HD-Videos China macht blau

Weil Blu-ray-Player zu teuer sind, hat China ein eigenes HD-Videoformat entwickelt. Die ersten Player sollen in diesen Tagen auf den Markt kommen und deutlich billiger sein als die westliche Konkurrenz. Die chinesische Entwicklung erinnert an einen alten Bekannten.

Wenn man groß genug ist, muss man sich nicht um Standards kümmern. China ist groß genug. Deshalb kann es sich das Land mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern locker leisten, auch bei der Frage, wie man HD-Filme zu Hause abspielen soll, seinen eigenen Weg zu gehen. Die chinesische Lösung für dieses Problem heißt CBHD, China Blue High-definition DVD . In dieser Woche sollen die ersten passenden Player auf den Markt kommen.

Seit 2007 haben chinesische Entwickler an einem Gegenstück zu dem im Westen genutzten Blu-ray-Standard gearbeitet. Auslöser dafür war offenbar die Sorge, Blu-ray könnte für viele Chinesen zu teuer sein. Die mit Blu-ray verbundenen Lizenzgebühren, die einen nicht unerheblichen Teil der Gesamtkosten der Player ausmachen, hätten die Geräte für Anwender im viertgrößten Land der Welt unerschwinglich machen können. Da die CBHD-Technik komplett im eigenen Land entwickelt wurde, entfallen diese Kosten. Das Ziel war es, die Geräte rund 40 Prozent billiger anbieten zu können als entsprechende Blu-ray-Abspieler.

Die zugrundeliegende Technik erinnert in weiten Teilen an das von Toshiba als Konkurrent zu Blu-ray plazierte HD-DVD-Format. Wie beim mittlerweile weitgehend vom Markt verschwundenen HD-DVD-Standard ist auch bei CBHD die Kapazität mit 30 GB pro Datenträger geringer als bei Blu-ray (50 GB). Dafür sollen sich die CBHD-Medien ebenso wie HD-DVD-Platten auf denselben Fertigungsanlagen herstellen lassen wie herkömmliche DVDs, was einen nicht unerheblichen Kostenfaktor ausmacht.

Als Kopierschutz kommt bei dem chinesischen System vorerst dasselbe AACS zur Anwendung, das auch illegale Kopien von Blu-ray-Discs verhindern soll. Allerdings wird bereits an einem chinesischen Verschlüsselungssystem gearbeitet, das künftig zumindest chinesische Produktionen schützen soll. Als erstes westliches Filmstudio hat sich Warner Bros. zur CBHD bekannt und will in diesem Jahr noch rund hundert Titel auf den Markt bringen, darunter Blockbuster wie die Harry-Potter-Filme und Produktionen wie "Der goldene Kompass".

Das Ziel, die Kosten von Blu-ray-Geräten deutlich zu unterbieten, haben die Chinesen allerdings verfehlt. Mehr als 200 Dollar sollen die ersten CBHD-Player der Hersteller Shinco  und TCL  kosten. Teurer sind Blu-ray-Player aus dem Einstiegssegment auch nicht. Bis Weihnachten, so vermuten Experten, werde es Blu-ray-Geräte geben, die die magische Preismarke von 100 Dollar unterschreiten. Um das zu unterbieten, müssen sich die CBHD-Hersteller mächtig ins Zeug legen.

mak