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06. Mai 2009, 17:54 Uhr

Kindle DX

Amazon stellt Riesen-E-Book vor

Von und

Amazons E-Book-Reader bekommen gewaltigen Zuwachs: Mit dem Kindle DX stellt der Online-Versender ein Modell vor, das seine Vorgänger und Konkurrenten in jeder Hinsicht übertrifft - auch was den Preis angeht.

Größer ist besser? Und wenn ja, wie viel? Amazons Kindle DX jedenfalls ist viel größer als die anderen und dürfte für reichlich Diskussionsstoff bei Liebhabern elektronischer Lektüre sorgen. Denn während die Vorgängermodelle zumindest noch in Mantel- und Jackentaschen untergebracht werden konnten, ist das DX-Modell dafür viel zu groß: Fast auf DIN-A4-Format bringt es das neue Lesegerät.

Damit stößt der Kindle nicht nur in eine neue Dimension der Größe vor, sondern erreicht auch beim Preis neue Höhen. 489 Dollar kostet das Gerät auf Amazons Web-Seite. Das sind 13 Dollar Aufpreis für jeden Zentimeter zusätzlicher Bilddiagonale, die der DX gegenüber dem Kindle 2 aufbringt. Während dessen Bildschirm bescheidene 6 Zoll (15 Zentimeter) misst, bringt es sein großer Bruder auf stattliche 9,7 Zoll, also 25 Zentimeter.

Eine Farbdarstellung, wie sie von einigen Medien erwartet wurde, ist ihm dagegen nicht zuteil geworden: Das Display bleibt monochrom, zeigt Bilder wie beim Kindle 2 mit 16 Graustufen an. Dafür hat der Bildschirm kräftig an Auflösung zugelegt. Statt der 800 x 600 Pixel beim Vorgänger sind es nun 1200 x 824 Bildpunkte, was einer glatten Verdoppelung der Auflösung entspricht.

Doppelt so viel Speicher, genau so dünn wie bisher

Da wundert es nicht, dass Amazon den neuen mit dem Slogan "Wireless Reading just got bigger" bewirbt. Dabei wirkt der DX auf den ersten Blick wie ein Kindle 2, den man aufgepumpt hat. Aber dieser Eindruck trügt. Zumindest dicker ist er nicht geworden. Trotz der gewonnenen Bildschirmfläche ist der neue Kindle immer noch nur rund einen Zentimeter dick - oder eher dünn. Das könnte allerdings Stabilitätsprobleme bringen, schließlich muss das Gehäuse jetzt mehr Verwindungskräfte verkraften als beim Vorgänger.

Aber nicht nur den Bildschirm, auch den Speicher hat Amazon kräftig aufgerüstet. Insgesamt 3,3 Gigabyte sollen nun für Bücher bereitstehen. Laut Herstellerangabe genug für 3500 Bücher. Der Kindle 2 konnte nicht einmal halb so viel Lesestoff unterbringen.

Neu beim Kindle DX ist auch die in der Betriebssoftware integrierte PDF-Darstellung. So kann man ohne umständliche Vorab-Umwandlung eigene PDF-Dokumente auf dem Gerät anzeigen - zum Beispiel digitalisierte Buchversionen aus Googles Buchsuche, bei denen das Urheberrecht abgelaufen ist. Bei der Präsentation zeigte Amazon-Chef Jeff Bezos die PDF-Versionen von etwas, das man leider nicht genau entziffern konnte - die Live-Aufnahme des Kindle in Bezos Hand wurde spiegelverkehrt an die Wand geworfen. Bezos müht sich mit mehreren Seiten ab, kommentiert dann laut Engadget trocken: "Sie können sehen, wie gut die Bildschirmdarstellung sogar spiegelverkehrt aussieht."

Enormer Anteil von Digitalbüchern

275.000 digitalisierte Bücher habe Amazon mittlerweile im Angebot, verkündete Firmengründer Jeff Bezos bei der Präsentation des Riesen-Kindle in New York. Das sind fast dreimal so viele wie beim Start des Kindle Ende 2007. Zu den Verkaufszahlen der Digitalversionen bemerkt Bezos laut dem Engadget-Reporter vor Ort in einer Randbemerkung: Bei den Titeln mit Kindle-Ausgabe machen die Digitalversionen inzwischen 35 Prozent der Verkäufe insgesamt aus.

Bisher jedoch ist der Kindle DX wie er heute der Presse gezeigt wurde ein Einzelstück, ein Prototyp und Vorführmodell. Wer sich das Gerät anschaffen will, muss noch etwas Geduld mitbringen. Vorbestellungen werden zwar schon angenommen, ein konkreter Liefertermin aber noch nicht genannt. Irgendwann im Sommer soll es soweit sei, aber der kann lang werden.

Ein Problem bleibt

Andererseits gibt die Wartezeit Kaufinteressenten die Gelegenheit, sich schon einmal nach einem passenden Transportgefäß umzusehen. Ein Rucksack vielleicht oder eine Notebook-Tasche - oder eine von den ausdauernden blauen Kunststofftaschen, mit denen ein schwedisches Möbelhaus seine Kunden nach Hause schickt.

Deutsche E-Book-Interessenten allerdings müssen sich weder in Amazons DX-Warteliste eintragen noch Rucksäcke oder Taschen kaufen. Bisher ist der Verkauf des Kindle, egal ob klein oder groß, hierzulande nicht vorgesehen. Darüber, wann sich das ändern könnte, schweigt die deutsche Dependance des Online-Riesen beharrlich.

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