Jetzt offiziell Computerspiele sind Kultur

Literatur, Musik, darstellende Kunst, Tanz, Film, Architektur: Was das Label "Kultur" trägt, ist quasi mit höheren Weihen geschmückt. Nun ist auch die Spielebranche im Deutschen Kulturrat vertreten - als Branche, die Kreative aus allen denkbaren Bereichen beschäftigt.

Berlin - Computer- und Konsolenspiele zählen jetzt auch hochoffiziell zur Kultur. Der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen (Game) ist nach zähen Diskussionen am Donnerstag als Mitglied im Deutschen Kulturrat  aufgenommen worden. Zur Begründung hieß es, die Branche sei Auftraggeber für Künstler unterschiedlichster Sparten wie Designer, Drehbuchautoren bis hin zu Komponisten.

Der Verband Game wurde in die Sektion Film und Audiovisuelle Medien des Kulturrats aufgenommen. Der Verbandsgeschäftsführer Malte Behrmann sprach von einem "Meilenstein für die deutsche Medienpolitik".

Zum ersten Mal sei ein Verband der Spieleindustrie im kulturellen Politikumfeld institutionell verankert worden. "Damit ist die Spieleindustrie endgültig im kulturellen Bereich angekommen", lautete sein Fazit.

Der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann, sagte, er freue sich sehr über den Neuzugang. "Im letzten Jahr galt es so manchen Strauß auszufechten, wenn es darum ging, deutlich zu machen, dass Computerspiele zum Kulturbereich gehören."

Der Deutsche Kulturrat ist ein Verein, der sich als Ansprechpartner der Politik und Verwaltung des Bundes, der Länder und der Europäischen Union versteht. Ihm gehören mehr als 200 Verbände in acht Sektionen an.

Spielebranche: Anhaltender Boom

Die Computerspielebranche ist dabei zusammen mit der Filmindustrie der umsatzstärkste Zweig der Kulturindustrie. Der Computerspielemarkt steuert auch 2008 auf ein weiteres Rekordjahr zu.

Im ersten Halbjahr setzte die Branche insgesamt 1,05 Milliarden Euro mit Konsolen sowie Spielprogrammen um, wie der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) am Donnerstag mitteilte. Das ist ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2007. Damals lagen die Umsätze noch bei 873 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr 2008 erwartet der Verband ein Plus von 13 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2007 lag der Wert noch bei 2,3 Milliarden Euro, 2006 bei 1,8 Milliarden.

Verbandsvizepräsident Achim Berg sagte: "Wir erleben ein strukturelles Wachstum, auch durch neue Käuferschichten." Der Games-Markt sei in Deutschland heute mindestens so bedeutend wie andere Zweige der Unterhaltungsbranche, etwa die Film- oder Musikindustrie.

"Mit einem Unterschied: Der Games-Markt wächst rasant", sagte Berg. Allein die Zahl der verkauften Konsolen habe sich innerhalb weniger Jahre fast verdoppelt.

Vom 21. bis zum 24. August findet in Leipzig die Computerspielmesse Games Convention in Leipzig statt. Präsentiert werden dieses Jahr rund 250 Neuheiten. Mit mehr als 500 Ausstellern und über 185.000 Besuchern peilt die Schau neue Rekorde an. Tausende Journalisten und Fachbesucher aus rund 60 Staaten werden zu der europäischen Leitmesse für elektronische Unterhaltung erwartet.

pat/AP

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.