Gaga-Spielzeug Außen putzig, innen grausig

Wenn Nerds Spielzeug basteln, kommt so was raus: Kinder sollen einen verschnupften Plastik-Welpen vom Nasenschleim kurieren, den IQ ihres echten Wauwaus testen oder ihm einen Kauknochen mit Grinsegesicht verpassen. Motto: Ihr Hund ist zwar nicht der coolste - aber der albernste.


Igitt! Der gelbliche Plastikhund sitzt auf den Hinterpfoten, hat die Schnauze weit aufgerissen und die Augen nach oben verdreht. Grüner Schleim tropft zäh vom Oberkiefer. So stellen sich die Spielzeugdesigner der japanischen Daddelfirma "Mega House" - eine Tochter des Bandai-Konzerns - Unterhaltung für Kinder im Alter von fünf bis sieben Jahren vor.

Ziel des Spiels: Im grünen Schleim stecken kleine Plastikteilchen - Bakterien. Die Spieler müssen diese mit Plastikpinzetten aus dem Schleim ziehen, damit der Hund genesen kann. Wer die meisten Bakterien sammelt, gewinnt. Und wenn der Schleim komplett vom Oberkiefer in die Hundeschnauze gelaufen ist, kippt man für eine neue Runde im Spiel das Ekelzeug einfach wieder zurück in den Schädel des kranken Welpen.

Von August an soll dieser Spielzeughund in Japan verkauft werden, 100.000 Stück will Mega House bis Jahresende absetzten, berichtet das Japan-Blog des in Tokio lebenden Deutschen Sven Kilian. Er hat sich darauf spezialisiert, Technikwunderwerke aus Japan wie den "Biri Biri Kaze Hiki Wanko" - so heißt der schleimende Hund - zu verschicken. Was er kosten soll, ist noch nicht bekannt.

Mehr Kunstschleim mit neuem Aroma

Wer nicht bis August warten will, kann jetzt schon die Jubiläumsedition des Mega-Toys-Kunstschleims kaufen, der auch im Schnupfenhund zum Einsatz kommt.

Mega Toys verkauft in Japan zum 30. Geburtstag des Ekelspielzeugs neue Farb- und Duftvarianten (zum Beispiel "Hot", "Relax" und "Elegance"), die mit Retro-Charme erwachsene Schleimspieler ansprechen sollen. Für die Kinder von heute gibt es ja den Schleimhund.

Der grinsende Kauknochen

Ähnlich abgedreht, aber immerhin ansatzweise nützlich ist das Spielzeug für echte Hunde des britischen Gaga-Versenders "I want one of those". Der Online-Händler mit dem sinnigen Firmenmotto "Zeug, das man nicht braucht, aber wirklich, wirklich haben will" verkauft zum Beispiel einen Kauknochen, der dem Hund, in dessen Schnauze er steckt, ein sehr debiles Grinsen verpasst.

Wer es über Herz bringt, Witze über seinen Hund zu machen, wird viel Spaß mit dem "Doggy Smile"-Knochen haben. O-Ton aus dem Werbetext: "Dieses alberne Hunde-Wurfspielzeug macht ihren Hund vielleicht nicht zum coolsten im Park, aber sicher zum witzigsten."

Ein IQ-Test für Hunde

Wie hoch wohl der IQ eines Hundes ist, der sich mit dem Grinseknochen unfreiwillig zum Alleinunterhalter machen lässt? Das lässt sich angeblich mit dem Hunde-IQ-Test feststellen, den das britische Technik-Blog "Red Ferret" entdeckt hat. Für knapp acht Euro verspricht der Hundetrainer Stanley Coren einen Test, der anhand von zwölf Aufgaben den Hunde-IQ zuverlässig messen soll.

Für den Preis von einer Packung Retro-Schleim bekommt man beim Hundetester eine Stoppuhr, ein Testbuch und eine Anleitung zur Interpretation der Ergebnisse. Wow. Was auch immer dieser Test der "Problemlösungs- und Lernfähigkeit" bei Hunden messen - es dürfte ihnen mehr Spaß machen, als mit einem Grinseknochen in der Schnauze herumzulaufen und ausgelacht zu werden. Den Hunde-IQ kommentiert " Red Ferret" trocken mit der Frage: "Wenn Hunde so intelligent sind, warum macht es ihnen solchen Spaß, sich in Kuhmist zu wälzen?"

Der Kuscheltiersezierer

Ein gutes Gegenmittel zu so viel alberner Begeisterung für kindliches Technikspielzeug sind Matt Kirklands Spielzeugfotos. Der US-Designer seziert für seine Fotoserie "In Vestimentis Ursum" Kuscheltiere, die dank Technikinnereien sprechen, singen oder zappeln können. Für seine Vorher-Nachher-Fotos befreit Kirkland die Technik von ihrer kuscheligen Hülle, nach dem Motto: "Da ist ein Roboter unter dem Flaum."

Stimmt.

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