch der Auslöser des Handgemenges war.

Gibt es solche Auseinandersetzungen auch unter den Teams? Ist E-Sport heute eine ruppige Angelegenheit? "Nein", sagt einer vom mTw-Clan, unter den Teams gehe es fair zu. "Aber während des Spiels sind wir natürlich nicht die besten Freunde."

Kommerz

Dass es hier nicht zuletzt um Geld geht, zeigt der Rahmen des Turniers: Das Innere des Congress Centers mutet wie eine Games Convention im Mini-Format an. Marktschreier preisen ihre Produkte an, und Besucher werden mit Kugelschreibern und anderen Nichtigkeiten versorgt. Aber wie im richtigen Sport geht auch beim E-Sport nichts ohne Sponsoren, denn die Preisgelder sind hoch. Die Electronic Sports League (ESL) hat seit der Gründung im Jahr 2000 etwa 2,2 Millionen Euro ausgeschüttet.

Davon profitiert aber nur ein Bruchteil, denn von den 860.000 Mitgliedern gehören lediglich 1 Prozent zu den Profis. Die wiederum sind nahezu alle Informatiker, Studenten und Abiturienten.

Erfolg an Tastatur und Maus scheint also irgendwie auch mit Bildung zu tun zu haben. Aber auch hier ist Geld ein wichtiger Faktor: Um überhaupt mitspielen zu können, brauchen Profispieler gute Hardware, sagt der PR-Manager der ESL, Jens Allerdissen. Und die kann schnell mehrere tausend Euro kosten.

Who is who?

Die Spieler organisieren sich in zwei großen Ligen, der Electronic Sports League (ESL) und den World Cyber Games (WCG). Beide Ligen gastieren weltweit. Die WCG-Finalrunde findet in diesem Jahr erstmals in Deutschland, nämlich vom 05. - 09. November 2008 in Köln statt.

Die WCG orientiert sich an Olympia und zelebriert die Eröffnungszeremonie mit dem Einmarsch der Fahnenträger der Nationalteams. Darüber hinaus sind die Veranstaltungen mit Live-Bands, Vorträgen und Ausstellungen umrahmt - man will gesellschaftliche Relevanz vermitteln.

Die ESL setzt stärker auf lokale Anbindung und tourt mit ihren Intel Friday Night Games durch die Bundesländer. Da sich bei den Veranstaltungen alles um Spiele dreht, kann man als Besucher auch selber Hand anlegen. Schnell ein Gamepad gegriffen und in einen Sitzsack gefletzt, entspannen sich Jugendliche bei einer Runde Fußball und lassen die Profispieler mal Profispieler sein. Schließlich geht es hier immer noch um Spaß.

Zum Turnier in Hamburg kamen über 1000 Besucher - Gänsehaut-Stimmung wie beim Fußball stellte sich aber nur zeitweise ein, trotz pompöser Inszenierung und in Nebel und Lichtblitze gehüllter Anheizer auf der Bühne. Natürlich gab es hier und da Zwischenrufe und Applaus. Auf La-Ola-Wellen wartete man aber vergebens.

Richtig frenetisch wurde es erst, als Werbegschenke von der Bühne geworfen wurden. Plötzlich waren wirklich alle Hände in der Luft.



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