Mac-Nachbau Der erste deutsche Apple ist eine Birne

Der neue Mac-Nachbau kommt aus Wolfsburg: Mit Kampfpreisen und ohne Ambitionen beim Design fordert ein junges Unternehmen Apple heraus. Die Nachbauten, glaubt man dort, seien nach deutschem Recht nicht anzufechten.

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Nein, ein Mac ist das nicht. Er sieht nicht so aus, er trägt kein Apfel-Logo und im Apple Store kann man ihn auch nicht kaufen. Und doch soll er genau das können, was Apples Macintosh-Computer mehr als alles andere von Standard-PCs unterscheidet: Auf dem Gerät, das sein Hersteller PearC genannt hat, läuft das Betriebssystem Mac OS X, Apples Betriebssystem und sozusagen das Kronjuwel der Firma. Der PearC ist ein Mac-Klon, ein Nachbau, gebaut und angeboten, ganz ohne den Segen Apples - und deshalb vielleicht auf dünnem Eis - konstruiert.

Eigentlich sollte es solche Mac-Nachbauten gar nicht geben. Zumindest nicht, wenn es nach Apple geht. Im Endbenutzer-Lizenzvertrag, dem sogenannten EULA (End User License Agreement) zu Mac OS X, stellt Apple das unmissverständlich klar. Apple gestatte es nicht, "den Boot-ROM-Code und die Firmware" seiner Rechner "zu kopieren, zu modifizieren oder erneut zu verteilen", heißt es darin. In einfachen Worten: Apple-Software darf nur auf Apple-Hardware installiert werden.

Und doch bietet eine junge Firma aus Wolfsburg, die Hypermeganet UG, jetzt öffentlich und offenbar ohne Scheu Computer an, die nicht von Apple stammen und auf denen doch Mac OS X bereits installiert ist. Zu Preisen ab 499 Euro wird der " PC mit Mac OS X", auf der Website des Unternehmens angeboten. Einen ganz ähnlichen Versuch, Apple mit Nachbauten Konkurrenz zu machen, hatte im vergangenen Jahr schon die US-Firma Psystar unternommen - und liefert sich nun seit Monaten einen Rechtsstreit mit dem kalifornischen Unternehmen. Ausgebremst wurde Psystar bislang allerdings nicht, offeriert weiterhin seine "Open Computer" genannten Pseudo-Macs.

"In Deutschland ist das legal"

Angst vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit Apple hat auch das junge Unternehmen nicht. Aus der Sicht von Hypermeganet steht die deutsche Rechtsprechung auf der Seite des Mac-Kloners. "Endbenutzer-Lizenzverträge werden in Deutschland nur dann zum Vertragsbestandteil, wenn Sie vor dem Kauf der Software vereinbart wurden. Die Einschränkungen, die Apple für sein Betriebssystem Mac OS X in der EULA macht, haben daher in Deutschland keine rechtliche Bewandtnis", sagte Firmensprecher Dirk Blößl SPIEGEL ONLINE.

Der Kern seines Arguments: Der Anwender erfährt von Apples Verbot, Mac OS X auf Nicht-Apple-Rechnern zu installieren, erst nachdem er das Betriebssystem gekauft hat. Die Nutzungsbedingungen nämlich stecken in der Software-Packung, können vor dem Öffnen derselben nicht eingesehen werden. Hypermeganet geht deshalb davon aus, "dass das Produkt (gemeint ist der Mac-Klon) in Deutschland legal ist".

Apple hält sich zu der Angelegenheit, wie gewohnt, bedeckt. "Das kommentieren wir nicht", sagte Apples Pressesprecher Georg Albrecht SPIEGEL ONLINE. Kein Säbelrasseln also, aber auch kein Kleinbeigeben.

Wie kommt Mac OS X auf PC-Hardware?

Dass PearC die Apple-Software überhaupt auf einem Nachbau zum Laufen bringt, ist einem Trick zu verdanken. Obwohl Macs grundsätzlich auf Standard-PC-Hardware basieren, kann man Apples System nicht einfach auf ihnen installieren. Solchen Versuchen hat Apple einen Riegel vorgeschoben, indem das Betriebssystem mit der Apple-Hardware quasi verheiratet wurde. Den wichtigsten Kopierschutz stellt dabei das sogenannte EFI dar (Extensible Firmware Interface), das Grundprogramm des Rechners. Das sorgt dafür, dass Mac OS X die Hardware überhaupt ansprechen kann.

Möglichkeiten, diesen Schutz zu überwinden, gibt es allerdings schon lange. Das sind zum einen gepatchte, also per Zusatz-Software veränderte Versionen von Mac OS X, deren Kern, der Kernel, mit Programmiertricks dazu überredet wird, sich nicht an Standard-Hardware zu stören. Diese Varianten sind aber nur mühsam zu installieren, ihre Komponenten müssen Stück für Stück aus dem Netz geladen werden. Zudem muss man Apples automatische Update-Funktion deaktivieren, hat man seinen PC mit einem solchen Patch zum Mac gemacht. Jedes Update nämlich würde die Installation unbrauchbar machen.

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