iPod-Sperre Hacker tricksen Apple aus

"Wir haben gewonnen!" Mit dieser Aussage verkünden Linux-Hacker selbstbewusst, dass sich Apples neue iPods nun doch mit Linux-Rechnern abgleichen lassen. Einige Tage ging das nicht - dann war der Schutz geknackt.


Das Problem: Jeder iPod führt in einer Datenbank Buch darüber, welche Musikstücke, Fotos und Videos auf ihm abgelegt sind. Diese Datenbank namens "iTunesDB" ist in einem unsichtbaren Verzeichnis im Speicher des Players abgelegt. Bisher war es für Programmierer jedoch kein Problem an diese Datenbank heranzukommen, sie auszulesen, zu verändern und wieder auf dem iPod zu speichern.

Die aktuellen iPods: Von Apple per Software vor Linux "geschützt" - für ein paar Tage

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Auf diese Weise konnte man den iPod auch mit anderen Programmen als Apples iTunes mit Daten beladen. Auf Windows-PCs wurden damit beispielsweise der beliebte Winamp oder das multifunktionelle Anapod zur Anlaufstation für den iPod. Noch wichtiger war die Datenbank aber für Linux-Anwender, denn für Linux gibt es kein iTunes. Alternativprogramme wie beispielsweise gtkpod füllen diese Lücke aber problemlos aus - bisher.

Mit den neuen iPods veränderte Apple die iTunesDB nun aber. Auf einmal, so heißt es auf dem Blog ipodminusitunes, sei die Datei mittels eines verschlüsselten Prüf-Codes an einen bestimmten iPod gebunden. Sobald von außen irgendwelche Veränderungen an der Datenbank vorgenommen werden passt der Code nicht mehr. Die Datenbank wird unbrauchbar und der iPod meldet, er sei leer. Man sollte meinen, damit sei es künftig unmöglich iTunes-Alternativen mit dem iPod zu benutzen.

Ein Hack für Spezialisten

Doch dem ist nicht so. Binnen weniger Tage fanden eifrige iPod-Tüftler heraus, nach welchem Schema der Verschlüsselungscode zusammengesetzt ist. US-Student William Wolf beschreibt auf seiner Homepage den fünfteiligen Vorgang, wie man die Datenbank für einen einmaligen Linux-Abgleich manipulieren muss.

Um anderen Anwendern den Vorgang leichter zu machen, stellt Wolf ein kleines Programm bereit, welches die meisten Schritte automatisiert. Der Haken: Auch bei dieser Variante muss man Wolfs Programm vor jedem Datenabgleich mit dem iPod einmal starten. Vom üblichen iTunes-Komfort ist dieses Vorgehen meilenweit entfernt. Nutzt man die Apple-Software, wird ein angeschlossener iPod automatisch erkannt und mit dem Rechner abgeglichen.

Apple gibt nicht auf

Der Freude der Hacker tut das freilich keinen Abbruch. Sie sind zufrieden, Apples Verschlüsselungscode geknackt zu haben. Damit sind sie dem iPod-Hersteller wieder einen Schritt voraus - und diesen Vorsprung genießen sie.

"Lasst uns hoffen, dass Apple jetzt gelernt hat, dass es sinnlos ist, uns zu bekämpfen", tönt es auf der ipodminusitunes-Webseite. Jegliche Bemühungen seitens Apple seien nur Zeitverschwendung angesichts der Tatsache, dass der neue iPod-Schutz binnen eines Wochenendes geknackt werden konnte.

Apple-Chef Steve Jobs freilich wird das anders sehen. Anlässlich der Bekanntgabe des iPhone-Abkommens mit T-Mobile in Berlin hatte Jobs erklärt, der Kampf mit den Hackern sei ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel. Apple werde sich nicht geschlagen geben. Das nächste Software-Update dürfte die iPod-Sicherheitslücke also wieder schließen.

mak



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