Hightech-Prosa "Fortgeschrittene Unterhaltungs-Anlage"

Man kann eine mit Elektronik vollgestopfte Kiste einfach nur XV604-i7 nennen. Oder aber man bewirbt sie poetisch als „Advanced Living Entertainment System“. Weitere Spielsachen für heute: Golfbälle und Gartenblumen, die leuchten, und ein sündhaft teurer CD-Player.

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Echt Esoterisch

Sie dachten die Super Audio CD, kurz SACD, sei tot? Von wegen. Statt endlich von dem Versuch abzulassen, mit der SACD die Audio-CD abzulösen, kommen tatsächlich immer noch neue Geräte auf dem Markt, die diesen vergeblichen Standard unterstützen. Verstehen kann man das ja noch bei Sonys Playstation 3. Für die ist SACD-Fähigkeit nur ein Feature von vielen, läuft unter „ferner liefen“ und wird zusätzlich verkrüppelt, da man sie ausschließlich durch den HDMI-Ausgang der Konsole abhören kann.

Aber es gibt auch noch Firmen, die sich tatsächlich trauen, dedizierte SACD-Player auf den Markt zu bringen. TEAC ist so eine Company. Unter dem hauseigenen Edel-Label Esoteric will die Firma Anfang 2007 den X-01 D2 herausbringen. Schon auf den ersten Blick sieht man ihm an, dass er keine Allerwelts-Hifi-Komponente ist. Der Begriff „Bolide“ passt bestens zu dem wuchtigen Gerät. Den vielen Platz füllten die Konstrukteure mit einem VRDS-Neo-Laufwerk, Magnesium-Drehteller und bürstenlosem 3-Phasen-Spindelmotor. Außerdem wurde er mit einem Multibit Sigma-Delta DAC vom Typ AS1955 sowie dem PCM1704 von Texas Instruments ausgestattet. Alles klar? Wenn nicht, macht’s auch nichts. Bei einem Preis von rund 10.000 Euro darf man erwarten, vom Händler über die Vorzüge dieser Ausstattungs-Details aufgeklärt zu werden.

Sophisti-cated

Den Benamungs-Experten scheinen die Worthülsen einfach nicht auszugehen. Als „Advanced Living Entertainment System“, als „Fortgeschrittene Leben Unterhaltungs-Anlage“ also, bezeichnet Hersteller JVC seine Marke Sophisti. Die Pressemitteilung zu den ersten Geräten dieser Marke beschränkt sich wenigstens bescheiden darauf, die AV-Komplettanlagen DD-3 und DD-8 als „Home Entertainment-Systeme“ zu bezeichnen. Dem Anspruch, den diese Bezeichnung erhebt, könnten sie auch, zumindest teilweise, gerecht werden. Denn, obwohl sie sich mit DVD-Player, Radio-Tuner, Verstärker und kunstvoll gestalteten Lautsprechern den Anschein geben, gewöhnliche Audio-Anlagen zu sein, steckt doch mehr dahinter.

In die Geräte integriert, versieht nämlich ein Streaming-Client seinen Dienst. Der soll via Netzwerkkabel Musik und Filme vom PC ins Wohnzimmer saugen. Damit das auch mit unterschiedlichen Plattformen klappt, wurde er kompatibel zum DLNA-Standard ausgelegt. Der soll dafür sorgen, dass Geräte unterschiedlicher Hersteller untereinander Daten austauschen können. Die Liste der unterstützen Format enthält fast alles, was heute multimedial die Festplatten bevölkert. Sie reicht von MP3 über WMA und MPEG 4 bis zu DivX. An kopiergeschütztem Material, etwa Download-Songs von Musicload, dürften sich aber auch die Sophisti-Geräte die virtuellen Zähne ausbeißen. Die Preise gibt der Hersteller mit 999 Euro für das Modell DD-3 und 1799 für das soundmäßig aufgemotze Systeme DD-8 an.

Sonnen-Blumen für den Winter

Gartenbesitzern graut es derzeit beim Blick aus dem Fenster. Da können auch die spätsommerlich warmen Temperaturen nichts ändern, die Blumenpracht des Sommers ist hin. Doch damit muss sich kein Flora-Fan zufrieden geben. Statt auf den Frühling zu warten, kauft man lieber Solar-Blumen von Earthtech. Die erfreuen tagsüber mit ihrer wetterbeständigen Voll-Kunststoff-Blütenbracht und erleuchten in der Abenddämmerung - illuminiert von einer LED-Lampe, die ihr Licht über dutzende Glasfaser-Stränge nach außen leitet. Ökologisch korrekt wird die dazu notwendige Energie natürlich tagsüber von einer Solarzelle gesammelt. Vielleicht wäre das auch mal eine nette Alternative zu den weihnachtlich beleuchteten Tannenbäumen, die sich zur Zeit ihren Weg in die Vorgärten bahnen.

Zwielichtige Golfbälle

Ebenfalls prima für die dunkle Jahreszeit scheinen die australischen Twilight Tracer-Golfbälle geeignet zu sein. Deren Highlight ist, dass sie nach dem Abschlag fünf Minuten lang Lichtsignale aussenden. Um das zu schaffen wurde ihnen vom Hersteller eine 5 Volt-Lithium-Batterie implantiert. Deren Energie soll für rund 80 Stunden Dauerbetrieb oder umgerechnet rund 900 Abschläge ausreichen. Damit, so der Hersteller, schafft selbst der schlimmste Golf-Versager acht bis neun Spiele. Also, nichts wie ran und die langen Winternächte durchgespielt – zumindest, solange noch kein Schnee liegt.



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