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05. Juli 2008, 11:19 Uhr

Gdium-Netbook

Hirn in der Hose

Das Angebot an Netbooks wächst unaufhörlich, und nicht alle eifern einfach dem EeePC nach. Das Gdium erweitert das Konzept der Netbooks um eine Variante: Der Mini-Rechner kommt völlig ohne Speichermedium daher. Betriebssystem, persönliche Daten und Einstellungen füttert man per Stick zu.

Netbooks lassen sich knapp ein Jahr, nachdem Asus mit dem EeePC eine neue Geräteklasse etablierte, in zwei Kategorien teilen. Auf der einen Seite stehen die streng dem EeePC-Konzept folgenden Einfachstrechner, meist mit bewusst bescheidenen Leistungsdaten und kleinem Festspeicher (One A110, Fukato etc.). Sie sind ein wenig Notizbuch, ein bisschen Reiseschreibmaschine, vollauf mobiles Surf- und mit Abstrichen Multimedia-Abspielgerät - ein wirklicher Laptop-Ersatz wollen sie nicht sein.

Gdium-Netbook: Preis und Verkaufsbeginn sind noch nicht bekannt

Gdium-Netbook: Preis und Verkaufsbeginn sind noch nicht bekannt

Auf der anderen Seite stehen die zu Mini-Laptops, zu Sub-Sub-Notebooks aufgebohrten Kleinstrechner nach dem Muster des Acer Aspire One, Medion Akoya Mini E1210 oder MSI Wind - und all die HPs, Dells und was da noch so kommen mag im Laufe des Sommers. Sie alle setzen auf Chic und erhöhte Leistung - echte Laptops, die eben ein wenig eingelaufen sind.

Irgendwo in der Mitte positioniert sich nun das Gdium Netbook. Das Gerät ist klein, elegant, leicht (1,1 kg) und ansonsten durch und durch "mittig": eine 900 MHz-CPU ist ok, aber nicht mehr Stand der Dinge (das ist inzwischen die Atom-CPU mit 1,6 GHz), für 512 MB Arbeitsspeicher gilt das auch und die Vollausstattung mit Office-Software et cetera ist bei den Linux-basierten Netbooks Standard.

Ganz und gar nicht Standard ist dagegen ein besonderes Merkmal: Das Gdium verzichtet völlig auf Festspeicher. Stattdessen gibt es einen USB-Stick mit 8 oder 16 GB Kapazität, der wohl auch deshalb "G-Key" heißt, weil das weniger profan klingt. Auf dem liegt das Betriebssystem, alle Programme, persönlichen Einstellungen und Dokumente. Zusätzlichen Speicherplatz schaffen Karten-Slots und drei USB-Anschlüsse.

Das Konzept, einen Rechner per Hardware-Dongle mit persönlichen Nutzerprofilen zu füttern, ist nicht neu. Dass man hier allerdings gleich das gesamte "Gehirn" des Rechners samt Gedächtnis in der Hosentasche tragen kann, schafft neue Möglichkeiten.

Positiv gesehen bietet der G-Key die Möglichkeit der absoluten Personalisierung: Jeder einzelne Nutzer des Mini-PCs sitzt vor "seinem" Gerät. Innovativ sind allerdings auch die Risiken: Gut möglich, dass das Gdium auch damit IT-Geschichte schreibt, durch versehentliche Waschmaschinen-Aufenthalte seines Gehirns eine Totalamnesie zu erleiden. Zumindest bekäme damit der immer etwas schwammige Begriff "Festplatten-Säuberung" endlich einen Sinn.

pat

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