Ifa-Neuheiten Öko-Fernseher und plappernde Herde

Stromsparende Fernseher, hochauflösende Heimkinos und Kochfelder, die mit der Dunstabzugshaube schwatzen: Die Internationale Funkausstellung in Berlin wird wieder einmal etliche Heimelektronik-Neuheiten bringen. Besonders spannend: Erstmals werden auch Haushaltsgeräte präsentiert.

Bislang ging es bei Flachbildfernsehern vor allem darum, immer größer zu werden - bei zunehmender Auflösung und Bildqualität. Angesichts rasant steigender Energiekosten und der Debatten über Klimaschutz wird jedoch immer wichtiger, ob die Geräte denn auch wenig Strom verbrauchen und damit den Geldbeutel schonen. Und so werben nahezu alle Hersteller in diesem Jahr auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin (Ifa) damit, dass ihre flachen Schönlinge energieeffizient seien.

Toshiba, Loewe, Metz, Sony, Sharp, Philips, Grundig und Co. bieten mittlerweile LCD- und Plasma-Fernseher an, die deutlich weniger Strom benötigen als frühere Geräte. Im Schnitt verbrauchen sie im Stand-by-Betrieb - mit teilweise weniger als einem Watt - im Vergleich zu drei Jahre alten Apparaten 25 bis 30 Prozent weniger. Im Vergleich zu 1997 ist der Verbrauch sogar auf ein Sechstel gesunken. Grundigs Top-Modell "Toronto" soll im Stand-by sogar überhaupt keinen Strom benötigen.

Weitere Einsparmöglichkeiten bieten neue Bildschirm-Technologien wie die Hintergrundbeleuchtung mit LEDs. Sharp etwa hat einigen seiner Geräte einen zuschaltbaren sogenannten Eco-Modus spendiert, in dem die Hintergrundbeleuchtung von Hand heruntergeregelt werden kann. Bei einigen Samsung-Modellen lassen sich in dunklen Bereichen des Bildes sämtliche LEDs an dieser Stelle des Bildschirms dimmen oder ganz ausschalten, wodurch die dunklen Bereiche pechschwarz wirken - was natürlich Strom spart.

Darüber hinaus enthalten viele Neuheiten weniger Schadstoffe. Das liegt unter anderem daran, dass bei der Herstellung weniger toxische Substanzen eingesetzt wurden. So ist beispielsweise bleifreies Löten zum Standard geworden.

Kühlschrank mit DVD-Spieler

Energieeffizienz ist aber nicht nur in der Unterhaltungselektronik zum Top-Thema geworden. Auch bei den Haushaltsgeräten steht sie im Vordergrund. Und die werden erstmals auf der Ifa präsentiert.

Fast alle großen Markenhersteller - von Siemens, Miele über Bosch bis Electrolux oder Jura - sind dabei und zeigen multifunktionale Kühlschränke, Wäschetrockner, Herde, Kaffeemaschinen, Waschmaschinen oder Dampfgarer für vitaminschonendes Kochen. Auch sie werben mit Energieeffizienzklassen. So präsentiert beispielsweise LG einen besonders umweltfreundlichen Kühlschrank, der mit LCD-Display und DVD-Player ausgestattet ist. Das Gerät kostet allerdings satte 3.300 Euro. Miele präsentiert eine Technik, bei der Herd und Dunstabzugshaube über die Stromleitung miteinander kommunizieren. Dadurch soll der Dampf optimal abgesaugt werden.

Designer-Spielwiesen

Im Vordergrund stehen aber natürlich die klassischen Multimedia-Geräte, die neuesten Bildschirme, Navigationsgeräte, Notebooks, Handys, Digitalkameras, Camcorder und Audio-Anlagen.

Loewe präsentiert Bildschirme mit Diagonalen bis zu 119 Zentimetern, die in der Tiefe nur neun Zentimeter messen und das hochauflösende Fernsehen HDTV in höchster Auflösung zeigen können.

Bei Philips und Samsung werden die Fernsehgehäuse zu Designer-Spielwiesen: In die Rahmen eingebaute Lampen tauchen Bildschirme und Umgebung in wechselndes Farblicht.

Zudem sind sie zum Teil mit Festplatten ausgestattet, so dass Filme und Videos aufgezeichnet und zeitversetzt angeguckt werden können. Standard sind auch USB-Eingänge, so dass Fotos, Musik und Videos von angeschlossenen Speichern oder Kameras wiedergegeben werden können. Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich auch Heimkino-Projektoren mit HD-Auflösung. Die Beamer werden immer günstiger, sie sind für unter 1500 Euro zu haben.

Die Navigationsgeräte präsentieren 3-D-Grafiken und beziehen tageszeitliche Schwankungen im Verkehrsaufkommen mit in die Routenberechnung ein. Das Abrufen zusätzlicher Tipps zu Hotels und Restaurants sowie zu Stadtführern ist dank mobiler Internet-Anschlüsse selbstverständlich. Einige Geräte kennen sogar Parkhauspreise.

Blu-ray auf dem Vormarsch

Nachdem der Formatkampf um die DVD-Nachfolge im Frühjahr zugunsten der Blu-ray Disc entschieden wurde, bieten viele Hersteller Player an, mit denen man Flachbildschirme und Beamer mit hochaufgelösten Inhalten füttern kann. Trotzdem wird es nicht einfach, die Konsumenten vom neuen System zu überzeugen und von der DVD abzubringen. Zwar können die Filme in höchster Qualität gesehen werden, aber die Scheiben sind teuer, 25 bis 30 Euro pro Film. Die Abspielgeräte sind mittlerweile für 300 Euro zu haben.

Die IFA, die vom 29. August bis 3. September geöffnet ist, sieht sich wieder als Motor für die gesamte Branche. Und der geht es momentan recht gut. Sie setzte 2007 rund 23,2 Milliarden Euro um, dazu kamen weitere 4,5 Milliarden Euro aus dem Geschäft mit Haushaltsgeräten.

In diesem Jahr werden zur IFA weit über 1200 Aussteller aus aller Welt erwartet. Die Veranstalter rechnen mit einem Ordervolumen von 2,75 Milliarden Euro, ähnlich wie 2007. Und wie damals sollen sich wieder mehr als 220.000 Besucher über die Neuheiten freuen.

Holger Mehlig/AP

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