Geotagging Was GPS-Ortung bei Taschenkameras taugt

Diese Kamera weiß immer, wo sie ist: Nikon verkauft die P6000 als erste Kompaktkamera mit GPS. SPIEGEL ONLINE hat das Modell getestet - und mit der günstigen Alternative verglichen: Der Photofinder Mini in Feuerzeuggröße kostet einen Bruchteil und arbeitet mit jeder Digitalkamera.

Wo bei Hamburg wachsen diese wunderbaren Steinpilze? Von wo aus hat man diesen tollen Blick aufs Mittelmeer? Wer unterwegs fotografiert, kann den Bildbetrachtern solche Fragen bald mühelos mit genauen Koordinaten oder gar einem Link zu einem Landkartendienst wie Google Maps beantworten.

So etwas ermöglichen Kameras mit eingebautem GPS-Empfänger. Sie bestimmen anhand von Satellitensignalen die aktuelle Position. Wann immer man fotografiert, speichern die Geräte die Koordinaten in den Bilddateien.

Lädt man solche Schnappschüsse bei kostenlosen Fotodiensten hoch, werden daraus schicke interaktive Reiseberichte, bei denen man Schritt für Schritt, Foto für Foto auf Landkarten und Satellitenfotos verfolgen kann.

Auf der Photokina galten in diesem Jahr solche GPS-Kameras als Trend. Nun kommen die ersten Geräte mit entsprechender Technik in den Handel: Nikon preist sein neues Modell D6000 als erste Kompaktkamera mit integriertem GPS-Empfänger an. Und allen, die für diesen Spaß nicht gleich eine neue Kamera kaufen wollen, verspricht der taiwanesische Hersteller ATP einen günstigen, gerade mal feuerzeuggroßen Foto-Verorter, der alle Digitalkameras um GPS-Funktionen erweitert.

GPS-Kompaktkamera Nikon P6000 gegen den Günstig-GPS-Verorter Photofinder Mini - SPIEGEL ONLINE testet die neue Geotagging-Helfer.

GPS-Ortung - so zuverlässig arbeiten die Geräte

Bei Nikons Kompaktkamera P6000 ist der GPS-Empfang schnell aktiviert: Die Ortsbestimmung hat eine eigenen Menüpunkt auf dem Hauptdrehrad, die notwendigen Einstellungen sind mit zwei Klicks gemacht. Das liegt daran, dass man die GPS-Ortung nur ein- oder ausschalten und dann noch bestimmen kann, wie oft die Kamera ihre Position neu bestimmt, wenn sie eingeschaltet ist.

Mehr nicht.

Es gibt keine Option, im Hintergrund ständig in einer Art Stand-by-Modus die Position etwa jede Minute neu zu bestimmen. Der Nachteil: Es ist selten möglich, mit Nikons GPS-Kamera spontane Schnappschüsse korrekt zu verorten.

Beim Test brauchte die Nikon-Kamera sowohl in Straßen zwischen sechsgeschossigen Häusern als auch im Wald unter Bäumen mehrere Minuten, bis der GPS-Empfang gut genug war, um die Position zu bestimmen. Manchmal versagte das Nikon-System hier sogar komplett. Binnen Sekunden klappt die Ortbestimmung zuverlässig nur auf Waldlichtungen und großen, offenen Plätzen.

Ärgerlich ist es, dass die Nikon-Kamera bei jedem Einschalten von neuem die Position bestimmen muss. Dass das anders geht, zeigt das feuerzeugkleine GPS-Modul Photofinder Mini des taiwanesischen Hersteller ATP. Dieses Gerät schaltet man einfach ein, es speichert dann im Minutentakt die aktuelle Position - 16 Stunden soll die Batterie laut Hersteller halten, im Test war nach zwölf Schluss.

Weil das Günstig-GPS aus Taiwan kontinuierlich läuft, lokalisierte es beim Test auch Fotos, bei denen die Nikon-Kamera versagte - der Photofinder nervt nicht mit Wartezeiten, verortet häufiger und genauer als Nikons GPS-Kompaktkamera.

Bedienung

Der Nachteil des Photofinders: Anders als Nikons GPS-Kamera speichert das Gerät die Koordinaten nicht sofort in den Bilddateien. Dafür ist ein Zwischenschritt notwendig: Man muss den GPS-Winzling in eine Docking-Station stöpseln und in die dann auch die Speicherkarte aus der Digitalkamera stecken. Wichtige Voraussetzung: Die Uhrzeit der Digitalkamera muss genau eingestellt sein. Denn die Docking-Station ordnet anhand der Uhrzeiten die aufgezeichneten Positionsdaten den Fotos zu.

Das klappte im Test problemlos. Die Bedienung ist hier denkbar simpel: einstecken, Zeitzone der Kamera angeben, fünf Minuten warten - fertig. Danach sind alle Bilddateien auf der Speicherkarte um die verfügbaren Positionsdaten ergänzt. Man kann die Speicherkarten wieder in die Kamera stecken und auf den Computer übertragen - Fehler traten beim Test mit 150 Fotos nicht auf.

Einige Details des Photofinder Mini sind unnötig kompliziert: Ob der GPS-Empfänger eine Verbindung zu Satelliten hat, soll man daran erkennen, dass ein Statuslämpchen doppelt so schnell blinkt wie im Zustand ohne GPS-Verbindung. Ob das Lämpchen nun doppelt so schnell blinkt, kann man ohne Vergleich nur raten - ein Extralämpchen mit einer Signalfarbe wie grün für guten Empfang wäre sinnvoller. Abgesehen von derart nervigen Details ist das Gerät aber einfach zu bedienen.

Nikons GPS-Kompaktkamera bringt eine Menge Funktionen (GPS, vollautomatische Fotografie und manuelle Einstellungen von Blende und Verschlusszeit) im Großen und Ganzen logisch und leidlich intuitiv bedienbar unter. Sehr nützlich ist zum Beispiel die Play-Taste, mit der man während des Fotografierens schnell die letzten Aufnahmen überprüfen und dann mit einem Tastendruck wieder in den Aufnahmemodus zurückkehren kann. Zudem lässt sich eine Funktionstaste mit eigenen Menüpunkten belegen, und zwei Programmtasten rufen einmal gespeicherte Einstellungen für manuelle Aufnahmen ab.

Richtig dämlich ist hingegen die Akkuanzeige der Nikon-Kamera - die sieht man gar nicht, sucht im Handbuch nach einer Option zum Einschalten der Anzeige (nicht zu finden), bis sie dann irgendwann aufleuchtet, wenn der Akku zu etwa zwei Dritteln leer ist. Ärgerlich. Im Test war der Kameraakku etwa 20 Aufnahmen, nachdem die Anzeige zum ersten Mal aufleuchtete, leer.

Funktionsvielfalt

Nikons GPS-Kamera bietet viele Funktionen, doch gerade die GPS-Ortung reizt sie kaum aus. Der Photofinder Mini zeigt, was möglich wäre: Könnte man die Nikon-Kamera wie das Mini-Zubehör aus Taiwan ständig in einer Art GPS-Standby laufen und orten lassen, wäre die GPS-Funktion um einiges nützlicher und attraktiver.

Die Nikon-Kamera kann nur Bilder verorten (und zwar nur bei guten Empfang der Satellitensignale). Der Photofinder Mini macht nicht nur das zuverlässiger, weil er kontinuierlich die Position bestimmt - er holt aus der GPS-Funktion auch weit mehr heraus als die Nikon-Kamera. Man kann zum Beispiel alle Positionsdaten im Standardformat GPX exportieren, um so eine Route etwa bei Google Maps darzustellen oder gar fürs eigene Navigationsgerät zu speichern (eine mit dem Photofinder Mini aufgezeichnete Strecke sehen Sie unten).

Das leistet die GPS-Kamera nicht, obwohl es mit einer etwas ausgefeilteren Betriebssoftware problemlos möglich wäre.

Auch bei anderen Funktionen der P6000 stellt sich das Gefühl ein, dass die Kamera zwar alles kann, aber einiges davon doch nicht so richtig.

Fazit

Nikons GPS-Kompaktkamera bietet ordentliche Aufnahmequalität und viele für anspruchsvollere Hobbyfotografen interessante Funktionen wie manuelle Einstellungen und RAW-Format. Doch gerade das zwangsweise an Windows gefesselte RAW-Format und die so in den Vordergrund gestellte, aber bei weitem nicht ausgereizte GPS-Funktion enttäuschen - da wäre mehr drin gewesen.

Was zum Beispiel bei der GPS-Lokalisierung alles machbar ist, zeigt der taiwanesische Anbieter ATP mit seinem GPS-Zubehör Photofinder Mini. Das Gerät kann mehr und war im Test zuverlässiger als Nikons GPS-Kamera. Die P6000 kostet bei einem günstigen Online-Händler derzeit gut 439 Euro - der Photofinder Mini kostet in Deutschland 109 Euro .

Die P6000 ist als Kamera ordentlich, aber nicht überragend. Wer seine Digitalfotos unbedingt verorten will, ist mit dem externen GPS-Zubehör Photofinder Mini derzeit besser beraten als mit einer GPS-Kompaktkamera.

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