Heimverdrahtung Kampf dem Kabel-Chaos

Je mehr Elektronik im Haus steht, desto mehr hässliche Kabel ziehen sich durch Zimmer und Gänge. Organisationssysteme von Spezialfirmen können helfen Leitungen und Stecker zu bändigen - haben aber ihren Preis.

Er nervt beim Staubsaugen, ist gefährlich beim Spielen und bietet keinen schönen Anblick: Kabelsalat, der zu Hause durch immer neue Geräte moderner Unterhaltungs- und Kommunikationstechnik entsteht. Drucker, Scanner und DVD-Brenner am Schreibtisch, diverse Player und Tuner im Wohnzimmer. Die Flut an Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik hat das Problem in den vergangenen Jahren eskalieren lassen. Auch kabellose Netzwerke wie W-Lan fürs Internet oder WiMAC@home  (Wireless Media and Control at home) im Wohnzimmer werden nach Worten des Münchner EDV-Experten Heinz W. Nothofer keine Lösung bieten: "Sie leisten zwar die drahtlose Verbindung der Geräte miteinander, nicht aber ihre Stromversorgung, die stets per Kabel von der Steckdose erfolgt."

Wer dennoch dem Kabelwirrwarr ein Ende setzen möchte, sollte intelligent planen. Das beginnt im Idealfall schon beim Kauf der Möbel oder der HiFi-Anlage, sagt Nana Tiedtke vom Hamburger Design-Center "stilwerk": "Einige Schreibtisch-Hersteller bieten Modelle mit aufklappbaren Tischplatten an, durch die das Kabel gleich hinter dem Gerät verschwindet und weiter unsichtbar durch ein Tischbein verläuft." Auch für die Unterhaltungselektronik im Wohnzimmer, so Nana Tiedtke, sind pfiffige Lösungen auf dem Markt.

Speziell entwickelte Medien-Schrankwände bringen die Leitungen in großzügigen integrierten Kabelkanälen unter. Einige Premium-Hersteller von HiFi-Geräten verstecken das Kabel im Stativ und bieten optisch abgestimmte Fußleisten für den weiteren Weg zur Steckdose an.

Materialpreis ab 20 Euro pro Meter

"Für viele Anwender aber hört das Thema Kabelmanagement am Fußboden auf", sagt Diplom-Ingenieur Maximilian Rüttiger. Zwischen Schreibtisch und Steckdose herrscht dann wieder Chaos. Der Architekt aus dem oberbayerischen Unterwössen hat ein multifunktionales und zudem formschönes Kabelführungssystem  entwickelt, das die gesamte Strecke vom Endgerät bis zur Steckdose abdeckt und überwiegend für den professionellen Bürogebrauch angeboten wird.

Die dehnbaren Kabelführungsketten mit integrierbaren Schnittstellen und Bodenauslassteilen können nach einem einfachen Reißverschluss-Prinzip bis zu 25 Kabel aufnehmen und eignen sich nach Rüttigers Angaben auch für den Hausgebrauch im Eigenheim - zu einem Materialpreis ab 20 Euro pro Meter.

Billiglösungen können Nachteile haben

Billigere Lösungen bieten Baumärkte oder der Elektrofachhandel mit einfachen Kunststoff-Kabelkanälen für die Fußleiste sowie Kabelschläuchen und -spiralen, die mehrere parallel verlaufende Kabel grob bündeln können. Und wer ganz sparsam Kabelordnung schaffen will, greift auf verschiedenfarbige Textil-Kabelbinder mit Klettverschluss zurück, mit denen sich zu lange Kabel einzeln aufwickeln lassen.

EDV-Fachmann Heinz W. Nothofer warnt jedoch vor dem Einsatz von derlei Stückwerk: "Wenn man aus so einer Spirale nur ein einziges Kabel entfernen oder hinzufügen will, muss man doch alles neu auf- und hinterher wieder einwickeln." Viel praktischer seien längsgeschlitzte Kabelschläuche für einzeln herausnehmbare Leitungen.

Besser sei es in jedem Fall, wenn die gesamte Kabelorganisation aus einer Hand stammt und die Bausteine aufeinander abgestimmt sind, so Nothofers Erfahrung: "Die schönste Kabelbox nützt doch wenig, wenn die Steckerleiste nicht hineinpasst." Weil er als PC-Dienstleister häufig zu Reparatur-Aufträgen gerufen wurde und dann feststellen musste, dass infolge Kabelsalat nur ein Stecker locker war, bietet auch Nothofer seit einigen Jahren ein Kabelführungssystem  mit Schläuchen, Brücken, leisten und Boxen an, mit dem auch geübte Heimwerker bei der Installation zurechtkommen.

Thomas Voigt/ddp