Festbeleuchtung Weihnachts-Apokalypse in Pittsburgh

Es ist wieder soweit: In aller Welt spannen Hausbesitzer kilometerweise Kabel und Lichterketten, verbauen Hunderttausende von Glühlampen und richten Radiosender ein, die den passenden Soundtrack liefern. Die Weihnachts-Beleuchtungs-Saison hat begonnen - und die Rekorde purzeln.


Die Illuminationsapokalypse nimmt jedes Jahr extremere Formen an. Wenn es um Weihnachten geht, kennt ein aufrechter amerikanischer Hausbesitzer keinen Klimawandel und keine Energiesparlampen, da ist ihm die Stromrechnung egal und der Nachtschlaf der Nachbarn auch: Es muss blinken, blitzen und leuchten, und zwar im Rhythmus möglichst schauerlicher Weihnachts-Muzak.

Das mittlerweile legendäre "Griswold Haus", das zum Sound des Instrumentals "Wizard of Winter" die Lichtlein tanzen ließ, und seinen Schöpfer oder besser: Beleuchter Carson Williams kurzzeitig berühmt machte, war erst der Anfang.

Heute gibt es in den USA einen landesweiten Wettbewerb zwischen Privatleuten, die ein animiertes Lichterland aus Glühlampen, aufblasbaren Nikoläusen, animierten Rentieren und natürlich Lichterketten erschaffen möchten.

Zwei der Stars der Beleuchterszene sind in diesem Jahr Robert Cox und seine Gattin Raquel. Cox ist Elektroingenieur, und das sieht man seinem aktuellen Weihnachtswerk auch an. Das Paar aus Pittsburgh, Pennsylvania, ist mit Leib und Seele bei der Sache, und das nicht erst seit gestern. Schon vor zwei Jahren verriet Cox dem Lokalblatt "Pittsburgh Post-Gazette", die erste verbale Äußerung seines damals drei Jahre alten Töchterchens sei einst "Wow whee" gewesen - beim Anblick des eigenen Heims unter elektrischer Volllast, versteht sich.

Damals, 2006, hatte Cox nur 75.000 Birnchen verbaut. Im Jahr 2008 sind es 200.000, verbunden mit neun Kilometern Kabel und angereichert mit "etwa 27" aufblasbaren Weihachtsdekorationsstücken, wie die Familie auf ihrer Web-Seite mitteilt, "die abschließende Zählung steht noch aus".

Damit die Nachbarn von dem einstündigen Musikprogramm, das die Lichtshow begleitet, nicht langsam aber sicher kirre werden, sendet Cox es auf einer eigens eingerichteten UKW-Frequenz, die nur in der Sackgasse, in der das Haus steht, zu empfangen ist. Diese Methode ist bei den Beleuchtungsprofis in den USA schon seit einigen Jahren gängig.

Natürlich wird auch in Deutschland beleuchtet und dekoriert, und auch hier geht der Trend eher zur Zweit- und Drittlichterkette als zum adventlichen Energiesparen bei Flötenmusik und Kerzenschein - wie auch ein Aufruf an die Leser von SPIEGEL ONLINE vor einigen Jahren mehr als deutlich machte (siehe Bilderstrecke oben). Elektro-Extremisten wie Cox und Williams aber sind hierzulande noch immer dünn gesäht - und vielleicht ist das auch ganz gut so.

cis

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