Leichtbau-Laptop Wunderflunder mit Sonnenlicht-Display

Er ist leichter als der EeePC, fast so schlank wie das Macbook Air und sein Bildschirm leuchtet bei Sonnenlicht ganz stromlos: Mit dem Portégé R500 will der japanische Toshiba-Konzern Computer-Nomaden eine Last abnehmen. Ob das klappt?

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Mein Gott ist das leicht. Lässige 779 Gramm balanciere ich in meiner Hand, nachdem ich das silbrig glänzende Notebook aus dem Karton geschält habe. Dagegen fühlt sich sogar der viel kleinere EeePC, der gerade noch zum Test da ist, an wie ein Wackerstein. Dabei gehört er mit seinem knappen Kilogramm eigentlich schon zu den Leichtgewichten unter den Mobil-PCs. Doch nicht nur im Gewicht unterscheiden sich der schlanke Toshiba-Laptop mit der Bezeichnung Portégé R500 und sein kleiner Konkurrent.

Weit eindrucksvoller als die rund 200 Gramm Gewichtsdifferenz ist der gewaltige Preisunterschied. Fast zehnmal mehr als ein EeePC kostet der Leichtbau-Laptop: Rund 2.800 Euro sollte man ins Portemonnaie stecken, bevor man sich mit Kaufabsicht zum Toshiba-Händler aufmacht. Nach dem ersten Eindruck kann ich mir kaum vorstellen, dass dieser Preis gerechtfertigt ist. Zu labberig fühlt sich das ganze an. Das Gehäuse sieht aus wie aus Plastik, der Bildschirm lässt sich biegen, leistet kaum Widerstand. Was ist das, verglichen mit der massiven Anmutung des ganz in Aluminium gewandeten Macbook Air von Apple?

Doch der erste Eindruck täuscht. Was ich für Plastik gehalten habe ist eine hochmoderne Magnesium-Legierung. Die ist robust und gleichzeitig leicht, verfügt über eine hervorragende Wärmeleitfähigkeit. So kann die Hitze der elektronischen Bauteile oft auch ohne die Hilfe eines lärmenden Luftquirls nach außen transportiert werden. Das klappt oft, aber nicht immer, wie ich später feststelle. Immerhin: selbst wenn der Lüfter anspringt, hält sich sein Lärmpegel in engen Grenzen, ist kaum störend.

Schutz vor neugierigen Blicken

Und auch die Verwindbarkeit des Bildschirmdeckels hat System. Wäre er steif und starr liefe man Gefahr, das teure Display beim Biegen zu brechen. So elastisch wie er aber ist, federt er so manchen Stoß lässig ab. Billig sieht es trotzdem aus. Und billig scheint auf den ersten Seitenblick das Display selbst zu sein. Denn je weiter man seinen Kopf von der Mitte des Bildschirms entfernt, umso stärker verändern sich die Farben und umso dunkler wird das Bild. Blickwinkelabhängigkeit nennt man das, und die sollte idealerweise möglichst gering sein. So aber taugt das Gerät kaum, um davor in gemütlicher Runde einen Film zu anzuschauen.

Doch dazu laden die 12,1 Zoll Bilddiagonale ohnehin nicht ein. Der R500 ist nur für einen gemacht, den Anwender, der direkt davor sitzt. Und wenn ich noch mal darüber nachdenke, klärt sich auch, warum der etwas eingeschränkte Blickwinkel durchaus sinnvoll sein könnte. Schließlich ist das Portégé kein Multimedia-Spieltop, sondern ein leichtfüßiges, hochpreisiges Arbeitspferd. Und als solches verbirgt es, woran man gerade arbeitet, vor neugierigen Blicken mitreisender Businessclass-Flieger.

US-Käufer bekommen doppelt so viel Speicher

Ohnehin ist das Display aus technischer Sicht ein Highlight. Um Strom, Platz und Gewicht zu sparen, wird es von LED-Lampen beleuchtet. Die sorgen für eine gleichmäßigere Ausleuchtung des Bildschirms als die sonst üblichen CCFL-Lampen und sollen überdies viel länger halten. Aber das haben auch schon andere Hersteller in ihre High-End-Laptops eingebaut. Was allerdings neu und ungewöhnlich an diesem Bildschirm ist, offenbart sich bei einer Terrassen-Surftour an einem sonnigen Sommertag. Wenn nämlich die Sonne scheint, schaltet sich die Hintergrundbeleuchtung vollständig ab - das spart Strom. Damit man dann trotzdem noch ein Bild erkennen kann, ist der Bildschirm in sogenannter Transflektivtechnologie konstruiert. Bisher gab es so etwas nur bei einigen Taschencomputern (PDAs). Der Trick: Hinter dem Bildschirm wird eine von hinten durchlässige Spiegelfolie angebracht, die das einfallende Licht reflektiert und so die Bildschirmfarben erzeugt. Im Test funktionierte das sogar recht gut. Logisch, die Farben sind bei weitem nicht mehr so brillant wie im Normalmodus, verglichen mit Standard-Notebooks ist das transflektive Display aber ein Riesenschritt nach vorn.

Ohnehin ist der flache Portégé mit allem vollgestopft, was heutzutage gut und teuer ist - irgendwie muss der Preisunterschied gegenüber den Billigangeboten ja begründet werden. So kann man bei nahezu unverändertem Preis wählen, ob man lieber eine 160-Gigabyte-Festplatte herkömmlicher Bauweise oder eine SSD-Festplatte mit nur 64 Gigabyte haben möchte. Letztere war im Testgerät eingebaut und erfreute vor allem dadurch, dass sie das vorinstallierte Windows Vista Business ausgesprochen flink in den Arbeitsspeicher beförderte. Schade nur, dass man sich hierzulande noch mit dem engen 64-GB-Modell bescheiden muss. In den USA wird seit kurzem ohne Aufpreis eine 128-GB-SSD-Festplatte eingesetzt. Ob und wann die auch in Deutschland R500-Standard wird, konnte man mir bei Toshiba nicht sagen.

Schlappe beim Bildschirmanschluss

Was mir im Vergleich mit dem Macbook Air auffällt ist, dass Toshiba trotz der Enge des Gehäuses einen vollständigen Satz Anschlussbuchsen unterbringen konnte. Wo man sich als Apple-Nutzer mit einem Trio aus USB, Audio- und Monitoranschluss begnügen muss, ist der Portégé geradezu üppig ausgestattet. Immerhin drei USB- und eine Firewire-Buchse stehen bereit. Zudem ein Netzwerk- und zwei Audioanschlüsse. Was mich freilich enttäuscht: Trotz all der Hochtechnologie soll man externe Monitore über einen längst veralteten analogen VGA-Stecker anschließen. Das geht ja nun gar nicht. Natürlich werden Mobil-Präsentatoren dagegenhalten, den bräuchte man, um beim Kunden den Beamer anzuschließen. Aber mal ehrlich: Nicht nur jeder ordentliche Flachbildschirm, auch jeder moderne Business-Beamer hat längst einen digitalen DVI-Anschluss. Und wenn nicht, hilft ein billiger DVI-nach-VGA-Adapter aus dem Elektronik-Supermarkt.

Technische Daten: Toshiba Portégè R500

Prozessor 1.33 GHz Intel Core 2 Duo U7700
Arbeitsspeicher 2 Gigabyte
Festplatte 64 GB SSD oder 160 GB SATA
Drahtlose Schnittstellen UMTS, HSDPA, EDGE, GPRS, W-Lan (802.11a/gb//n), Bluetooth
Betriebssystem Windows Vista Business
Abmessungen 283 x 215,8 x 19,5 (vorne) / 25,5 (hinten) mm
Gewicht 779 bzw. 979 Gramm
Bildschirmgröße 12.1 Zoll
Bildschirmauflösung 1280 x 800 Pixel
Preis ca. 2800 bis 2900 Euro

Für die Schlappe beim Bildschirmanschluss entschädigt die hervorragende Akku-Laufzeit. Gut fünf bis sechs Stunden hielt der Stromspeicher das Gerät im Arbeitsalltag unter Dampf. Von den versprochenen acht Stunden ist das zwar ein gutes Stück weit entfernt, macht sich aber im Vergleich zu vielen Standard-Laptops ziemlich gut. Andere Tester geben an, sie hätte bis zu siebeneinhalb Stunden Dauerlauf erreicht. Verantwortlich dafür ist neben dem sparsamen Display und der SSD-Festplatte vor allem der Prozessor. Bei dem handelt es sich um eine sogenannte ULV-Variante (Ultra Low Voltage) aus Intels Core-2-Duo-Reihe. Der ist zwar mit 1,33 Gigahertz ziemlich schwachbrüstig, dafür aber umso genügsamer. Und für die tägliche Büroarbeit, Internet und ein bisschen Multimedia reicht's allemal. Nur von Spielen sollte man die Finger lassen.

200 Gramm Übergewicht für ein bisschen Multimedia

Nicht die Finger lassen konnte ich freilich von dem kleinen Schiebeschalter, mit dem man das eingebaute W-Lan-Modul ein- und ausschalten kann. Denn merkwürdigerweise verlor mein Testgerät immer mal wieder die Lust am drahtlosen Websurfen und verabschiedete sich aus meinem W-Lan. Erst nach betätigen jenes Schalters (ausschalten/einschalten) war es wieder zur Kontaktaufnahme bereit. Aber das mag durchaus ein Einzelfall gewesen sein. In einschlägigen Internetforen ist jedenfalls keine auffällige Häufung entsprechender Berichte zu finden.

Auffällig ist dagegen, dass Toshiba das Gerät in Deutschland standardmäßig mit integriertem UMTS-Modul verkauft, dass es in der US-Version nur gegen Aufpreis gibt. Aber das muss uns hier nicht stören. Bleibt am Ende nur die Frage, ob man sich als potentieller R500-Käufer eher für geringes Gewicht oder für ein integriertes DVD-Laufwerk entscheidet. Der Preis ist fast identisch, nur das Gewicht wird durch den DVD-Brenner um fast ein Viertel auf knapp ein Kilo erhöht. Ich persönlich würde da ja dem leichteren Modell den Vorzug geben. Wenn schon Hightech, dann richtig - und ein externes DVD-Laufwerk gibt es bei der Leichtversion sowieso dazu.



insgesamt 2 Beiträge
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lalito 19.06.2008
1. Jedes Gramm zählt . . .
. . . und Zuverlässigkeit. Hört sich so an, mal sehen wie lange der Preis zu halten ist und wie die Konkurrenz reagiert, da sollte mit der Flash-Speicher-Technologie noch einiges an angenehmen Überraschungen aus allen Ecken kommen, Toshiba hat gut vorgelegt.
astro72, 19.06.2008
2. Man muss Abstriche machen...
Ich habe das R500 auch mal angetestet. Für den Preis ist die Verarbeitung unterirdisch. Da Toshiba ein Werbewirksames Gewicht propagiert, haben sie Material gehobelt, wo es nur geht. Im Innenbereich ist der Bildschirm schlechter als alle Konkurrenzschirme: ziemlich dunkel und sehr schlechter Kontrast, zudem sehr maue Farben. Was mich wundert: unter 800g kommt das R500 nur, wenn man den kleinen Akku verwendet und der schafft maximal drei Stunden (2 in der Praxis). Also entweder ist im Artikel die Akkulaufzeit oder das Gewicht falsch angegeben, denn mit dem 5 Stunden Akku wiegt das R500 ein knappes Kilo und mit dem optischen Laufwerk dann gut 1100 Gramm.
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